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Wibarco-Prozess

Es geht um 60 Millionen Euro

Die Beweise liegen auf dem Tisch. Das Gerichtsverfahren um die Firma Wibarco und Luhns (Reckenfeld) tritt in eine neue Phase.

Hanno Ewald

Produktion in der Firma Luhns. Foto: Oliver Hengst

Münster/Reckenfeld/IbbenbürenSeit Januar 2017 läuft das Wirtschaftsstrafverfahren in Sachen „Wibarco“ (Uffeln), in dem sich vier Angeklagte aus Duisburg, Düsseldorf, Wuppertal und Ibbenbüren wegen schweren Betrugs oder Beihilfe zum Betrug vor dem münsterschen Landgericht zu verantworten haben. Nach über 40 Verhandlungstagen ist nun die Beweiserhebung um den Verkauf und Rückkauf eines Warenlagers abgeschlossen.

In dem Kettengeschäft sollen die Bilanzen der Hansa-Group AG – dazu gehörte die Luhns GmbH in Reckenfeld – verbessert worden sein. Die früheren Konzernlenker hatten sich abschließend dazu nicht geständig eingelassen. Derzeit stehen vor der 7. Großen Strafkammer Zahlungsströme aus dem Iran nach Deutschland auf der Tagesordnung.

Ganz reibungslos verliefen die vergangenen Prozesstage nicht. Die Verteidiger monierten zurückgehaltene Asservate (Verwahrstücke). Sie beantragten Einsicht und eine Aussetzung des Verfahrens. „Wir können so nicht weitermachen“, sagte ein Verteidiger. Die Vertreterin der Anklage hat in ihrer Stellungnahme die Zurückweisung der Aussetzung beantragt. Die Asservate seien nicht erforderlich. Sie gab zu bedenken, ob man mit Geständnissen nicht weiterkomme.

Nachdem das Gericht die Aussetzung abgelehnt hatte, erklärten die Verteidiger das Gericht für befangen. Ihr Befangenheitsantrag blieb ohne Erfolg.

Wie bereits berichtet, sollen die Angeklagten laut Staatsanwaltschaft das Vermögen anderer geschädigt und dadurch einen Vermögensverlust großen Ausmaßes herbeigeführt haben. Die Anklage legt drei der Angeklagten zur Last, in der Zeit von Juli 2009 bis Ende 2012 durch Vorlage manipulierter Bilanzen und geschönter Jahresabschlüsse von verschiedenen Banken Darlehen in Millionenhöhe sowie einen Subventionszuschuss von annähernd neun Millionen für verschiedene Konzernunternehmen in betrügerischer Weise erhalten zu haben.

Die Bilanzen des Unternehmens, das Produkte für die Waschmittelindustrie herstellte, sollen nicht dem tatsächlichen Vermögen entsprochen haben. Der den Banken entstandene Schaden soll sich auf 57 Millionen Euro belaufen. Zu dem Mutterkonzern (Duisburg) gehörte auch die Unternehmenstochter Wibarco (Uffeln), deren Geschäftsführer auch zum Vorstand der Konzernmutter gehörte.

Die Hansa-Group AG hatte 2014 Insolvenz anmelden müssen. Auch für die Tochtergesellschaften – dazu gehörten die chemische Fabrik Wibarco GmbH, Luhns GmbH (Greven-Reckenfeld) und das Waschmittelwerk in Genthin – wurden die Insolvenzverfahren eröffnet.

Das Verfahren geht weiter: Die Strafkammer hat für den Prozess insgesamt 100 Verhandlungstage anberaumt.

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