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Tom Hengelbrock arbeitet als professioneller Songschreiber

Ein Song von der Playa del Corona

Greven

Tom Hengelbrock arbeitet als Songwriter. Und gerade hat er seinen eigenen Rap über Corona herausgebracht. Wir haben mit ihm darüber gesprochen.

Günter Benning

Tom Hengelbrock bei einem Konzert in der Alten Feuerwache im Mannheim. Foto: Thorsten Dirr

Er macht gerade Urlaub an der „Playa del Corona“. Tom Hengelbrock (22) hat einen nachdenklichen Rap über die Pandemie und die vergessenen Probleme der Welt geschrieben. Der Grevener studiert in Mannheim an der dortigen Popakademie. Mit ihm sprach unser Redaktionsmitglied Günter Benning.

Was machen Sie in Mannheim?

Hengelbrock: Ich studiere Gesang und Songwriting an der Popakademie, im Sommer bin ich mit dem Bachelor fertig.

Mannheim ist eine Musikstadt, aus der viele bekannte Popmusiker kommen. Inspiriert das?

Hengelbrock: Das ist super inspirierend. Mannheim ist nicht schön, aber eigen. Es gibt viele Musik-Unis, es laufen viele junge Musiker rum, es ist Multi-Kulti.

Sie kommen aus Greven?

Hengelbrock: Genau gesagt aus Maestrup, der tiefsten Bauerschaft.

Und da hatten sie schon als Jugendlicher einen Hit?

Hengelbrock: Mit 15 Jahren bin ich im Kinderkanal Kika in der Sendung „Dein Song“ aufgetreten. Als mein Opa gestorben war, hatte ich ein Lied geschrieben und es auf der Beerdigung gespielt. Da hat mich mein Onkel angeregt, es doch mal in der Sendung zu probieren. Innerhalb weniger Wochen war ich dann im Fernsehen. Ich mache ja immer schon Musik, aber das war ein anderes Level und für mich auch eine Möglichkeit, mit seinem Tod abzuschließen und im „Lebe wohl“ zu sagen.

Wo haben sie das Lied aufgenommen?

Hengelbrock: In Berlin in den Funkstudios und das Video dazu haben wir in Amsterdam gedreht.

Sie sind früh mit Musik angefangen?

Hengelbrock: Ich mache eigentlich schon Musik seit ich denken kann. Mein Papa spielt Klavier. Irgendwann habe ich zu „Wir sind Helden“ auf Kochtöpfen getrommelt. Bis meine Eltern gesagt haben, das geht nicht mehr, wir müssen ein Schlagzeug kaufen. Dann fing es auch damit an, dass ich eigene Lieder geschrieben habe.

Worum geht es in ihrem Corona-Song?

Hengelbrock: „Guten Tag, Welt“ behandelt das Alleinsein, das Leben in der Quarantäne, aber auch, dass man in dieser Situation nicht vergessen soll, dass es noch ganz andere Probleme gibt, die gerade völlig aus den Nachrichten verschwinden.

Sie arbeiten professionell als Songwriter. Was tut man da?

Hengelbrock: Man ist viel unterwegs, weil man Songs ja meistens nicht alleine schreibt. Ich selbst schreibe vor allem Texte, deshalb mache ich sehr gerne Songwriting-Sessions mit Produzenten und sogenannten Toplinern, die dann Melodien für die Songs schreiben. Ich bin oft auf Songwriting-Camps, um mich mit anderen Songwritern zu treffen. Oder ich sitze an meiner Notizen-App und grüble über Textzeilen. Kreativität ist ja leider nicht immer da. Manchmal habe ich um ein Uhr nachts die Idee und sitze bis um fünf Uhr morgens daran.

Das ist also ein richtig professionelles Geschäft mit Aufträgen und Fristen?

Hengelbrock: Auf jeden Fall. Ab einem gewissen Punkt ist jeder Song nur noch ein Produkt. Das musste ich auch erst mal lernen. Es kommt nicht darauf an, einen schönen Song zu schreiben, sondern einen Song, der genau auf den Künstler oder die Künstlerin passt, für die oder den er geschrieben wird. Einen Song für jemanden zu schreiben ist, wie einen Schuh zu schustern, sagt mein Chef, Sera Finale, immer. Es ist egal, ob du ihn magst oder selbst darin gehen kannst, die Künstler müssen ihn mögen

Da muss man aber erst mal hinkommen?

