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Verkehrsüberwachung

Die Polizei dreht die Zeit zurück

Montargis

Überwachung. Das ist in Montargis ganz einfach. Die Polizei hat 83 Kameras in der Stadt verteilt.

Marc Verain (vorne) im Überwachungszentrum der Polizei von Montargis.

Marc Verain kann die Zeit zurückdrehen. „Moment mal“, sagt der Mitarbeiter der städtischen Polizei, der an einer Computer-Konsole sitzt, die ein bisschen nach PC-Spielen aussieht.

An der großen Wand in seinem Leitstand ist ein Dutzend Bildschirmen aufgehängt. Auf jedem wechseln in regelmäßigen Abständen die Bilder. An 83 Stellen in der Partnerstadt von Greven sind Kameras befestigt. Sie überblicken Parkplätze, Stoppzeichen, 30-Kilometer-Zonen. Da, wo sie hängen, wie vor dem Gebäude der Bank Credit Agricole, steht ein dezentes Schild: „Dieser Ort wird kameraüberwacht.“

Beim Besuch der Grevener Delegation führt Bürgermeister Benoit Digeon die Gäste stolz in diesen geheimen Leitstand, in dem seit 20 Jahren der Verkehr in der Stadt überwacht wird. „Die Kriminalität“, sagt Polizist Verain, „ist seitdem enorm zurückgegangen.“

Er hat mittlerweile die Zeit bis zum Mittwoch zurückgedreht. „7.50 Uhr war es“, sagt er. Zehn Tage lang werden hier die Aufnahmen aufbewahrt, danach wird gelöscht. Aber zehn Tage, das ist eine lange Zeit für Verkehrsdelikte. Verain hat jetzt den schwarzen Wagen im Blick, der den Boulevard de Maniéres befährt, dann auf den Place Victor Hugo einfährt.

Der Laie kann erst mal nichts erkennen. Aber als der Wagen vor dem Ibis-Hotel um die Kurve fahren will, legt er einen eleganten Schleudergang hin. Definitiv zu schnell gefahren.

Solche Momente gefallen den 15 Überwachungsmitarbeitern der Stadtpolizei von Montargis, die man vielleicht mit den deutschen Ordnungsamtsmitarbeitern vergleichen kann. Allerdings sind sie in Montargis bewaffnet, tragen Handschellen und Bodykameras.

Verain zeigt noch ein anderes Delikt. Ein häufiges. Ein Pkw fährt auf ein Stoppschild zu. Zwei Sekunden später ist er schon zehn Meter weiter. „Der kann da nicht angehalten haben“, lächelt der Ordnungshüter. Der Verkehrssünder bekommt ein Ticket, verbunden mit den beiden Momentaufnahmen.

Da staunen die deutschen Gäste. „Wenn man sich überlegt, wie schwierig es ist, am Bahnhof eine Überwachungskamera hinzustellen“, wundert sich Bürgermeister Dietrich Aden. Wogegen Dirk Pomplun, Kriminalkommissar und mit schweren Verbrechen beschäftigt, argwöhnt: „Das ist am Ende Zufall, ob sie einen erwischen.“

Alt-Bürgermeister Egon Koling übrigens hat die Lücken des Systems schon erfahren. Bei einem Besuch in Montargis war der Kofferraum seines Wagen aufgebrochen worden: „Aber auf den Videos konnte man keine Täter erkennen.“

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