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Wirbelsäulenchirurg Dr. Schmeil

„Früher hatte man Ischias“

Greven

Vor rund fünf Jahren begann der Wirbelsäulenchirurg Dr. Sebastian Schmeil zusammen mit Prof. Dr. Ulf Liljenqvist (St.-Franziskus-Hospital Münster), am Maria-Josef-Hospital den Bereich Wirbelsäulenchirurgie aufzubauen. Mit Erfolg: Die Sektion wurde kürzlich erweitert. Im Interview erzählt er, wie es dazu kam und warum Rückenschmerzen nicht gleich Rückenschmerzen sind.

Von Katja Niemeyer

Anfangs war seine Abteilung als Filiale des St.-Franziskus-Hospitals in Münster angesehen worden: Nun hat sich der Bereich von Dr. Sebastian Schmeil im Josef-Hospital etabliert. Foto: Katja Niemeyer

Vor rund fünf Jahren begann der Wirbelsäulenchirurg Dr. Sebastian Schmeil zusammen mit Prof. Dr. Ulf Liljenqvist (St.-Franziskus-Hospital Münster), am Maria-Josef-Hospital den Bereich Wirbelsäulenchirurgie aufzubauen. Mit Erfolg: Die Sektion wurde kürzlich erweitert. Statt an zwei Tagen ist Schmeil jetzt an drei Tagen in der Woche in dem Grevener Haus präsent. Insbesondere die Sprechstunde wurde angesichts einer gestiegenen Nachfrage erweitert. Im Gespräch mit unserem Redaktionsmitglied Katja Niemeyer erklärt der 44-Jährige, warum er jetzt öfter im OP-Saal des Josef-Hospitals steht, Rückenschmerzen nicht gleich Rückenschmerzen sind – und warum manchmal schon eine Wärmflasche gegen das Leiden helfen kann.

Rückenschmerzen scheinen eine Volkskrankheit zu sein. Was sind die Ursachen?

Schmeil: Die Gesellschaft verändert sich, die Menschen werden älter und wollen gesund und fit bleiben. Gleichzeitig schreitet der Verschleiß an ihren Gelenken voran. Die Folge können zum Beispiel Bandscheibenvorfälle und Spinalkanalverengungen sein. In Kombination mit Verschleißerscheinungen kann es zu Erkrankungen kommen, die nicht allein mit einer konservativen Therapie behandelt werden können.

Bei wie viel Prozent der Fälle handelt es sich um solche sogenannten spezifischen Rückenschmerzen, die operativ behandelt werden müssen?

Schmeil: Das ist nur ein geringer Anteil. Zum Einsatz kommen dann minimal-invasive und mikrochirurgische Eingriffe, dynamische Stabilisierungstechniken, aber auch klassische rekonstruktive Verfahren.

Wie oft im Jahr machen Sie solche Operationen?

Schmeil: Zusammen mit den Eingriffen, die ich weiterhin am Franziskus-Hospital in Münster durchführe, sind es rund 400.

Auch junge Menschen klagen immer häufiger über Rückenschmerzen.

Schmeil: Dabei handelt es sich zumeist um sogenannte unspezifische Rückenschmerzen, die auf eine fehlende Bewegung, falsche Haltung und eine schwach ausgebildete Muskulatur zurückzuführen sind. In der Regel ist eine Operation in solchen Fällen zum Glück nicht notwendig.

Nicht jeder Patient, der bei Ihnen vorstellig wird, muss also operiert werden?

Schmeil: Bei weitem nicht. Die Latte liegt hoch. Von zehn Patienten, die zu uns überwiesen werden, werden am Ende ein bis zwei operiert. Davon, dass wir gleich die Messer wetzen, wenn ein Patient über Rückenschmerzen klagt, kann also keine Rede sein. Ausschlaggebend ist, dass die richtige Indikation gestellt wird.

Das müssen Sie erklären.

Schmeil: Rückenschmerzen können sehr viele Ursachen haben. Auf Computertomographie- und Röntgenbildern oder MRT-Aufnahmen sind diese zudem nicht immer zu sehen. Tatsächlich sind die Befunde sogar häufig gar nicht so dramatisch, etwa weil Fehlbelastungen schuld sind.

Kann auch Stress der Grund dafür sein, dass der Rücken schmerzt?

Schmeil: Auf jeden Fall.

Wie lautet Ihre Handlungsempfehlung, wenn der Rücken mal wieder heftig schmerzt?

Schmeil: In den meisten Fällen bessern sich die Beschwerden rasch mit einfachen Mitteln wie Schonung und Wärme. In der Regel ist der Körper in der Lage, die Schmerzen abzubauen. Um sie in dieser ersten, unter Umständen akuten Phase zu lindern, können Medikamente und Spritzen eingesetzt werden. Im Anschluss sollten Krankengymnastik und ein Muskelaufbautraining auf dem Programm stehen.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Schmeil: Wenn Schmerzen über einen längeren Zeitraum anhalten. Hellhörig sollte man werden, wenn der Schmerz in die Beine ausstrahlt, man Lähmungen und Taubheitsgefühle verspürt.

Wie kann man vorbeugen?

Schmeil: Das sagt einem eigentlich schon der gesunde Menschenverstand: sich ausreichend bewegen und aufs Gewicht achten. Wenn man das beherzigt, hat man schon eine ganze Menge gewonnen.

Viele können sich aber nicht aufraffen. Wie halten Sie sich fit?

Schmeil (lacht): Ich versuche, regelmäßig mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren. Das klappt aber leider auch nicht immer.

Hatten die Leute früher weniger Rückenschmerzen?

Schmeil: Nein, da wurde gesagt, man habe Ischias. Das wurde häufig als schicksalhaft hingenommen, da es noch nicht die Mittel gab, die Ursache der Beschwerden zu diagnostizieren. Heute gibt es sehr gute diagnostische Methoden, um dem Kind einen Namen zu geben.

... und mit der Gefahr, dass möglicherweise zu schnell operiert wird?

Schmeil: Sicherlich gibt es unter den Kliniken schwarze Schafe, die ihre OP-Säle voll bekommen wollen. Grundsätzlich muss man aber festhalten, dass die Fortschritte in der Wirbelsäulenchirurgie den Menschen sehr viel helfen. Entscheidend ist, die richtige Indikation zu stellen. Das heißt, man muss die Krankheitsbilder erkennen, bei denen man mit einer Operation gut helfen kann.

Nun wollen Sie den Bereich der Unfallchirurgie am Maria-Josef-Hospital ausbauen. Was ist der Hintergrund?

Schmeil: Wir erfahren – wahrscheinlich aufgrund von Mund-Propaganda durch zufriedene Patienten – einen großen Zulauf. Unsere Sprechstunde haben wir deshalb auch schon ausgeweitet.

Sie haben die Abteilung erst vor fünf Jahren mit Unterstützung von Prof. Dr. Ulf Liljenqvist, Chefarzt am St.-Franziskus-Hospital in Münster und renommierter Wirbelsäulenchirurg, aufgebaut.

Schmeil: Prof. Liljenqvist zieht sich immer mehr zurück und überlässt mir hier in Greven das Spielfeld. Unsere Abteilung war anfangs auch eher als Filiale des Franziskus-Hospitals wahrgenommen worden. Nun entwickelt sie sich aber zunehmend zu einer eigenen Marke.

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