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SPD-Bundestagskandidat

Die zwei Seiten des Jürgen Coße

Greven/Neuenkirchen

Sonderbar. Im Internet gibt es den SPD-Bundestagskandidaten Jürgen Coße gleich zweimal. Alles nur, weil das Netz so schlecht vergisst.

Von Günter Benning

Alt: Jürgen Coße noch als aktiver Bundestagsabgeordneter in Berlin.Neu: Jürgen Coße auf seiner aktuellen Webseite. Foto: Online

Das Internet vergisst nicht, sagt man manchmal scherzhaft. Jürgen Coße ist aber gar nicht zum Lachen zumute. Der SPD-Bundestagskandidat aus Neuenkirchen führt nämlich im Netz der Netze quasi ein Doppelleben. Wer bei Google nach seinem Namen sucht, stößt ganz flott auf eine alte Seite. Die zeigt ihn als Bundestagsabgeordneten in Berlin. Das ist er aber seit 2017 nicht mehr.

Nicht mehr im Bundestag

Wer nach einer Google-Suche die Seite www.juergen-cosse.de aufruft, stößt auf das Profil des aktiven Bundespolitikers Coße mit achtköpfigem Team. Darunter auch Manuela Teupe, die Sachbearbeiterin in seinem Büro in Ibbenbüren.

Die Grevenerin Teupe kann sich an die schöne Zeit erinnern. „Sie dauerte leider nur 13 Monate“, sagt sie. Für den Nachrücker Coße war bei der letzten Bundestagswahl die Stippvisite in Berlin vorbei. Coße verlor sein Mandat, Teupe ihren Job. Privat lief es dann allerdings besser: Vor wenigen Monaten haben die beiden geheiratet.

Die schmucke Internetseite allerdings wurde nie wieder geändert. Coße: „Wir haben die von einer Werbeagentur machen lassen.“ Die Agentur ging bankrott. Der Zugriff auf die Seite war verloren, weil auch Coße kein Passwort für den Administratorenbereich hat. „Es gibt nur noch einen Ordner aus der Zeit, den ich noch nicht danach abgesucht habe“, erklärt er.

Auch der Provider, also der technische Betrieb, der die Internetseite bereitstellt, hatte den Besitzer gewechselt. Zwischendurch sei die alte Seite mal verschwunden gewesen, sagt Coße. Nach der Provider-Fusion tauche sie wieder auf.

Neue Präsenz bei Google unter ferner liefen

Ärgerlich. Denn mittlerweile hat Coße eine neue Web-Präsenz. Unter dem Namen juergen-cosse.spd.de scheint die Uhr auf Null gestellt zu sein: „Für Dich in den Bundestag“, firmiert dort auf der Startseite. Die Seite rangiert allerdings – zumindest bei der Suche bei Google – unter ferner liefen.

So einfach ist es nicht, seine eigene Seite sperren zu lassen. Das fängt schon damit an, dass man herausfinden muss, wer der tatsächliche Besitzer einer Internet-Domäne ist. Auskunft darüber gab es bis vor wenigen Jahren öffentlich und für jeden zugänglich bei der Denic, die im deutschsprachigen Raum alle Domains mit der Endung „.de“ verwaltet.

Doch seit die neue Datenschutzgrundverordnung in Kraft getreten ist, werden Auskünfte nur noch schriftlich und in Ausnahmefällen möglich. Auch für jemanden wie Coße.

Fehler bei Wikipedia

Der Neuenkirchener hat aber noch ein weiteres Problem im Netz. Auch sein Eintrag bei Wikipedia ist eine Mischung aus alt und neu. So wird dort zwar sehr aktuell erwähnt, dass er in diesem Jahr erneut für eine Bundestagskandidatur antritt.

Gleichzeitig firmiert er dort noch immer als stellvertretender Landrat des Kreises Steinfurt. Das ist er nicht mehr, seit er den Fraktionsvorsitz der SPD übernommen hat.

„Auch bei Wikipedia ist es schwer, eine Änderung zu veranlassen“, sagt der vom Internet gebeutelte SPD-Obere.

Tatsächlich wird das Online-Lexikon von vielen Freiwilligen gepflegt. Wenn allerdings ein direkt Betroffener Änderungen in Texte reinredigiert, durchlaufen sie erst eine Art Legitimierungsprozess.

„Einige Dinge im Lebenslauf haben sie schon geändert“, sagt Coße, „andere nicht. Wikipedia ist kein Lexikon – das ärgert mich auch.“

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