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Maria Galen sammelt alte Meister

Die Dame, die käuflich ist

Greven

Die Grevener Galeristin Maria Galen beschreitet Wege abseits aktueller Trends: Sie hat sich auf alte Meister spezialisiert.

Ulrich Reske

„Bilder haben eine Geschichte, “ sagt Maria Galen. Eine spannende zudem, ergänzt die Galeristin. Und keine Kurzgeschichte, denn die Gemälde, die die Historikerin und promovierte Kunsthistorikerin im kühlen Gewölbekeller des Denkmal-Hauses Rathausstraße 1 präsentiert, sind oftmals älter als 300 Jahre. Maria Galen sammelt alte Meister, vorzugsweise aus den flämischen Malschulen. Vor über 400 Jahren schufen handwerklich perfekte Barockmaler diese Bilder.

Eine junge Frau handelt mit alten Meistern. „Das passt gut“, sagt die Nachfahrin jener Grevener Kaufmannsfamilie Terfloth, die einst im historischen Keller des  Galen-Hauses ihre per Emspünte nach Greven geschifften Waren bunkerte.

Die Entscheidung für Alte Meister sei keineswegs eine Entscheidung gegen die zeitgenössische Kunst gewesen. Ihr Faible begründet die Grevenerin pragmatisch. Zu viele Galeristen tummelten sich im zeitgenössischen Segment. Deshalb beschritt Maria Galen schon während des Studiums lieber einen Pfad abseits des Kunst-Mainstreams. Dass aus Pragmatismus Liebe wurde, ist auch in der Qualität der Exponate begründet. „Eine unglaubliche Qualität in Maltechnik und zudem eine brillante Farbigkeit“ bestechen die Galeristin auch 400 Jahre nach dem vollzogenen Mal-Akt. Fähigkeiten, die der ein oder andere zeitgenössische Künstler vermissen lässt.

Dass sich die erst 30-jährige Maria Galen der Kunst und den alten Meistern widmete sei natürlich auch den Eltern geschuldet, räumt sie ein, legt aber großen Wert auf die Unabhängigkeit von Vaters Kunstleidenschaft, der als ehemaliger Museumsdirektor des münsterischen Stadtmuseums ebenfalls die alten Meister im Fokus hatte. „Er ist Sammler, ich bin Händler.“ Allerdings eine Händlerin mit tiefer Zuneigung zum Objekt der Begierde. Etwa zu jenem Porträt einer Sibylle, das aus hochbarocker Zeit stammt. Die Dame ist käuflich. Für rund 6000 Euro wird Maria Galen sie hergeben. Dabei ist das Bild eng mit ihrem Kunststudium verknüpft: Promoviert hat Galen nämlich über den flämischen Barockmaler Johann Boeckhorst. Ihm wurde das Gemälde zugeschrieben, als es vor ein paar Jahren bei einer kleinen Auktion in Brüssel unter den Hammer kam. Galen wurde aufmerksam und erhielt den Zuschlag. In ihrer Dissertation hatte sie da längst nachgewiesen, dass der Boeckhorst eigentlich ein van den Hoeke ist. Recherchen brachten sie auf die Spur des Rubens-Schülers. Van den Hoeckes Gemälde gehört zu einem Zyklus von insgesamt zwölf Sibyllen-Darstellungen, die bis auf jenes Exponat im Galen-Keller als verloren gelten. Den Preis des einst ersteigerten falschen Boeckhorst verrät die Galeristin nicht. Doch bekanntermaßen geht bei den Alten Meistern gesunde Wertstabilität vor spekulativem Boom.

Nun ist Greven zwar Maria Galens Heimat, eine Kunstmetropole ist die Stadt dennoch nicht. Trotzdem wählte sie bewusst vor drei Jahren Greven für ihre Galen-Galerie aus. Der Charme des historischen Kellers paart sich mit einer nahezu perfekten Klimatisierung durch das dicke unterirdische Mauerwerk.

Die Adresse Rathausstraße statt Prinzipalmarkt ist natürlich auch den Mietpreisen geschuldet. Und dem Umstand, dass eher selten Laufkundschaft auf der Suche nach Alten Meistern ist.

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