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Die Rapper von der Emsschule

„Die Schüler fühlen sich gestärkt“

Greven

Schüler rappen – gegen Rauchen. Ein Projekt der Caritas in der Schule an der Ems.

Von Günter Benningund

Eric rappt auch zu Hause. Gestern durfte er in der Schule an der Ems Musik machen – ein Programm gegen das Rauchen. Foto: Günter Benning

Nach dem Termin im SV-Raum der Schule an der Ems sehen sich alle zum ersten Mal bewusst das große bunte Wandbild an. Eine Fantasiefigur liegt da. Aus deren Mund fließt weißer Rauch. „Das gibt es ja nicht“, sagt Heike Budke vom Caritas-Verband, „mit dem Kollegen muss ich mal reden.“

Budke ist Suchtprophylaxe-Fachkraft in der Drogen- und Suchtberatungsstelle in Emsdetten. Gemeinsam mit der Schule an der Ems hat sie ein musikalisches Projekt angeleiert: Rappen gegen Qualm ist das Motto – und an solchen Wandbildern kann sie ablesen, wie selbstverständlich das Rauchen doch immer noch ist: „Bei manchen Kindern fängt das, mehr oder weniger intensiv in der fünften Klasse an.“

„Es geht um ein Leben ohne Zigaretten“, sagt Adrian Rokstein. Der Zwölfjährige besucht die siebte Klasse der Schule und hat gerade eine Strophe mitgerappt.

In einer Ecke des Raumes ist eine Art Aufnahmebox eingerichtet. An der Wand hängen Texte, davor steht das Mikrofon. Einen Tisch weiter Alex Pienemann, der ein Aufnahme-Programm auf dem Computer laufen lässt.

Pienemann, studierter Fachlehrer für Förderschulen, ist ebenso Tontechniker und Musikproduzent. Er arbeitet seit Jahren in der offenen Kinder- und Jugendarbeit. Sein Hobby, die Musik, hat er zum Beruf gemacht.

Er bietet Rap-Projekte, Trommel-Workshops und Tontechniker-Kurse an. „Das war in der Corona-Zeit sehr schwierig“, sagt er, „aber jetzt läuft es wieder besser – ich hoffe, es bleibt erstmal dabei.“

Eric Thape, schwarze Lederjacke, Kapuze auch in der Klasse über den Kopf gezogen, ist mit Leib und Seele Rapper: „Ich habe ein Mikrofon und eine Rap-Box. Ich rappe freizeittechnisch zuhause.“

Mal saugt er sich die Texte dafür aus dem Internet, mal schreibt er sie selber. „Manchmal mache ich auch Freestyle-Contests“, sagt er, „da tritt man gegen einen anderen an.“ Stegreif-Rap, bei dem sich die Sänger die Sätze so hinwerfen.

Thapes Texte sind chilllig, sagt er. Manchmal gibt es Beleidigungen, die unter die Gürtellinie gehen. Dieses Ventil für Jugendliche ist verbreitet in der Szene: „Das gehört zum Rap auch dazu.“

Das aktuelle Projekt wird von „Ginko“ gefördert. Die Stiftung für Prävention ist Träger der Landesfachstelle Prävention der Suchtkooperation NRW sowie der kombinierten Jugendberatungs- und Fachstelle Suchtvorbeugung in Mülheim an der Ruhr.

Der Rap macht den Kopf frei zum Nachdenken. „Bei der Musik kommt die Persönlichkeit zum Ausdruck“, sagt Fachlehrer Alex Pienemann, „die Schüler fühlen sich dadurch gestärkt.“

Maxi Dorn ist auch einer, der hier vors Mikrofon trat. Ohne Maske für die Aufnahme, versteht sich. Er dichtet nicht selbst, rappt aber mit: „Am Mikrofon zu stehen“, sagt er, „das ist schon ein etwas unsicheres Gefühl.“

Ob das Projekt am Ende wirklich gegen das Rauchen hilft, muss sich zeigen. Heike Budke kann jedenfalls einen Trend feststellen: „Zum Glück ist es deutlich zurückgegangen, aber wir müssen versuchen, die Jugendlichen zu erreichen, bevor sie konsumieren.“

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