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„Moonlight“-Tattoo ist seit zwei Jahren in Reckenfeld

„Hier sind alle entspannter“

Reckenfeld

Erst kam Corona, jetzt die neuen EU-Verordnungen. Einfach war es für Jana Salisbury und Alexandra Elfers seit der Eröffnung von „Moonlight“-Tattoo in Reckenfeld noch nie. Sie haben sich bis heute durchgekämpft und haben uns im Interview von der Erfüllung ihres Kindheitstraums erzählt.

Von Luca Pals

Alexandra Elfers und Jana Salisbury arbeiten im „Moonlight“-Tattoo in Foto: Luca Pals

Für Jana Salisbury ging Anfang 2020 ein Kindheitstraum in Erfüllung: „Ich habe immer schon davon geträumt mit dem Tätowieren Geld zu verdienen“, sagt die 23-Jährige. Damals hatte sie eine Ausbildung zur Friseurin hinter sich, aber aufgrund der Möglichkeit ein kleines Geschäft mitten in Reckenfeld eröffnen zu können, dort gekündigt. So konnte sie richtig durchstarten – bis Corona kam. Über welche Hürden Salisbury zusammen mit Alexandra Elfers in den vergangenen beiden Jahren springen musste und wie ihr „Moonlight“-Tattoo vor Ort angekommen ist haben sie uns im Gespräch erzählt.

Eröffnung nach Lockdown-Zeiten

Die ersten Corona-Meldungen habe man nicht einordnen können, den Lockdown ab Mitte März dann hinnehmen müssen. So erzählt es Salisbury, die 2020 statt am 1. April erst zwei Monate später eröffnen konnte: „Damals hatte man natürlich keine Einnahmen, musste die Miete aber weiter zahlen – das war wirklich eine schwierige Zeit.“ Als es dann los gehen konnte, sei das Geschäft gut ins Rollen gekommen: „Die Menschen in der Tattoo-Branche haben keine große Angst vor Ansteckungen, auch wenn es eine körpernahe Dienstleistung ist“, erzählt Elfers: „Hier sind alle entspannter.“ Vor allem auch deswegen, weil hygienische Standards wie das Tragen von Handschuhen und zum Teil von Masken schon vor der Pandemie auf der Tagesordnung stand.

So können die beiden Freundinnen bereits nach zwei Jahren auf einen Kreis an Stammkunden zurückgreifen: „Unsere Kunden kommen aus vielen Teilen des Münsterlandes, aber auch schon mal von der Nordsee. Manche kommen sogar einmal im Monat vorbei.“

Klar: So mancher hat das Ziel sich am ganzen Körper tätowieren zu lassen.

„Kindheitstraum“ geht in Erfüllung

Das erste eigene Tattoo hat sich Salisbury übrigens mit 17 stechen lassen, mit 18 kaufte sie sich die erste eigene Maschine inklusive Zubehör. Elfers, die hauptberuflich Fachangestellte für Sozialversicherungen ist, kam während des ersten Lockdowns auf die Idee: „Ich hatte mehr Zeit als sonst, gemalt habe ich immer schon gerne und dann kam mir diese Idee.“ Von ihrer Freundin ließ sie sich einiges zeigen und konnte schon nach wenigen Monaten den ersten Kunden Tattoos stechen: „Da war ich natürlich wahnsinnig nervös. Aber es hat sich mit der Zeit immer besser angefühlt.“ Das war Anfang 2021, seitdem arbeitet Elfers nebenberuflich an der Seite ihrer Freundin.

Für Elfers liegt der Reiz in den individuellen Wünschen der Kunden: „Jeder hat bei Farbe, Größe und Platzierung andere Vorstellungen, zusammen erarbeitet man sich etwas und es kommt immer wieder etwas neues dabei heraus.“

Vom Stil unterscheiden sich die beiden nicht stark. Salisbury, die gebürtig aus Reckenfeld kommt und deren Freund ebenfalls in Emsdetten tätowiert, steht auf „Neo Traditional“-Stil mit abstrakten Formen, außerdem würden Farben bei ihr eine große Rolle spielen.

Verluste durch neue EU-Verordnungen

Ein gutes Stichwort für die nächste Hürde. Diese liegt in den neuen EU-Verordnungen, die in der Tattoo-Branche seit dem 4. Januar gelten. Unter anderem regeln sie die Zusammensetzung der Farben bei den Zusatzstoffen neu. Somit wurden viele ältere Farben, zu denen vor allem grüne und blaue Pigmente gehören, verboten. Die Begründung: Teile der Stoffe können krebserregend sein, die Tattoo-Bestimmungen sollen sicherer werden.

Letzterem stimmen die beiden 23-Jährigen zwar zu, verweisen aber auch darauf, dass einige Begründungen schwer nachvollziehbar seien. Sei`s drum, für beide hatte es vor allem finanzielle Auswirkungen. „Alle alten Farben mussten entsorgt werden, das waren etwa 800 Euro. Zusätzlich ist es bis heute schwierig an die neuen Farben zu kommen, weil alle auf diese zurückgreifen wollen“, sagt Elfers. Somit würden auch hier die Preise in die Höhe schießen, in der Vergangenheit hatte man bei einem polnischen Hersteller angefragt, die übliche Auswahl konnte noch nicht wieder hergestellt werden.

Und somit war es die Corona-Pandemie während der Lockdowns und aktuell die Verordnungen für Pigmente, die zumindest für Kopfschmerzen sorgen, die Beiden aber nicht von ihrem Traum abhalten lassen.

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