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Benefizkonzert der KI für die Ukraine

Hoffnung in dunklen Zeiten

Greven

Eine musikalische Soldaritätserklärung. Die KI hatte am Sonntag Grevener Künstler und Musiker aus der Kriegsregion zum Benefizkonzert geladen.

Von Elias Meweund

Blumen für Anastasia Romanenko (r.) und die 14-jährige Anna Kryvoboka (2.v.l.) aus der Ukraine von KI-Vorständen Ulrich Reske (2.v.r.) und Werner Jacobs (l.). Foto: Günter Benning

Eine Synthese aus Musik und Politik – dieses Konzept ging beim Benefizkonzert im Ballenlager vor rund 150 Zuschauern vollständig auf.

Anlässlich der ersten in Deutschland angekommenen Flüchtlinge aus der Ukraine wuchs bei der Kulturinitiative der Wunsch, anzukämpfen gegen die eigene Ohnmacht und Hilflosigkeit. Das Ergebnis: nicht nur musikalisch beachtlich, sondern auch politisch ergiebig. Doch der Reihe nach.

Den Beginn der Veranstaltung markierte Grevens Bürgermeister Dietrich Aden, der spontan die Schirmherrschaft für das Konzert übernommen hatte. In einer Art Talkshow-Format beantwortete er Fragen und legte seine Sichtweise sowie mögliche Konsequenzen für die Stadt Greven bezüglich der Ukraine-Krise dar.

Für Aden stellt der 24. Februar nicht nur eine bedeutende „geschichtliche Zäsur“ dar, der russische Einmarsch in die Ukraine zeige überdies, dass Frieden zu oft eine „brüchige Illusion“ bleibe, man als Westeuropäer im Kleinen wie im Großen folglich für Demokratie, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit einstehen müsse.

Doch wo Schatten ist, ist auch Licht. Es gebe eine, so Aden, endlos lange Liste an Dingen, die Grevener im Namen der Solidarität für geflüchtete Ukrainer taten und es weiter tun. Gottesdienste, das Hissen gelb-blauer Flaggen, Friedensaktionen von Schülern: für Aden Beweise, dass wir „zusammenstehen, wenn es drauf ankommt“.

Den besten Beweis dafür bietet etwa Ralf Möller, der just nach Kriegsbeginn einen Hilfstransporter mit Lebensmitteln, Medikamenten und sonstigen Gütern an die polnisch-ukrainische fuhr. Dort konnten seine Waren von der gut organisierten polnischen Verwaltung weiter in die Ukraine transportiert werden. Auch die Hilfsbereitschaft von Mirna Sarrazin – sie nahm eine ukrainische Familie bei sich auf – und anderen untermauern Adens Beobachtungen.

Die politischen Äußerungen und Fragerunden wurden immer wieder durch musikalische Einlagen ergänzt. Den Beginn machten Christian Lötters und Thomas Lehmkuhl, die in ihren Liedern dazu aufriefen, endlich die „Waffen über Bord zu werfen“, „Frieden zu machen“ und die Welt nicht immer mit Unterdrückung, Verfolgung und Intoleranz zu überziehen. Wie auch bei vorherigen Veranstaltungen wurden besonders Lötters´ Gitarrensolos vom Publikum wohlwollend aufgenommen.

Neben dem Duo Jenny und Christoph Sünderkamp – Botschaft: „Liebe ist stärker als Hass“ – traten auch die Good Night Folks auf, die mit ihren irischen Volksliedern zum Besten zählen, was die Grevener Musikszene zu bieten hat. Insbesondere „Blowin` in the wind“ von Bob Dylan offenbarte dabei eine traurig stimmende Aktualität. Nicht nur Sänger Hinnerk Willenbrink beschäftigt dabei die Frage, was man an diesem Abend und in diesen Zeiten überhaupt spielen könne.

Das musikalische Herzstück des Abends boten das Mutter-Tochter-Duo um Annalena Lebliyeka und ihre Tochter Anastasia Romanenko (beide aus Belarus stammend) sowie Anna Kryvoboka, die mit ihren 14 Jahren vor drei Wochen ihre Familie in Winnyzja (Zentralukraine) verlassen musste und nun bei ihrer Patentante in Greven wohnt. Sie führte Ludovico Einaudis Klavierstück „Experience“ auf, ein Lied triefend vor Trauer, Sehnsucht und Melancholie, aber auch durchsetzt mit Noten der Hoffnung. Der Auftritt der 14-jährigen Anna bewies den Zuschauern nochmals das schier Unglaubliche – dass auf europäischem Boden ein weiteres Mal ein Krieg geführt wird, der in seiner Sinnlosigkeit und Ungerechtigkeit schwer zu begreifen ist.

Dennoch war der Tenor des Abends positiv: Die hohe Spendenbereitschaft unter den Bürgern, das entschlossene Engagement in der Flüchtlingshilfe von Staat, Kirchen und Einzelpersonen, schließlich das Gefühl von Zusammenhalt und Solidarität mit der ukrainischen Bevölkerung – all dies zweifellos Anzeichen dafür, dass man sich Adens Devise des „Helfen hier und jetzt“ voll zu Herzen nimmt. Diese Reaktion kann ein Lichtschimmer in dunklen Zeiten sein.

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