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Filmvorführung von „Die Unbeugsamen“ im Kesselhaus

Frauenrechte sind Menschenrechte

Greven

Den Themen der Gleichberechtigung, Emanzipation und der Entstehung der (politischen) Frauenrechtsbewegung widmete sich am Donnerstagabend der Grevener Ortsverband der Grünen. Vor und nach der Vorführung des Dokumentarfilms „Die Unbeugsamen“ diskutierten geladene Gäste mit den beiden Initiatoren der Veranstaltung, Lora Hauschild und Sarah Waltermann von den Grünen.

Von Elias Mewe

Diskutierten über Gleichberechtigung, Emanzipation und die Entstehung der Frauenrechtsbewegung: Mona Neubaur (NRW-Landesvorsitzende der Grünen), Elisabeth Diekmann, Sandra Dömer (Bürgermeisterin von Coesfeld), Sarah Waltermann und Lore Hauschild (v.l.). Foto: Elias Mewe

Was vereint die Schmidtallee in Berlin, die Ebertallee in Hamburg und die Heussallee in Bonn abseits ihrer Bauweise? Dass sie alle nach Männern benannt sind.

Den Themen der Gleichberechtigung, Emanzipation und der Entstehung der (politischen) Frauenrechtsbewegung widmete sich am Donnerstagabend der Grevener Ortsverband der Grünen. Vor und nach der Vorführung des Dokumentarfilms „Die Unbeugsamen“ diskutierten geladene Gäste mit den beiden Initiatoren der Veranstaltung, Lora Hauschild und Sarah Waltermann von den Grünen.

Unter den Diskussionsteilnehmern befanden sich Eliza Diekmann, frisch gewählte parteilose Bürgermeisterin von Coesfeld, Sandra Dömer, die in der kommenden Landtagswahl für ein Direktmandat der Grünen antritt, sowie Mona Neubaur, die NRW-Landesvorsitzende der gleichen Partei.

Offiziell war der Abend den Frauen in den ukrainischen Kriegsgebieten gewidmet, die oftmals zur Flucht in die Fremde gezwungen sind und dennoch tapfer durchhalten. Doch auch ohne Ukraine-Bezug ist die Debatte rund um die Gleichstellung von Mann und Frau höchst aktuell.

Beispiel: Immer noch verdienen Frauen im Schnitt 21 Prozent weniger als Männer, der Anteil von Frauen in DAX-Vorständen beläuft sich auf gerade einmal 19 Prozent.

„Je höher ich kam, desto weniger Frauen umgaben mich“, berichtet Neubaur. Für sie ist „Einmischung die einzige Form der Mitentscheidung“, um bestehende patriarchale Strukturen aufzubrechen, müssten Frauen sich daher konstant selber sichtbar machen und in der Politik zeigen.

Ähnlich sehen es Dömer und Diekmann, Veränderung erfordere Einsatz. Besonders Diekmann war während der Coesfelder Bürgermeisterwahl schockiert, da man im gesamten Kreis nicht eine Frau gefunden hätte, die willens gewesen wäre zu kandidieren.

Was jedoch hält so viele Frauen davon ab, sich politisch zu engagieren? Zuvorderst sei Politik „echt herausfordernd“, so Dömer. Für viele Frauen stelle die Wahl zwischen Familie und Karriere überdies oft ein Dilemma dar, trotz aller gesetzlicher Stipulationen der Gleichberechtigung und Versprechungen seien Beruf und Mutterschaft für viele einfach nicht kompatibel.

Dazu kommt, dass man besonders als politisch sichtbare Frau immer wieder Feindseligkeiten ausgesetzt sei – ob es nun Beleidigungen in den sozialen Medien oder gar strafrechtlich relevante Drohungen sind. Auch in diesem Sinne gelte es, erinnert Neubaur, Frauenrechte als Menschenrechte anzusehen, dieses Verständnis aber auch in der Gesellschaft zu fördern.

„Die Unbeugsamen“ ergänzte die Beispiele der drei Gäste dann mit der Geschichte weiterer starker Frauen, die gerade in den Anfangstagen der Republik einen zähen Kampf für ihre Mitbestimmung führen mussten.

Auf der einen Seite, da waren die ersten Wahlen mit weiblichem Stimmrecht von 1918, die erste weibliche Ministerin der Bundesrepublik Elisabeth Schwarzhaupt in der 1960ern oder Frauen wie Rita Süssmuth, Carola von Braun und Petra Kelly, die sich in sehr männlich gespickten Zirkeln durchsetzen mussten. Eindeutig Galionsfiguren der Emanzipation.

Zum anderen die Bilder von den ersten Kabinetten Adenauers – ausschließlich ältere weiße Männer; die anzüglichen Kommentare, die Rednerinnen im Bundestag von männlichen Abgeordneten ernteten, besonders häufig aus den Reihen der Union; oder exemplarisch der verwirrt-fragende Gesichtsausdruck Ludwig Erhards gegenüber einer weiblichen Rednerin auf einem Unionsparteitag, der frei interpretiert völliges Unverständnis ausdrückte, warum denn da jetzt eine Frau auf dem Podium stehe.

All diese Bilder verdeutlichten dem Publikum, dass die Errungenschaften der Frauenbewegung erstaunlich jung sind, obwohl dies durch die 16 Jahre der Kanzlerschaft Merkels bisweilen überdeckt wurde. Letztlich habe man bisher dennoch nur einen „kleinen Schritt“ gemacht, sagt Diekmann.

Fazit: Was bisher erreicht wurde, sei zwar schön und gut, doch kein Endzustand und auch reversibel, so der Tenor. Solidarität der Frauen untereinander oder eine paritätische Postenbesetzung etwa in Vorständen, die viel diskutierte Frauenquote – dies seien Wege, das Errungene zu festigen und weiter aufzubauen.

Das Publikum, das im Übrigen Jung wie Alt einschloss, stimmte einhellig zu, die Äußerungen der Podiumsdiskutierenden ernteten immer wieder tosenden Beifall.

Dass Frauen, wie der Film zeigte, immer wieder auf der – aus heutiger Sicht erwiesen – richtigen Seite standen, ob beim Klimaschutz oder bei den Friedensdemos in den 1980ern, kann gerade in Zeiten der wiederaufkeimenden Aggression auf europäischem Boden durchaus nachdenklich stimmen. Das Wort der ehemaligen Ministerin Käte Strobel könnte in diesem Sinne heute eine noch viel größere Sprengkraft erhalten, denn in der Tat ist „Politik eine viel zu ernste Sache, dass man sie allein den Männern überlässt“.

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