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Tobias Werning rüstet für 900 000 Euro um

Energie aus Pferdemist

Greven

Tobias Werning verfüttert derzeit vor allem Mais an seine Biogasanlage. Das wird in Zukunft umgestellt – auf mehr Nachhaltigkeit.

wn

Tobias Werning vor einem Silo, das für die Vorbehandlung von Pferdemist notwendig ist. Foto: Günter Benning

Vielseitig. So könnte man Tobias Werning, Grevener Land- und Energiewirt, wohl am besten umschreiben. Er betreibt neben dem elterlichen Hof in Guntrup eine Biogasanlage, hat in dieser Woche ein Wärmeprojekt für den Süden der Stadt angekündigt und vor ein paar Monaten am Postdamm mit einem Kollegen einen modernen Legestall für Hühner mit viel Freilauf eröffnet. Bio-Energie aus nachwachsenden Rohstoffen ist sein Geschäft. Aber, dass sie vorwiegend aus Mais entsteht, hat ihn zu einem Schwenk veranlasst. Mit unserem Redaktionsmitglied Günter Benning sprach er über die Umrüstung seiner Bio-Gasanlage auf Pferdemist.

Lebensmittel „verfüttern“

Im Moment „verfüttern“ sie in ihrer Biogasanlage vor allem Mais. Das wird oft kritisch gesehen, weil viele Leute sagen, ein Lebensmittel habe da nichts zu suchen. Wieso stellen Sie jetzt um?

Werning: Wir sind zur Zeit dabei, einen neuen, anderen Weg zu gehen. Für uns war es immer schon ein großes Anliegen, anders als über Mais oder Produkte, die auch für die Lebensmittelindustrie interessant wären, Energie zu erzeugen. Wir bauen gerade eine Vorverdauungsstufe ein, um landwirtschaftliche Reststoffe, dazu zählt für uns vor allem Pferdemist, verarbeiten zu können. Das ist technisch eine Herausforderung. Aber wir werden damit in der Lage sein, gut 80 bis 90 Prozent des bisher eingesetzten Materials durch Stroh und Mist zu ersetzen.

Welche Folgen hat das?

Pferde gibt es reichlich

Werning: Wir werden dadurch deutlich nachhaltiger und besser auch zukünftig erneuerbare Wärme und Strom erzeugen können.

Wo kommt der Mist her?

Werning: Er wird hauptsächlich von landwirtschaftlichen Betrieben aus der Umgebung kommen. Gerade hier rund um Münster gibt es viele Betriebe, die Pferde haben. Die stehen auf Stroh, da fällt brauchbarer Mist ab, der bislang als Dünger auf den Feldern eingesetzt wird.Die Biogasanlage in Guntrup wird aufgerüstetGünter Benning

Fällt er dann als Dünger aus, wenn Sie ihn energetisch verwerten?

Werning: Nein, bei der energetischen Verwertung bleiben die Nährstoffe erhalten. Sie werden nachher wieder dem Naturkreislauf zugeführt. Die Pflanzen brauchen ja vor allem die Nährstoffe Stickstoff, Phosphor und Kali. In der Biogasanlage produzieren wir Methan. Und dieses Gas besteht aus Kohlenstoff. Der ist wiederum in der Zellulose gebunden, die von Bakterien aufgeknackt und verdaut wird. Bei diesem Stoffwechselprozess entsteht das Gas, das wir verbrennen. Stickstoff, Phosphor, Kali bleiben und stehen auch nachher den Pflanzen zur Verfügung.

Weniger Geruch

Stinkt der Mist dann weniger, wenn er auf den Acker kommt?

Werning: Das ist so. Wenn die Bakterien den Mist verdaut haben, ist er deutlich weniger geruchsintensiv.

Warum wird das nicht schon immer so gemacht?

Werning: Es ist einfach technisch und biologisch eine sehr große Herausforderung. Wir haben lange nach einem System gesucht, das funktioniert.

Wo ist das Problem?

Werning: Gerade bei Pferdemist sind viele Fremdstoffe drin. Nylonseile, vielleicht mal ein Hufeisen und alles mögliche, das in Pumpen und technischen Geräten Probleme verursacht. Außerdem hat eine Biogasanlage, genau wie wir Menschen auch, am liebsten leicht verdauliche Materialien: Etwa Zucker und Fette. Das ist einfach zu verdauen. Wenn Stroh gefüttert wird, ist es schwieriger für die Anlage, das umzusetzen. Dafür muss eine Vorverdauung stattfinden, die unter anderen biologischen Bedingungen stattfindet als der eigentliche Biogasprozess.

Darum haben Sie auf der Anlage gerade eine Baustelle?

Werning: Ja, wir haben eine Technologie entdeckt, die das kann. Die wird ab Mai diesen Jahres in unserer Anlage dafür sorgen, dass wir technisch und biologisch dazu in der Lage sind.

Was passiert dann mit dem Mais?

Große Investition

Werning: Der würde zum Teil zur Verfügung stehen, um zum Beispiel Körnermais daraus zu machen. Entweder als Tierfutter oder für menschliche Nahrung. Das muss dann jeder Landwirt entscheiden, der seinen Mais anders vermarkten kann als es heute der Fall ist.

Wie teuer ist die Umrüstung?

Werning: Die wird uns cirka 900 000 Euro kosten. Es gibt bereits anderswo solche Anlagen. Ich habe mir eine Beispielanlage in Mecklenburg-Vorpommern angeschaut, auch in Niedersachsen gibt es zwei Anlangen, die nach diesem Prinzip laufen. Es ist nichts, was ganz neu erfunden werden muss und wir haben eine Beratungsfirma an der Hand, die mit uns den Umbau plant und durchführt.

Was passiert heute mit den Reststoffen aus der Maisverwertung?

Werning: Die werden zum Großteil wieder auf die Flächen ausgebracht und als Nährstoff für das Getreide genutzt.

Was ist der bessere Einsatzstoff für die Düngung, Mais oder Mist?

Werning: Ob sie Mais oder Pferdemist nehmen – das Produkt, das hinten rauskommt, ist eigentlich ziemlich ähnlich. Der Ausgangsstoff ist beim Mais die Pflanze, beim Mist ist es die Getreidepflanze, die eingelagert wird. Das eine ist etwas trockener, das andere feuchter.

Wie lange betreiben Sie die Biogasanlage?

Werning: Seit zehn Jahren. Sie hat sich für uns gerechnet. Ich sehe aber die Herausforderung, in eine zukunftsfähige Technologie zu investieren. Wer jetzt nicht nach vorne denkt, wird vielleicht in einigen Jahren so eine Anlage nicht mehr betreiben können. Wir haben das Ziel, die Anlage auch in den nächsten 20 Jahren und danach betreiben zu können. Und das vielleicht auf eine nachhaltigere Weise als es bislang passiert ist.

Noch eine Geruchsfrage, wenn Sie Pferdemist verarbeiten, stinkt das mehr als Mais?

Werning: Kann man so nicht sagen. Der Pferdemist wird frisch angeliefert. Wir brauchen ihn frisch aus den Ställen, bevor er warm wird. Wenn er warm wird, hat er schon Energie verbraucht. Sobald er in unserer Anlage ist, befindet er sich in einem gas- und luftdichten System und wird nicht stinken.

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