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Aktionstag am Sachsenhof

Geschichte zum Anfassen

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Knapp 1000 Besucher kommen bis zum Ende wohl zum Sachsenhof und seinem neu eröffneten Schulungszentrum.

Von Jannis Beckermannund

Wie Menschen um 800 herum gelebt und gearbeitet haben – das stieß nicht bei Erwachsenen, sondern auch bei den kleinen Besuchern auf großes Interesse. Foto: Jannis Beckermann

Liesel Drexler ist die Zufriedenheit anzumerken. Wie es gelaufen ist beim ersten Aktionstag am Sachsenhof nach einem Jahr Pause wegen der Pandemie? „Bestens“, da ist die Textilexpertin aus dem Arbeitskreis Sachsenhof des Heimatvereins keines Superlativs verlegen. „Die Leute kommen und schauen mit großem Interesse, wie die Sachsen im frühen Mittelalter gelebt haben“, sagt Drexler, die wie ihr Mann seit vielen Jahren auf dem historischen Hofgelände in Pentrup aktiv ist. „Ich bin seit 1988 dabei und es macht mir immer noch Freude“, erzählt Drexler und lässt den Blick übers Hofgelände schweifen, das auch am Sonntagnachmittag, kurz vor Ende des diesjährigen Aktionstages, noch gut besucht ist.

Knapp 1000 Besucher kommen bis zum Ende wohl zum Sachsenhof und seinem neu eröffneten Schulungszentrum (siehe 1. Lokalseite), schätzt ihr Kollege und Neu-Mitglied im Heimatverein Thomas Grünert, der den gesamten Aktionstag mit fotografischer Präzision festhält. „Die Motive sind einfach toll“, zeigt er auf seine Kamera.

Was Fotografen wie er genauso wie Familien und Fahrradausflügler zu sehen bekommen, ist Geschichte zum Anfassen. Überall dampft und raucht es, es wird gehämmert und geschnitzt, gefärbt und gewebt. Liesel Drexler zum Beispiel zieht Spaghetti-lange Fäden aus kochenden Farbtöpfen. Zwiebelschale, Kamille oder Labkrautwurzel stehen dafür als Färbemittel parat. Was herauskommt, kann man ein paar Meter weiter bestaunen. Bunte, kunstvoll verflochtene Fäden, die später zu Decken und Kleidung verarbeitet werden können, wie es einst die Sachsen taten.

Anderswo ist handwerkliches Geschick von Nöten: An einer rekonstruierten „Wippendrehbank“ fertigt Carmelo Virga, selbst Handwerker im Ruhestand, verzierte Tisch- und Stuhlbeine oder andere Produkte aus Holz an. Es staubt und treibt den Schweiß auf die Stirn. „Aber das war eben die Technik im frühen Mittelalter“, weiß nicht nur Virga, der ebenfalls schon viele Jahre am Sachsenhof aktiv ist.

Neu dabei sind hingegen Kathrin Homann und Ulrich Klages. Die beiden Mittelalter-Fans aus dem Landkreis Hildesheim klären bei diesem Aktionstag vor allem über die Sprache der Sachsen auf. Authentische Geschichtsvermittlung statt Mittelalterklamauk zu betreiben, ist beiden wichtig. „Auf großen Märkten ist das oft mehr Show“, sagen beiden unisono. Beim Aktionstag des Heimatvereins indes werde vernünftige Bildungsarbeit betrieben, sind sich beide sicher. „Auch wenn es manchmal schon eine recht komplizierte Sache ist“, schmunzelt Homann, eingekleidet im originalgetreuen Sachsengewand, über ihre eigenes Spezialfach, die Sachsen-Sprache.

Ein paar Sätze hat Kathrin Homann einstudiert. Wenn sie sie vorträgt, versteht der des Hochdeutschen mächtige Reporter trotzdem nur wenig. „Das geht den meisten Zuhörern so“, sagt Homann, die dennoch fasziniert ist vom Leben der Sachsen vor mehr als 1000 Jahren. Zu sehen, mit welch einfachen und dennoch raffinierten Methoden die Menschen um 800 herum gelebt haben, weckt immer wieder ihre Neugierde. Und am Aktionstag auf dem Sachsenhof auch die der Grevener.

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