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„Ensemble Nobiles“ in der Martinuskirche

Ein tief bewegendes Musikerlebnis

Greven

Seit über zehn Jahren konzertiert das „Ensemble Nobiles“ und da ist ein jederzeit stimmiger musikalischer Dialog ganz natürlich gewachsen. Dies spürte man schon beim ersten Stück, das in der Martinus-Kirche vorgetragen wurde.

Axel Engels

Seit über zehn Jahren konzertiert das „Ensemble Nobiles“. Foto: Axel Engels

Mit solch einer Resonanz auf das Konzert von Greven Klassik bei den Liebhabern feinster Gesangskunst kann man durchaus zufrieden sein – mit dem „Ensemble Nobiles“ aus Leipzig erlebte man in der St. Martinuskirche ein Vokalensemble, das international zur ersten Garde der A-Capella-Formationen gehört.

Der Tenor und Komponist Paul Heller, sein Kollege von der gleichen Stimmlage Christian Pohlers, sowie der Bassist Lucas Heller blicken auf eine prägende Zeit bei dem berühmten Thomanerchor zurück. Aber auch der Bassbariton Lukas Lomtscher hat seit früher Kindheit sich musikalisch betätigt und der Bariton Benjamin Mahns-Mardy empfing wichtige musikalische Impulse an der Leipziger Hochschule für Musik.

Seit über zehn Jahren konzertiert das „Ensemble Nobiles“ und da ist ein jederzeit stimmiger musikalischer Dialog ganz natürlich gewachsen. Dies spürte man schon beim ersten Stück, dem von Paul Heller komponierten „Herr Gott, Dich loben wir“, das in ganz kultivierter Art von der Orgelbühne aus gestaltet wurde. Als „Quartett“ widmeten sich die Sänger dann vor dem Altar dem „Kyrie eleison“ von Josquin des Prez. Hier zeigte sich sofort die Stilsicherheit des Ensembles, das bei einstimmigen gregorianischen Gesängen ebenso zu Hause ist wie bei ganz modernen Kompositionen.

Diese Offenheit für ein Spannungsfeld zwischen den Musikepochen machte dieses Konzert besonders interessant. Denn so konnten die fünf Sänger ihre ganzen stimmlichen Klangfarben exquisit einbringen in einen facettenreichen Gesamtklang. Dabei nutzten sie geschickt die Akustik der St. Martinuskirche, wechselten den Standort und dann verschmolzen wie beim gregorianischen Choral „Gloria in excelsis Deo“ die unterschiedlich timbrierten Stimmen noch besser auf die jeweiligen Werke abgestimmt.

Mit dem „Quartre Petitesse príeres de Saint Francois d’Assise“ von Francis Poulenc hatte sich das „Ensemble Nobiles“ einer ganz besonders anspruchsvollen musikalischen Herausforderung zu stellen. Denn der Komponist hat den Text des Heiligen Franziskus in ein fast revolutionäres klangliches Gewand gekleidet, stimmtechnische Schwierigkeiten sind in jedem einzelnen Part zu finden. Aber das „Ensemble Nobiles“ machte da seinem Namen alle Ehre, konnte dem Publikum ein wahrlich tief bewegendes Musikerlebnis schenken.

Nach der in Musik gesetzten Glaubensaussage von Paul Heller schickten die sympathischen Künstler das Publikum in die Pause, konnte man rund um die Marktkirche promenieren und das Gehörte nachwirken lassen. Dann ging es auf gleich hohem künstlerischen Niveau weiter. Bei dem gregorianischen Choral „Magnificat“ fühlte man sich versetzt in die Ruhe und Abgeschiedenheit eines mittelalterlichen Klosters. Dazu passte das „Agnus Dei“ von Josquin des Prez ganz exquisit.

In himmlische Sphären wurde man entführt beim „Gesang der Erzengel“ von Georg Christoph Biller und auch die relativ modernen „Luther Madrigals“ von Bernd Franke fanden bei solch intensiver Darbietung ein ganz aufgeschlossenes Publikum.

Dieses Konzert wird sicherlich lange in Erinnerung bleiben, da wurde das Publikum auf höchstem Niveau inspiriert, konnte man sich von der wunderbaren Musik einfach umschmeicheln lassen und sie genießen.

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