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Sprachkurs in den Ferien

„Die gemeinsame Sprache ist: Tee“

Greven

Fast jeder kommt aus einem anderen Land. Im WeBiKul büffeln Flüchtlinge Deutsch für Anfänger.

Günter Benning

Ein Ingenieur aus der Türkei, ein Ringer aus dem Iran und ein Schüler aus Tschetschenien – im Sprachkurs arbeiten alle miteinander. Foto: Günter Benning

Schulferien? Hier nicht. In dem engen Seminarraum des Westfälischen Bildungs- und Kulturvereins (WeBiKul) sitzen die Schüler vor ihren Computern und büffeln. Kopfhörer auf den Ohren, jeder mit anderen Aufgaben beschäftigt, einige suchen beim Google-Übersetzer nach deutschen Worten. Der Orientierungskurs für Flüchtlinge geht nach neun Wochen auf die Zielgerade. Ashkan Shokuri, Philosophie- und Religionsstudent aus Münster, leitet den Kurs: „Das sind die besten Schüler, die man sich wünschen kann. Sie haben eine intrinsische Motivation zu lernen.“ Intrinsisch – das heißt: ganz tief innen.

Die Gruppe ist bunt gemischt. Gemeinsam ist allen, dass sie noch nicht lange in Deutschland leben. Und dass über ihren Asylantrag noch nicht entschieden ist. Wie Idris Sevindik aus Ankara in der Türkei. Der Geologie-Ingenieur ist vor drei Monaten aus politischen Gründen nach Deutschland gegangen. Frau und Tochter blieben Zuhause. „Deutsch“, sagt er, „ist eine schwierige Sprache.“

Das würde alle hier bestätigen. Auch Askhab und Mata Khamuradow aus dem unruhigen Tschetschenien. Ashkab (17) hat neulich den Kursleiter gefragt, was das bedeutet: „Ausbildung.“ Jetzt weiß er: „Ich würde gerne eine Mechaniker-Ausbildung machen.“ Seine Schwester (19), die Schneiderin war, träumt dagegen von Modedesign.

Das Leben war für diese Flüchtlinge so unterschiedlich, ihre Fluchtgründe sind es auch. Reza Mohammad war zwölf Jahre professioneller Ringer im Iran: „Ich war Champion in meiner Gewichtsklasse.“ Er kann aus religiösen Gründen nicht in das von Schiiten beherrschte Land zurückkehren.

Neben ihm sitzt der 25jährige Hassan Adil aus Pakistan. Er sagt, er habe Englisch studiert. Aber die Sprache spricht er nur gebrochen.

„Man übersetzt hier über Kreuz“, grinst Ashkan Shokuri, dessen Vater selbst Iraner und in Deutschland als Trockenbauer erfolgreich war. Reza Mohammad kann etwas türkisch, Mata Khamuradora hilft einer Mitschülerin aus Aserbaidschan auf Russisch weiter.

Shokuri: „Die gemeinsame Sprache für alle ist: Schwarzer Tee.“ In der Pause wird in der Teeküche das Wasser aufgesetzt.

Nach dem Orientierungskurs ist für die meisten Teilnehmer erst mal Pause. Erst bei Anerkennung gehen die Sprachkurse weiter. Schade, findet das der Kursleiter. Er habe mal eine ältere Schülerin gehabt, die ein „echtes Sprachgenie“ war. Sie habe schnell gelernt, grammatikalisch korrekt – und dann habe sie eineinhalb Jahr auf den nächsten Kurs warten müssen. Obwohl ihre Bleibechancen gut waren.

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