Der Muttertag anno dunnemals

Gebt der Mutter neue Kraft und Haushaltsgeräte

Greven

Am Sonntag ist Muttertag. Der wurde früher ganz anders begangen - und beworben: "Zum Muttertag etwas praktisches schenken" etwa oder ein "Beruhigungs-Getränk". Das damalige Bild der Mutter zeigt eindrucksvoll ein Blick in alte Ausgaben der Tageszeitung: Vom Muttertag 1957.

Peter Beckmann

Blumen zum Muttertag gehen immer und kommen sicherlich besser an als Haushaltsgeräte . . . Foto:

Der ein oder andere, der das hier jetzt liest, wird sicherlich in Panik verfallen. „Oh Gott, vergessen. Morgen ist ja Muttertag.“ Ja, stimmt. Seit Jahren wird in Deutschland der Muttertag am zweiten Sonntag im Mai gefeiert. Im Übrigen ist das keine Erfindung der Nazis, wie oft behauptet. Der Muttertag ist, wie viele andere Ereignisse, ein Import aus den USA.

Egal, viel wichtiger ist doch, was man der Mutter schenkt und wie man den Tag begeht. Zumindest wird die Mutter besucht. Kann man in Corona-Zeiten daran erkennen, dass in den Schnelltestzentren zum Wochenende hin fast alle Test-Zeiten ausgebucht waren. Was dann auch für die Besuchszeiten in den Seniorenheimen gilt.

„Beruhigungs-Getränke“ und Likörchen

Aber zurück zu den Geschenken. Da lohnt sich ein Blick zurück in alte Ausgaben der 50er- und 60er-Jahre dieser Zeitung. Und da bekommt man irgendwie den Eindruck, dass Mama damals deutlich mehr gestresst war, als sie das heute ist. Denn besonders für „Beruhigungs-Getränke“ (mit einem Tröpfchen Alkohol?) wurde da geworben. „Klosterfrau Melissengeist“, „Doppelherz“, „Frauengold“ oder „Salusan“ wurden da beworben. Aber auch Likörchen in allen Varianten wurden angeboten. Musste sich die gestresste Mutti damals so doll beruhigen? Wer weiß. In der Werbung hieß es jedenfalls dazu: „Salusan gibt den Nerven neue Kraft und verhilft zu tiefem, gesunden Schlaf. Salusan wird der Mutter gut tun.“ Ja, dann.

Aber: Damals gab es auch noch etwas anderes, was die braven Kinder und der liebende Ehemann der Mutter schenken konnte: Haushaltsgeräte. „Zum Muttertag praktisch schenken“, wirbt ein Einzelhändler, der nächste bietet automatische Bügeleisen, Elektro-Wasserkocher, Kaffeemaschinen aus Metall und Porzellan, Küchenmaschinen und Staubsauger „Für die Hausfrau und Mutter“ an. Und ein dritter hat „Mit viel Liebe für die Mutti ausgesucht“: „Im modischen Kombi-Kittel ist Mutti auch bei der Hausarbeit flott angezogen“. Ist ja auch nicht unwichtig, oder? Zu empfehlen sind diese Geschenke heutzutage allerdings eher nicht. Das ist wohl eher ganz dünnes Eis und könnte ganz böse enden.

Erzählung aus dem Jahr 1957

Aber nun die Krönung: Eine Erzählung aus dem Jahr 1957 in dieser Zeitung, Der Autor ist leider nicht überliefert, aber das Bild der Mutter, was da geliefert wird, sagt eigentlich alles:

„Es wird ein richtiger Festtag werden. Der Morgen wird mit jener Atmosphäre gespannter Erwartung und herzlicher Vorfreude erfüllt sein, die dann ihren Höhepunkt erreicht, wenn Mutter, die diesmal – ausnahmsweise – etwas länger schlafen darf, am Frühstückstisch erscheint. Die Schar der kleinen und kleinsten Gratulanten wird dort versammelt sein, mit hochroten Köpfen, jedes eine besondere Gabe in der Hand und im Hintergrund wird man es irgendwo knistern und rascheln hören. Das ist dann der „Herr des Hauses“, der seine Geschenke zusammensucht.

Einer wird dann mehr oder minder beklommenen Herzens, mit einer dicken Träne am Augenlid und einem Schluchzer in der Kehle, den Glückwunsch für alle sagen. Es wird ein Gedicht sein, das er schon seit Wochen fleißig geübt hat. Und wenn es gut geht, dann bekommt er es heraus, ohne sich zu verhaspeln.

Aber darauf kommt es nicht so an, weiß doch die Mutter sehr gut, was man ihr heute sagen will. Sie gibt den kleinen Gratulanten einen Kuss und damit ist die Spannung mit einem Schlage gelöst. Alles springt durcheinander, redet, lacht, freut sich, dass Muttertag ist. Auf einem besonderen Tisch aber liegen nun die Gaben, die die Familie der Mutter zu geben hatte: All die kleinen, nützlichen oder auch nur schönen Geschenke, vom elektrischen Tauchsieder über den bequemen Hausschuh zum Frühlingsblumenstrauß.

Es ist selbstverständlich, dass Mutter heute einmal nichts zu tun braucht – die ganze Familie springt für sie ein.“

Hach, da geht einem doch das Herz auf, oder?

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