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„Storno“ im Ballenlager

Das Trio Infernale

Greven

In der Hexenküche ihres bitterbösen Humors hatten die Storno-Kabarettisten passende teuflische Zutaten zusammengebraut, um die Lachmuskulatur des Publikums bis an ihre Belastungsgrenze zu strapazieren und das Ballenlager in Greven in seinen Grundfesten erzittern zu lassen.

Axel Engels

  Foto: Axel Engels

Es gibt wohl nicht viele Dinge, die in Westfalen so begehrt sind wie die Karten zur ultimativen Jahresrückblick „Storno“ des umtriebigen Kabarettisten-Trio Harald Funke, Jochen Rüther und Thomas Philipzen. Storno hat sich über die Jahren zum Kult entwickelt, so etwas darf man einfach nicht verpassen.

Da konnte man sich glücklich schätzen, Besitzer einer der heiß begehrten Karten der zwei Auftritte des Kabarettisten-Triumvirats im Ballenlager zu sein – außer man saß gerade vorne rechts in der ersten Reihe und wurde damit als Vertreter der Superreichen auserkoren.

Man hat die so unterschiedlichen Charaktere einfach lieb gewonnen – den stets nörgelnden Jochen Rüther, den mit Naivität infizierten Harald Funke sowie den aufgedrehten Thomas Philipzen. In der Hexenküche ihres bitterbösen Humors hatten sie die passenden teuflischen Zutaten zusammengebraut, um die Lachmuskulatur des Publikums bis an ihre Belastungsgrenze zu strapazieren und das ehrwürdige Ballenlager in seinen Grundfesten erzittern zu lassen.

Das Jahr 2016 hat den virtuosen Wortkünstler aber auch viele Vorlagen geliefert, bei Donald Trump, dem Brexit bis zur AfD hatten sie genügend Stoff für ihre kabarettistische Sezierkunst gefunden. Ihnen fehlte im bunten Strauß der europaweiten Austritte nur noch die Trennung der Sachsen. Aber wie Harald Funke erläuterte, verhält es sich mit denen so wie mit dem Herpes-Virus: „Hast Du sie einmal, dann wirst Du sie nie mehr los“.

Selbst die irrwitzigsten Verschwörungstheorien wirkten wie Geschichten aus dem wahren Leben. Tatsachen entscheiden eben keine Wahlen, da gilt es Stimmung zu machen, Angst zu verbreiten und die Wähler Andrea Berg folgend 1000 Mal zu belügen. Nach Harald Funke ist sogar „Siggi Gabriel“ eine schillernde Erzengel-Lichtgestalt genau wie „Ziggy Stardust“ nur ein Produkt der Fantasie von David Bowie.

Harald Funke als in Greven kreierter westfälischer Trump wusste seine virtuose Sprachbeherrschung mit den irrsinnigsten Halbwahrheiten „unters Volk“ zu bringen. Nach Harald Funke gibt ja es auch die SPD gar nicht, jedenfalls kann er sie im neu erstrahlten Glanze seiner Angie nicht erkennen. Hinter vielen Dingen verberge sich Putin, der heimlich über die Gutgläubigkeit des Westens lache. Das trieb dem ewig auf Ernsthaftigkeit und statistische Überprüfbarkeit bedachten Jochen Rüther als Depressionsbeauftragter des Trios schier die Verzweiflung ins Gesicht, verlor er fast seine durch bürgerliche Erziehung gewonnene Beherrschung.

Als großes Wunder ist er modernen Medien in diesem Jahr aufgeschlossener und so suchte er sogar mit Thomas Philipzen im Netz für Harald Funke eine passende Frau. Harald Funke lud zur Märchenstunde, offenbarte dem Publikum die unbekannten Momente des Kennenlernens seiner besseren Hälfte. Thomas Philipzen sinnierte angestachelt durch verpasste Erfolge beim Eurovision Song Contest – hier belegte Deutschland den letzten Platz hinter Australien – über die „Angst der Deutschen ums Eingemachte“.

Musikalisch ging es an diesem Abend von Andrea Berg über Prince und Leonard Cohen bis Herbert Grönemeyer. Als Udo Lindenberg sorgte Thomas Philipzen für Furore, bei ihm wurde aus dem Cello ein typisch deutscher Bello. Harald Funke machte den Herbert Grönemeyer und gleich einem Trio Infernale begeisterten sie mit Blockflöte und Kuhglocke bewaffnet das Publikum.

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