Rote-Keil-Gründer Jochen Reidegeld distanziert sich von seinem früheren Botschafter Christoph Metzelder

„Das macht traurig und ratlos“

Steinfurt/Greven

Was deutschlandweit für breite Aufmerksamkeit und teils Empörung sorgte, nahmen Jochen Reidegeld und die Ehrenamtler des in Greven ansässigen Roten Keils doppelt mit.

Jannis Beckermann

Christoph Metzelder vor Gericht: Er war als sogenannter „Schutzengel“ in der von Dr. Jochen Reidegeld gegründeten Organisation „Roter Keil“ aktiv. Foto:

Die Bestürzung ist ihm anzumerken, selbst wenn seit der Hauptverhandlung und dem inzwischen rechtskräftigen Urteil mittlerweile schon ein paar Tage ins Land gegangen sind. „Diese Geschichte“, da macht Dr. Jochen Reidegeld aus seiner Gefühlslage keinen Hehl, „bleibt unbegreiflich. Sie hat Wunden geschlagen vom Tag der ersten Berichte an“, sagt der Leitende Pfarrer von St. Nikomedes und Gründer der Kinderschutz-Organisation Roter Keil.

Diese Geschichte – das ist der Fall des Ex-Fußballprofis Christoph Metzelder, den das Düsseldorfer Amtsgericht am Donnerstag vergangener Woche wegen der Weitergabe kinder- und jugendpornografischer Schriften zu zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt hat (wir berichteten). Was deutschlandweit für breite Aufmerksamkeit und teils Empörung sorgte, nahm Reidegeld und die Ehrenamtler des in Greven ansässigen Roten Keils doppelt mit. Der Grund: Der aus Haltern am See stammende Metzelder, als Spieler einst für den BVB, Real Madrid und Schalke 04 aktiv, war von 2001 bis 2006 selbst als sogenannter „Schutzengel“ eine Art prominenter Werbebotschafter für den Verein.

„Unter anderem ist Christoph Metzelder zusammen mit seinem Mannschaftskollegen Sebastian Kehl bei Veranstaltungen, zum Beispiel am Grevener Gymnasium, aufgetreten“, erinnert sich Reidegeld. 2005 seien die beiden Fußballer und er zudem von Johannes Paul II. zu einer Audienz in Rom empfangen worden. Damals überreichte das Trio dem Papst ein gemeinsam verfasstes Buch zur Kinderprostitution. Später zog sich Metzelder von seinem Engagement für die Grevener Initiative zurück, da er eine eigene Stiftung für soziale Zwecke aufbaute.

Wie das damalige Engagement gegen Kindesmissbrauch zu den nun abgeurteilten Straftaten des heute 40-Jährigen passt? Darauf kann und will Jochen Reidegeld letztlich keine plausible Antwort geben. Er habe Metzelder damals völlig anders kennengelernt. „Umso trauriger und ratloser fühle ich mich heute“, sagt der Rote-Keil-Gründer.

In den Blick nehmen muss man aus seiner Sicht indes die vom Missbrauch und dessen Verbreitung durch Bilder doppelt gepeinigten Kinder, „denen unermessliches Leid angetan werde“, wie es der Rote Keil als Verein bereits in einer direkt nach dem Urteil veröffentlichten Distanzierung schrieb.In der Mitteilung begrüßt es der Verein zugleich, „dass dem Besitz und Vertrieb von kinderpornografischem Material mit aller juristischen Härte nachgegangen wird.“

Für Reidegeld und seine Mitstreiter sollte es allerdings nicht bei juristischer Strafverfolgung bleiben. „Der Fall hat, denke ich, wieder gezeigt, wie wichtig es ist, sich für mehr Prävention und Akuthilfe einzusetzen“, sagt Reidegeld, und verweist auf die zahlreichen Projekte, die der Rote Keil durch Spenden unterstützt.

Dazu zählen Streetworker in Dortmund oder Berlin genauso wie Hilfsangebote für von Missbrauch betroffene Kinder in Tschechien, Sierra Leone, Sri Lanka oder den Philippinen.

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