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Anja Karliczek befürchtet Erfolg der AfD

Die Differenzierte

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Sie ist differenziert und kompromissbereit, politische Parolen sind ihr Ding nicht. Umso mehr fürchtet sie, dass im Wahlkampf 2017 schrille Töne die Oberhand gewinnen könnten. MdB Anja Karliczek beim Sommergespräch.

Monika Gerharz

Irgendwann Staatssekretärin oder gar Ministerin? Die CDU-Abgeordnete Anja Karliczek hebt – noch – nicht den Finger. Aber wenn man sie einst rufen sollte . . . Foto: Monika Gerharz

Sie hat einen Wahlkampf vor sich, der so gar nicht ihrem Temperament entspricht: Anja Karliczek, CDU-Mitglied des B undestags für den Wahlkreis Steinfurt III, 45 Jahre alt, Bankerin, Hotelfachfrau, Diplom-Kauffrau und dreifache Mutter, ist eine Frau der leisen Töne, die geduldig an Lösungen bastelt, lieber Kompromisse sucht statt Knoten durchschlägt. Doch sie fürchtet, dass sie sich vor der Bundestagswahl 2017 mit schrillen Tönen von rechts wird auseinandersetzen müssen, mit radikalen Lösungsansätzen etwa beim Thema Flüchtlinge. „Man denkt immer, hier ist nicht viel mit AfD“, meint sie. Aber in unzähligen Gesprächen hat sie immer mehr den Eindruck gewonnen, dass die Gesellschaft auseinanderdriftet. „Meine Sorge ist, dass es eine schweigende Mehrheit gibt, die sagt: Die haben recht.“

Um gegenzusteuern, hat Karliczek am Mittwoch eine Journalistenrunde zu einem kleinen Bilanzgespräch ins elterliche Hotel Teutoburger Wald nach Brochterbeck eingeladen. „Mir ist es ein Anliegen zu signalisieren, dass wir die Ängste der Menschen verstanden haben“, sagt sie, nennt Aufstockung der Polizei, Veränderungen beim Datenschutz, Bemühungen um effektivere Altersvorsorge als Beispiel. Aber auch: Um innere, äußere und soziale Sicherheit zu wahren, werde es kein Patentrezept geben, mag die AfD noch so sehr auf der Klaviatur der Ängste spielen. „Ich hoffe nur, dass die Menschen uns zuhören“, sagt sie. Der Zweifel um die Kraft des Arguments ist unüberhörbar. Und in ihrer Sorge um eine Radikalisierung greift die Abgeordnete auch zu seltsamen Rettungsankern: „Es wäre schön, wenn die muslimische Gemeinde Ibbenbüren vorerst auf den Bau ihres Minaretts verzichten könnte.“ Denn das Minarett, so fürchtet sie, könnte der Afd weitere Stimmen zutreiben.

Aufnehmen aber will sie den Kampf um ihren Wahlkreis, um ihren Sitz im Bundestag, auf jeden Fall: Nach der ersten Legislaturperiode, den Lehrjahren, sollen jetzt die Gesellenjahre kommen – und dann, wer weiß, vielleicht die Meisterjahre.

Jetzt stehen erst einmal Wahlkreisthemen an: Im September soll der Nachfolger von Flughafen-Chef Gerd Stöwer bestimmt werden. Mit ihm will sich Karliczek – übrigens Ehefrau eines Piloten – dafür einsetzen, dass der FMO wieder attraktiver wird. „Ich setze auf neue Ideen.“ Ihr schweben Partnerschaften mit Reiseveranstaltern und Reisebüros vor, sie ist überzeugt, dass der FMO noch und wieder Chancen hat. Das Thema Direktförderung des Sozialen Wohnungsbaus durch den Bund über 2020 hinaus, von Bau-Ministerin Barbara Hendricks aktuell aufs Tapet gebracht, sieht sie skeptisch – Projektförderung und Mittel für die Städte hält sie für sinnvoller. „Die haben das Knowhow.“ Solche Sachdiskussionen liegen ihr, und sie will das differenzierte Argumentieren nicht den Populisten opfern, auch nicht in Wahlkampfzeiten. „Die Leute sollen sich darauf verlassen können: Wenn ich etwas sage, ist es richtig.“ In dieser Frage, das spürt man, ist die Kompromissbereite kompromisslos.

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