Der Corona-Alltag im Freibad

Baden in geordneten Bahnen

Greven

Corona hat für eine verrückte Welt gesorgt – auch im Freibad. Und der Job von Schwimmmeister Raphael Kamp hat sich sehr verändert. Für ihn und seine Kollegen im Freibad sind viele Aufgaben dazugekommen. Sie müssen darauf achten, das die Corona-Regeln eingehalten werden

Gunnar A. Pier

Schwimmmeister Raphael Kamp und seine Kollegen müssen dafür sorgen, dass die Besucher im Grevener Freibad die Corona-Regeln einhalten. Foto: Gunnar A. Pier

Auf Bahn vier und fünf ist Rechtsverkehr: Immer an der schwimmenden Schnur entlang Richtung Startblock, Wende, auf der anderen Seite zurück. Bahn sechs ist gesperrt, damit der Abstand gewahrt wird. Die Corona-Gefahr hat für eine verrückte Welt gesorgt. Überall, auch im Freibad. Und der Job von Schwimmmeister Raphael Kamp hat sich sehr verändert.

In einem Sommer, wie er früher einmal war, begann ein typischer Sonntag für den heute 51-Jährigen um 6.30 Uhr. Großer Rundgang: Sind Technik und Becken intakt? Duschen aufschließen, Rettungsringe aufhängen, öffnen um kurz vor 7 Uhr. Den Tag über nahm tatsächlich die Badeaufsicht die meiste Zeit in Anspruch. An richtig guten Tagen kamen bis zu 2000 Besucher.

Heute ist viele anders.

Wochenlang waren alle Schwimmbäder dicht. Die Angst, dass das Virus von Badegast zu Badegast wandert, war zu groß. Als am 20. Mai die Bäder wieder öffnen durften, ging das nur mit strikten Hygienekonzepten und unter eingeschränkten Bedingungen. In Greven etwa dürfen gleichzeitig nur 120 Menschen aufs Gelände. Damit das in geordneten Bahnen läuft und keine Warteschlangen mit schimpfenden Badewilligen auf dem staubigen Parkplatz entstehen, müssen alle vorab online Karten für ein definiertes Zeitfenster kaufen.

Im Schwimmerbecken gilt strenger Rechtsverkehr. Foto: Gunnar A. Pier

Viele neue Aufgaben

Für Raphael Kamp und seine Kollegen im Grevener Freibad sind viele Aufgaben dazugekommen. Plötzlich müssen sie Hinweisschilder aufstellen, Duschen desinfizieren und vor allem streng darauf achten, dass die Menschen die Corona-Regeln einhalten. Die wichtigste: Abstand halten! Deshalb gibt es vorgegebene Laufwege, gesperrte Bahnen, und der Kiosk ist auch dicht. Die Liegewiese darf nicht genutzt werden. Sie ist zwar riesengroß und es wäre ein Leichtes, hier Abstand zu halten. „Aber wir sind dafür verantwortlich, dass die Regeln eingehalten werden“, erklärt Kamp. „Und das können wir auf der Fläche nicht leisten, da müssten ja drei Leute pa­trouillieren.“ Aus einem ähnlichen Grund sind auch die Duschräume gesperrt. Es müsste wohl sonst ein Mitarbeiter vor der Tür stehen und mitzählen, dass wirklich immer nur zwei Menschen drinnen sind.

Gestern, Sonntag, gut 20 Grad mit Wolken und einer frischen Brise: Raphael Kamp beginnt um 9.30 Uhr mit den Vorbereitungen, um 10.30 Uhr öffnet die Kasse. Kassiert wird hier freilich nichts mehr, die Besucher zeigen Barcodes, die Kamp nur scannen muss. Knapp zwei Stunden können die Gäste bleiben, dann müssen sie wieder gehen. Die Mitarbeiter haben nun eine Stunde Zeit zum Desinfizieren: Handläufe, Knöpfe der Kaltwasserduschen neben den Becken, Ablagen in den Umkleidekabinen, Tische und das Drehkreuz. Drei Durchgänge gibt es an diesem Tag – das macht maximal 360 Besucher, selten ist das Bad ausgebucht. Harte Zeiten für Badewillige – und die Stadtwerke, die das Freibad am Stadtrand betreiben.

Die Rutsche ist dicht. So sollen Wartenschlangen vermieden werden. Foto: Gunnar A. Pier

Einsichtige Gäste

Immerhin muss das Personal kaum mit den Gästen über die Regeln diskutieren. „Die Leute verstehen ja den Hintergrund – und sie wollen sich auch nicht mit dem Coronavirus anstecken“, erklärt Raphael Kamp. Selbst die älteren Gäste kämen inzwischen größtenteils mit dem Online-Vorverkauf zurecht.

Und beim Gang durchs Bad wird eins ganz deutlich: Wer einmal drin ist, schwimmt entspannter als einst. Es ist schön leer – selbst auf der geöffneten Bahn vier und fünf, wo sie sich dank Rechtsverkehr kaum nahe kommen.

Startseite