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Verkauf von Immobilien auf Rentenbasis bietet Flexibilität

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Greven

Über eine halbe Million Immobilien wurden in den USA 2010 auf Rentenbasis verkauft. Das heißt: Der Verkäufer bekommt vom Käufer eine Rente und darf in dem verkauften Haus oder der Wohnung wohnen bleiben. Ein Angebot, dass es auch in Greven gibt

Björn Meyer

In Deutschland werden Häuser normalerweise gegen einen festen Kaufpreis verkauft. In anderen Ländern wie den USA und Frankreich ist dagegen der Verkauf auf Rentenbasis längt keine Ausnahme mehr. Foto: dpa-tmn

Wie so oft kommt der Trend aus den USA – zumindest scheint es so. Über eine halbe Million Immobilien wurden dort 2010 auf Rentenbasis verkauft. Im Klartext heißt das: Der Verkäufer bekommt vom Käufer eine Rente – wahlweise als Zeitrente oder aber als Leibrente, also bis zum Tod, und darf zudem bis zum jeweiligen Zeitpunkt in dem verkauften Haus oder der Wohnung wohnen bleiben. Von den USA nach Deutschland? Weit gefehlt – hierzulande ist solch ein Verfahren bereits auf den Beginn des 14. Jahrhunderts datiert, also zu einer Zeit, als Amerika nur von seinen Ureinwohnern besiedelt wurde.

Nichtsdestotrotz, in Deutschland werden bislang noch wenige Immobilien auf diese Art verkauft – doch es werden mehr. Auch das Grevener Maklerbüro Lamboury und Howest bietet solcherlei Lösungen an – seit etwa 1,5 Jahren. Wie das Ganze funktioniert? „Das ist eine unglaubliche flexible Angelegenheit, bei dem jeder Vertrag seine Besonderheiten haben kann“, sagt Jutta Lamboury.

Die Vorteile liegen auf der Hand, der Verkäufer, der sich häufig ein lebenslanges Wohnrecht sichert, braucht sich keine Sorgen mehr darum zu machen, seine Immobilie unterhalten zu müssen und bekommt nebenbei eine zusätzliche Rente. Der Käufer wiederum macht aus rein finanzieller Sicht ein gutes Geschäft, zumal er keinen Kaufpreis bezahlen muss sondern lediglich die jeweilige Rente des Verkäufers. „Es gibt einen Käufer, einen Verkäufer und einen Notar, aber keine Bank“, bringt Jutta Lamboury den eigentlichen Verlierer ins Spiel.

Doch trotz dieser Ausgangslage, für jeden ist der Verkauf auf Rentenbasis nicht geeignet. „Man sollte schon so Mitte 60 sein, um sich darüber ernsthaft Gedanken zu machen“, sagt Jutta Lamboury. Klar ist, umso länger die noch zu erwartende Lebenszeit, umso geringer die monatliche Rente, die der Käufer zahlt.

„Jedem muss bewusst sein, dass er sein Erbe verbrät“, sagt Lamboury ehrlich. Die Motivlage kann dabei allerdings ganz unterschiedlich sein. Manch einer kommt mit seiner Rente nicht aus und gönnt sich auf diese Weise einen ruhigen und angenehmen Lebensabend. Andere haben keine Erben oder aber welche, die nicht auf das Erbe angewiesen sind. „Oft wollen die Kinder das Haus gar nicht“, sagt Lamboury, dennoch gibt sie leicht schmunzelnd zu: „Das Ganze hat schon auch ein Geschmäckle“. Immerhin wünscht sich der Käufer, vorsichtig gesagt, häufig nicht unbedingt einen Verkäufer, der ein biblisches Alter erreicht.

Zu groß aber ist für beide Seiten das Risiko nicht. Verstirbt der Verkäufer etwa unerwartet früh, bekommen die Erben die Rente zugesprochen. „Meistens gibt es da eine Mindestfrist von zehn Jahren“, erklärt Jutta Lamboury. Im Gegenzug werde die „Heesters-Klausel“ in die Rente des Verkäufers eingerechnet.

Zudem gut für den Verkäufer: Kann der Käufer irgendwann die monatliche Rente nicht mehr bezahlen, fällt die Immobilie an den Verkäufer zurück, die bisher bereits einkassierte Rente darf er in diesem Fall behalten. „So ist es jedenfalls in unseren Verträgen geregelt“, erklärt Lamboury. Vorsicht ist jedoch geboten. Andere Maklerbüros verfahren an diesem Punkt anders.

Der Käufer hat das Recht, die Immobilie jederzeit zu verkaufen. „Für den ursprünglichen Verkäufer ändert sich dann der Ansprechpartner“, erklärt Lamboury. Insgesamt geschehe das aber nur selten und wenn doch, blieben Wohnrecht und Zeit- oder Leibrente bestehen. „Für den Verkäufer ist das insgesamt eine sehr bequeme Sache. er wohnt sein Haus sozusagen ab.“

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