Hengelbrock: Ja, es ist lange eine brotlose Kunst. Man braucht Durchhaltevermögen. Ich habe im Sommer einen Vertrag bei BMG unterschrieben. Der Verlag besorgt mir Jobs, bringt mich mit Künstlern zusammen. Mein Chef und Mentor ist Sera Finale, einer der bekanntesten deutschen Texter, der schon für Udo Lindenberg, Johannes Oerding, Sido, Andreas Bourani und einen Haufen weiterer sehr bekannter Künstler Songs gemacht hat. Sein Erfahrungsschatz und seine Kontakte bereichern mich natürlich ungemein.

Ich vermute, die meisten Leute wissen gar nicht, dass hinter den größten Hits Profi-Texter stehen?

Hengelbrock: Ja, heutzutage findet das Songschreiben meistens in großen Miet-Studios statt. Da laden die Verlage Musiker und Songwriter ein. Es ist wie eine Songfabrik, denn die wenigsten Künstler schreiben ihre Lieder selbst. Ich würde sagen, 80 Prozent der Künstler holen sich Songwriter mit ins Boot.

Wie muss man sich das praktisch vorstellen?

Hengelbrock: Da können schon mal sechs, sieben, acht Teams an einem Tag für einen Künstler in den Studios sitzen und Songs schreiben. Manchmal eine Woche lang, dann geht man am Ende mit 20 Songs raus.

Und wie zahlt sich das aus?

Hengelbrock: Man ist an den Songs prozentual beteiligt. Der Song setzt sich zur Hälfte aus dem Text und zur der anderen Hälfe Musik zusammen. Bis auf Ausnahmefälle teilt man die Prozente am Song eigentlich immer fair durch die Anzahl der Leute, die mitgeschrieben haben.

Ihr Ziel ist es doch wahrscheinlich, einmal einen Welthit schreiben?

Hengelbrock: Ich glaube, jeder Songschreiber sehnt sich insgeheim nach „dem“ einen Song, und man darf natürlich auch nicht unterschätzen, wie viel ein einziger erfolgreicher Song schon für einen als Schreiber verändern kann. Aber trotzdem sollte man versuchen, sich Erfolg nicht als einzige Motivation zu nehmen, denn dann hört man mit Sicherheit schnell wieder mit dem Schreiben und der Musik auf und letztendlich mache ich ja Musik, weil ich es gerne tu.

Sie wollen also weitermachen?

Hengelbrock: Wenn einen das Songschreiben einmal gepackt hat, lässt es einen nicht mehr los. Was man braucht, ist sehr viel Geduld und natürlich ein gewisses Selbstvertrauen, aber ich habe nun schon oft miterlebt, wie schnell sich die Musikindustrie wandelt und man von heute auf morgen gut davon leben kann. Es ist glaube ich immer eine Einstellungs- und Überzeugungssache.

Sie haben schon für einige prominente Künstler geschrieben?

Hengelbrock: In den letzten Monaten habe ich unter anderem für Mandy Capristo, Mike Singer, Jellina, Johnny und Jakob, die Prinzen und noch einige weitere Projekte Songs und Texte geschrieben. Die Alben sollen noch dieses Jahr erscheinen. Da habe ich viel Zeit für und mit den Künstlern reingesteckt. Die Künstler sind bei den Songwriting-Camps meistens auch selbst dabei.

Und die sagen dann auch, dieser Song passt mir nicht?

Hengelbrock: Ja, meistens schon. Sie vertreten ihre Meinung zum Teil auch recht stark, was einen auch auf persönlicher Ebene manchmal fordern kann, aber das gehört zum Job.

Gibt es auch Camps, wo gar nichts geht?

Hengelbrock: Beim letzten Camp war der erste Tag eine komplette Katastrophe. Wir saßen da mit zwei Super-Songwritern und wir haben nichts hinbekommen. Da geht man nach 13 Stunden auseinander und denkt sich, was haben wir heute gemacht? Und dann setzt man sich nachts aus Frustration über den Tag nochmal ran, schreibt doch noch bis fünf Uhr morgens am Song: Und der wird die nächste Single.

Treten Sie auch selbst auf?

Hengelbrock: Ja, ich hatte immer mein eigenes Projekt. Und jetzt werde ich auch wieder mehr machen. Man kann hier in Mannheim gut auftreten und sich vernetzen und auch die Live-Szene hier ist unfassbar.

Der aktuelle Son Tom Hengelbrock ist hier zu finden: https://spinnup.link/306529-guten-tag-welt macht grad Urlaub an der „Playa del Corona“.

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