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Leitungsortung in Guntrup

Hochempfindliche Technik – Georadar für Glasfaserausbau im Einsatz

Greven

Der Georadar „sieht“ das, was im Boden steckt – zum Beispiel ein Kunststoffrohr für eine Datenleitung. Im Zuge des Glasfaserausbaus im Außenbereich ist so ein Gerät im Einsatz, um exakte Vermessungsdaten des Leitungsnetzes zu liefern.

Simon Ottenhues, Stadtwerke Greven (l.) begleitet Christian Lügermann mit dem Georadar Foto: Stadtwerke

Das Gefährt erinnert ein wenig an einen Rasenmäher: Gehäuse aus gelbem Kunststoff, vier Räder, großer Handgriff in bequemer Höhe. Aber im Unterschied zum Gartengerät verfügt dieses Vehikel über hochempfindliche Technik, Satellitenempfang und einen integrierten Tablet-Computer. Was hier über die Straßen in Guntrup rollt, eignet sich auch nicht zur Gartenarbeit. Es ist ein so genanntes Georadar, mit dem das Unternehmen Atrios Net Solution im Auftrag der Stadtwerke Greven in der Bauerschaft für besondere Vermessungsarbeiten unterwegs ist.

Der Georadar „sieht“ das, was im Boden steckt – zum Beispiel ein Kunststoffrohr für eine Datenleitung. Genau um die geht es, erklärt Simon Ottenhues von der Stadtwerken Greven. Im Zuge des Glasfaserausbaus im Außenbereich sind exakte Vermessungsdaten des Leitungsnetzes nötig, „bis auf den Dezimeter genau“, so Ottenhues. Die werden routinemäßig erstellt, wenn die Tief- und Leitungsbauer mit Bagger und Horizontalbohrer kommen und das Glasfaserkabel verlegen.

In Guntrup konnten die Stadtwerke dagegen auf Tiefbauarbeiten verzichten: Hier liegt bereits ein Netz aus Leerrohren im Boden, das die Bewohner der Bauerschaft mitverlegt hatten, als sie vor einigen Jahren in Eigenregie einen Anschluss an das Grevener Trinkwassernetz bauten. „Das ist praktisch, da müssen wird das Glasfaserkabel nur einblasen“, erklärt Ottenhues. Die Stadtwerke Greven haben dieses Leerrohrnetz übernommen.

Was hingegen fehlte, waren Vermessungsdaten in geforderter Genauigkeit und damit auch der exakte Plan in Dezimeter-Qualität. „Hier kommt das Georadar ins Spiel“, erklärt Ottenhues. Denn dank dieser Technik muss nicht gegraben werden, um den Verlauf der Leitung nachträglich festzustellen. Das Georadar – „der Rasenmäher“ – schickt elektromagnetische Wellen ins Erdreich, die reflektiert werden und die so in Verbindung mit GPS-Technik die nötigen Daten liefern.

Allerdings: Man braucht Expertenwissen, um das Radarbild zu verstehen. Was für den Laien wie ein Gewirr aus hell- und dunkelgrauen Flächen aussieht, ist für Christian Lügermann, der für Atrios die Vermessungsarbeiten durchführt, ein klarer Hinweis auf das gesuchte Kunststoffrohr. „Diese Kurve hier auf dem Bild, das ist das Rohr für die Glasfaserleitung.“

Verschiedene Faktoren bestimmen die Qualität des Radarbildes, etwa Bodenbeschaffenheit und Bodenfeuchte, erläutert Lügermann. „Wenn es regnet, können wir nicht arbeiten: Heute ist es trocken und der Boden ist auch abgetrocknet, da bekomme ich ein gutes Bild.“

Für die Stadtwerke Greven ist der Einsatz des Georadars nach den Worten von Ottenhues ein Pilotprojekt – und bei einer Leitungslänge von 7,5 Kilometer in der Bauerschaft Guntrup auch wirtschaftlich eine Alternative. Der Bauabschnitt ist Teil des Breitbandausbaus in den Grevener Außenbereichen. Er wird durch das Bundesförderprogramm Breitband durch den Projektträger „ateneKOM“ mit Fördergeldern von Bund und dem Land Nordrhein-Westfalen, dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur und der Stadt Greven unterstützt.

Die Fördersumme beläuft sich auf 21 218 357 Euro von Bund und Land. Gefördert werden so genannte unterversorgte Gebiete, in denen die Datenübertragungsrate unter einem Wert von 30 Mbit pro Sekunde liegt. Die Technik des Georadars wird übrigens auch von Archäologen eingesetzt – ein Silberschatz wurde bei den Vermessungsarbeiten in Guntrup allerdings noch nicht entdeckt…

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