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Sprache

Wie Grevens Schulen und Unternehmen mit dem Gendern umgehen

Greven

Bürger, Bürger:in, BürgerIn, Bürger*in. Wie soll es denn jetzt sein. Wir haben nachgefragt.

Auch eine von verschiedenen Versionen: der Doppelkopf soll für Gendergerechtigkeit sorgen. Foto: Michael Gründe

„Das Thema ist ein schwieriges – aber wichtiges“, sagt Kai Lüken, Leiter der Volkshochschule. Die VHS löst das Problem zum Beispiel so: „Für Senioren und Seniorinnen“, kündigt sie per Mail eine Pressemitteilung an. Im Text steht dann „Senior:innen“.

Alle wollen gendern. Keiner kann es richtig. Denn Varianten der geschlechtergerechten Sprache gibt es viele.

Verbreitet ist beispielsweise die ausführliche Nennung beider Formen (Schüler und Schülerinnen), das Binnen-I (SchülerInnen), das Gendersternchen (Schüler*innen), der Doppelpunkt (Schüler:innen) oder der Unterstrich (Schüler_innen).

Die Volkshochschule nimmt das Thema sehr ernst, hat sich deshalb dem Leitfaden für geschlechtergerechte Sprache der Stadtverwaltung Emsdetten angeschlossen. Dieser beinhaltet unter anderem alternative Formulierungen zum Gendersternchen wie beispielsweise „Dozierende“ statt „Dozent*innen“.

„Wir werden den Leitfaden sukzessive umsetzen“, so Lüken und „versuchen einen hoffentlich guten geschlechtergerechten Weg zu finden.“

Gibt es verbindliche Regeln?

Eine verbindliche Rechtschreibreform zur Gendersprache existiert bislang nicht.

Behörden sind bereits seit 2001 dazu verpflichtet geschlechtergerechte Sprache zu verwenden, „um der Gleichstellung von Frauen und Männern Ausdruck zu verleihen“, so Wolfgang Jung, Pressesprecher der Stadtverwaltung.

Die Verwaltung habe das Ziel, in ihren Veröffentlichungen alle Menschen anzusprechen, ganz unabhängig von ihrer Geschlechtsidentität.

Wenn möglich verwendet die Stadtverwaltung geschlechtsneutrale Bezeichnungen, Pluralformen oder das Gender-Sternchen. Das Sternchen umfasst dabei mehr als die weibliche Form, es soll „auch Menschen ansprechen, die sich weder als eindeutig männlich noch als eindeutig weiblich empfinden oder bezeichnen“, so Jung.

Warum Sahle Verwechslungen vermeidet

Das Grevener Unternehmen Sahle Wohnen verwendet das Sternchen nicht, „da diese Herangehensweisen nicht mit der amtlichen Rechtschreibung konform sind“, so Pressereferent Matthias Morawietz.

Dem Unternehmen ist „neben dem Wunsch, sich fair auszudrücken, die Einhaltung der Rechtschreibregeln und präzise und ästhetische Sprache wichtig“, so Morawietz. Deshalb verwenden sie wenn möglich beide Formen wie beispielsweise „Mieterinnen und Mieter“.

Geschlechtsneutrale Formen wie „Mitarbeitende“, wie die Stadt sie bevorzugt, sei hier teilweise sogar hinderlich, denn bei dem Begriff „Mietende“ könne es zu Verwechslungen mit dem Ende eines Mietverhältnisses kommen, erklärt Morawitz.

Das Unternehmen hat das Gendern bislang auf seiner Homepage noch nicht vollständig durchgesetzt. „Wir sind uns bewusst, dass wir mit unseren Bemühungen gerade erst am Anfang eines Weges stehen, der viele Umstellungen und Umgewöhnung bedeutet und dass eine inkludierende Sprache dazu führt, dass sich mehr Menschen angesprochen und ermutigt fühlen“, sagt Morawietz über den aktuellen Stand der Gendersprache bei Sahle Wohnen.

Sport will gendergerecht sein

Auch der Sportverein Greven e.V. ist gerade in der Entwicklung. Hier wird bereits teilweise das Gender­sternchen verwendet. Einem konkreten Konzept folgt der Verein bislang nicht. Man sei aktuell dabei sich auf eine gendergerechte Sprache umzustellen.

Geschäftsführer Sven Thiele macht deutlich, dass es sich um einen laufenden Prozess handelt. „Es gelingt uns bislang möglicherweise nicht bis in den letzten Winkel.“ Dennoch will der Verein zeigen, dass er für das Thema sensibilisiert ist. „Wir leben in einer Zeit, in der das eine Selbstverständlichkeit ist“, so Thiele zur Relevanz des Genderns.

Zudem habe der Sportverein inzwischen mehr weibliche Mitglieder als männliche. „Allein dadurch sind wir gefordert, sprachlich sensibler zu werden“, erklärt Thiele.

Gendern verändert die Sprache. Ungewöhnlich ist das nicht. „Dass Sprache ständiger Veränderung unterworfen ist, bildet vor allem im Fach Deutsch einen zentralen Unterrichtsbaustein“, sagt Benedikt Faber, Deutschlehrer am Gymnasium Augustianium.

Was tut die Schule?

„Im Deutschunterricht findet das Thema eine indirekte Besprechung in dem Themengebiet Sprache-Sprachwandel-Sprachvarietäten“, so Peter Winkens, ebenfalls Deutschlehrer am Grevener Gymnasium. Er fühlt sich durch die Genderdebatte an die Rechtschreibreform um die Jahrtausendwende erinnert: „Viel und sehr emotional bis aggressiv diskutiert und am Ende dann doch halb so schlimm.“

Tobias Jöhren, Pressesprecher von Fiege Logistik, positioniert sich ebenfalls zum Gendern. „Wir gendern bei Fiege, weil wir deutlich mehr Gründe sehen, die dafür sprechen als dagegen“, erklärt Jöhren. Bei Fiege wird mit Doppelpunkt gegendert. „Ein Doppelpunkt tut niemandem weh“, so Jöhren.

Gendersprache ist bislang nicht einheitlich, nicht leicht zu überblicken und in der Umsetzung nicht immer einfach. Dennoch bleibt es ein wichtiges Thema. Jöhren: „Wer gendert, schließt alle mit ein und niemanden aus.“

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