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Passanten-Zählung in der Innenstadt

„Die nächsten zwei Jahre sind entscheidend“

Greven

Wie hat die Grevener Innenstadt die Corona-Zeit überstanden? Die Passantenzählung bestätigt, dass die Vor-Corona-Zahlen an Besuchern lange nicht erreicht sind.

Von Peter Beckmann

In der Marktstraße war schon mal mehr Betrieb. Foto: Günter Benning

Sie sitzen unauffällig irgendwo an einer Ecke der Fußgängerzone und machen Daumen-Gymnastik. Nein, nicht um ihrer selbst willen, sie drücken auf den Knopf eines Zählers. Passanten zählen ist angesagt.

Zwei Mal im Jahr alle zwei Jahre passiert dies. Das wenig erstaunliche Ergebnis: Gegenüber der Vor-Corona-Zeit im Jahr 2018 sind in diesem Jahr immer noch deutlich weniger Menschen in der Grevener Innenstadt unterwegs.

Gezählt wird an zwei Stellen in der Markstraße – einmal vorm Kiepenkerl, einmal vor Rossmann. Zweimal am Donnerstag, zweimal am Samstag. In verschiedenen Zählintervallen, daraus werden Ergebnisse hochgerechnet – ziemlich kompliziert.

Womit automatisch über die Aussage-Kraft der Zahlen zu sprechen ist. Natürlich spielt bei den 2020er-Zahlen Corona eine Rolle. „Wir haben die Zählung wegen der Corona-Pandemie in den Herbst bei abflauenden Fall-Zahlen durchgeführt“, sagte Christian Paasche, Fachreferent Handel bei der IHK.

Auch die Donnerstags-Zahlen bei der Zählung 2022 haben nur eine bedingte Aussagekraft. „Unwetterwarnung des Deutschen Wetterdienstes, Starkregen“, so der Hinweis der IHK.

Unter diesen Gegebenheiten ist es deutlich schwerer, verbindliche Aussagen zu treffen. „Ein positiver Trend im ersten Halbjahr ist erkennbar, dennoch sind die Besucherzahlen vielerorts weiterhin unterhalb des langjährigen Durchschnitts“, heißt es in der Broschüre der IHK. Für Greven trifft dies durchaus zu. Sowohl die ermittelten Zahlen am Donnerstag, als auch am Samstag liegen in diesem Jahr deutlich unter denen aus dem Jahr 2018.

„Das stimmt sicherlich“, sagt Johann-Christoph Ottenjann, Geschäftsführer der Grevener Werbegemeinschaft (GWG). Aber ab Mai habe man einen anderen Effekt der Corona-Zeit beobachtet. „Die Kunden gehen deutlich gezielter einkaufen, die Umsätze pro Kunde sind deutlich höher.“

Der Wandel im Einzelhandel sei im vollen Gange und sei durch die Corona-Pandemie noch beschleunigt worden, so die IHK. Sprich: Der Online-Handel boomt und hat in der Corona-Zeit extrem gewonnen.

Und: Die Folgen der Ukraine-Krise und der zunehmenden Inflation seien bei all dem da noch nicht einmal eingepreist. „Ein erneutes Eintrüben der Konsumlaune zeichnet sich bereits ab“, so die IHK.

Die Gefahr sieht auch Ottenjann. „Natürlich haben wir das Niveau der Vor-Corona-Zeit noch nicht wieder erreicht“, sagte er auf Anfrage. Aber: Der Einzelhandel und auch die Gastronomie hätten die extreme Corona-Zeit halbwegs unbeschadet überstanden. Die Innenstadt biete einen guten Mix aus Einzelhandel und Gastronomie. „Und das ist für das Einkaufserlebnis wichtig.“

Wichtig sei, was in den kommenden zwei Jahren passiere. „Alles wird teurer, die Leute haben nicht mehr so viel Geld zu Verfügung, die Energiekosten steigen extrem. Da können wir nur hoffen, das der Einzelhandel wenigstens den Status quo halten kann“, so Ottenjann.

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