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Erhöhte PCB-Konzentration im Blut von Rathausmitarbeitern

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Bei Mitarbeitern der Stadtverwaltung wurde eine erhöhte PCB-Konzentration im Blut nachgewiesen. Ursache wird vermutlich die PCB-Belastung im Grevener Rathaus sein.

pbe/pm

Muss das Grevener Rathaus aufgrund der Schadstoffbelastung abgerissen werden? Soll auf dem Rathausplatz der Neubau entstehen? Mit diesen Fragen muss sich der neue Rat auseinander setzen. Foto: Peter Beckmann

Richtig interessant wurde die Ratssitzung am Mittwochabend erst im nichtöffentlichen Teil. Da ging es um die Schadstoffbelastung des Rathauses. Die Politiker wurden über die aktuelle Lage informiert. Erschreckend: Bei einigen Mitarbeitern wurden erhöhte PCB-Konzentration im Blut nachgewiesen.

Bei ersten Messungen Ende des vergangenen Jahres wurden in dem Gebäude aus den 70er-Jahren unterschiedlich hohe Schadstoffkonzentrationen in der Raumluft gemessen (wir berichteten). In Abstimmung mit den Experten hatten Rat und Verwaltung daraufhin Sofortmaßnahmen eingeleitet, um die gemessenen PCB-Konzentrationen in betroffenen Räumen zu senken. Zu den Maßnahmen gehörten unter anderem Intensivreinigungen aller Büros, das Abdichten von Fugen und die Empfehlung, die Räume regelmäßig zu lüften. In Räumen mit einer besonders auffälligen PCB-Konzentration wurden auch spezielle Luftfilter oder -wäscher eingesetzt.

PCB-Werte sinken

Die Raumluftwerte wurden und werden kontinuierlich gemessen, um die Effektivität der Maßnahmen überprüfen zu können. Erkennbar sei, dass die ergriffenen Maßnahmen erste Wirkung zeigen, schreibt die Stadtverwaltung in einer Stellungnahme. Die Schadstoffwerte konnten gesenkt werden, zum Teil sogar recht deutlich. „Sie liegen jetzt unter den relevanten Grenzwerten für eine akute Gefährdung der Mitarbeiter.“

Allerdings sind die gemessenen Schadstoffwerte nach wie vor weit entfernt vom Sanierungsziel, also Schadstoffwerten, die gesundheitlich dauerhaft unbedenklich sind.

PCB-Belastung bei Mitarbeitern nachgewiesen

Allen Mitarbeiter, die im Rathaus arbeiten, wurde angeboten, sich beim Betriebsarztzentrum untersuchen zu lassen. „Davon haben inzwischen etliche Mitarbeiter Gebrauch gemacht“, erklärt Klaus Hoffstadt, Leiter Zentraler Steuerungsdienst bei der Stadtverwaltung. In Einzelfällen konnte eine erhöhte PCB-Konzentration im Blut nachgewiesen werden.

Betriebsarztzentrum und Verwaltungsvorstand haben daher vereinbart, diese Ergebnisse vom renommierten Arbeitsmediziner Prof. Dr. Kraus, Direktor des Instituts für Arbeitsmedizin und Sozialmedizin der Universitätsklinik Aachen, bewerten zu lassen. Mit ihm werden nun Empfehlungen für die Mitarbeiter erarbeitet.

Was die Ergebnisse konkret bedeuten, sei für Nicht-Fachleute auf diesem Gebiet zurzeit nicht abschätzbar, so Hoffstadt weiter. Klar sei: „Die Gesundheit unserer Mitarbeiter hat für uns allerhöchste Priorität. Wir werden alles Erforderliche in die Wege leiten, um eine Gefährdung der Mitarbeiter jetzt und in Zukunft unter allen Umständen auszuschließen.“

Wird das Rathaus abgerissen?

In der Politik wurde nach Bekanntwerden der laut Gutachten exorbitant hohen PCB-Belastung über einen Abriss und den Neubau des Rathauses gesprochen. Das sei, so Bürgermeister Peter Vennemeyer vor ein paar Wochen, fast alternativlos. „Eine Sanierung des Rathauses ist deutlich teuer als ein Neubau.“

Viel hängt jetzt von den Aussagen des Arbeitsmediziners ab. Erklärt er die gesundheitliche Belastung als zu hoch für die Mitarbeiter, hat die Stadtverwaltung ein massives Problem, stände vor dem Super-Gau. Der Neubau eines Rathauses würde sich sicher über Jahre hinziehen. Dann stellt sich die Frage, wo die Mitarbeiter der Verwaltung in der Zeit bis dahin ihrem Job nachgehen können.

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