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Landesprogramm „Feldvogelinseln im Acker“

„Ich finde den Kiebitz grandios“

Greven

Zurück aus den Winterquartieren haben Anfang März mehrere Kiebitz-Paare geeignete Brutplätze auf dem Acker von David Kleinemaß in Greven gefunden. Der Landwirt nimmt am Landesprogramm „Feldvogelinseln im Acker“ teil, bekommt dafür aber einen finanziellen Ausgleich.

wn

Freuen sich darüber, dass Kiebitzpaare auf dem Feld in Greven wieder Brutplätze gefunden haben (v. l.): Hans Tolksdorf, Biodiversitätsberater der Landwirtschaftskammer NRW, Landwirt David Kleinemaß, Esther Susewind, Biodiversitätsbeauftragte beim Kreis Steinfurt und Nicole Heinrichs, Biologische Station Kreis Steinfurt. Foto: BST

Nur noch wenige Tage sind es bis zum Schlüpfen der ersten Küken. Nach gut vier Wochen kämpfen sich die jungen Kiebitze durch die Eischale. Zurück aus den Winterquartieren haben Anfang März mehrere Paare geeignete Brutplätze auf dem Acker von David Kleinemaß in Greven gefunden. Seit Jahren sind sie auf seiner gepachteten Fläche zu beobachten. Die stark gefährdeten Kiebitze sind relativ brutplatztreu und kommen zum Ort ihres Schlupfes zurück.

Ab Ende Februar etwa sind balzende Kiebitze mit auffälligen Flugmanövern über seinem Feld zu sehen. Der Landwirt freut sich jedes Jahr auf die Rückkehr der Bodenbrüter und bringt seine Begeisterung kurz und knapp auf den Punkt: „Ich finde den Kiebitz grandios!“ Und deshalb hat er auch nicht gezögert als ihn Thomas Starkmann von der Biologischen Station Kreis Steinfurt vor zwei Jahren gefragt hat, ob er nicht am Landesprogramm „Feldvogelinseln im Acker“ teilnehmen will – obwohl es für den 29-Jährigen mit Auflagen verbunden ist.

So muss unter anderem die als Insel vorgesehene unbearbeitete Nutzfläche mindestens 0,5 Hektar groß sein und es muss auf Düngung und Pflanzenschutz verzichtet werden. Das Land NRW erstattet den Ernteausfall. Bei Silomais gibt es in diesem Jahr beispielsweise 1201 Euro je Hektar zuzüglich einer Flächenprämie.

Kleinemaß ist der finanzielle Ausgleich zweitrangig, sagt er. „Für mich und meine Familie hat der Kiebitz schon immer einen hohen Stellenwert gehabt. Deshalb ist es für mich selbstverständlich beim Beackern darauf zu achten, dass den Nestern nichts passiert und wir versetzen sie auch, wenn es notwendig ist. Das habe ich von meinem Vater übernommen, ich kenne es nicht anders. Feldvögel wie den Kiebitz zu schützen, ist meine Herzenssache.“

Und zum Programm. „Ich finde das Projekt ebenfalls grandios. Ich habe bisher nur positive Erfahrungen damit gemacht. Es wird sehr gut durch die Biologische Station und die untere Naturschutzbehörde des Kreises Steinfurt sowie die Landwirtschaftskammer NRW begleitet.“

Die Biologische Station und die untere Naturschutzbehörde des Kreises Steinfurt sowie die Landwirtschaftskammer beraten und unterstützen die Landwirte unverbindlich und kostenfrei bei der Planung, bei der Antragstellung und der Umsetzung der Maßnahme. „Durch unsere regelmäßigen Kartierungen wissen wir ganz gut, auf welchen Flächen Kiebitze brüten und können die Landwirte gezielt ansprechen“, sagt Ornithologin Nicole Heinrichs von der Biologischen Station.

Aktuell nehmen 18 Betriebe teil. Die Kooperationspartner sind froh, mit David Kleinemaß einen so engagierten und überzeugten Landwirt als Unterstützer des Feldvogelschutzes gefunden zu haben. „Wenn Landwirte wie David Kleinemaß Feldvogelinseln anlegen, leisten sie damit einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt in unserer Kulturlandschaft“, erklärt die Biodiversitätsbeauftrage des Kreises Steinfurt, Esther Susewind. Gerne dürfen es noch mehr werden, sagt Hans Tolksdorf, Biodiversitätsberater der Landwirtschaftskammer NRW. „Für einen Erfolg des Programms ist zu wünschen, dass sich viele Landwirte zur Teilnahme am Feldvogelinsel-Programm entschließen.“

Und so geht’s: Voraussetzung ist, dass mindestens drei Brutpaare auf der Fläche sind. Den Nachweis der Brutpaare oder der Reviere können auf Wunsch der Landwirte die Biologische Station oder die untere Naturschutzbehörde des Kreises sowie die Landwirtschaftskammer erbringen. In der Regel nehmen die Landwirte die Fläche ein Jahr aus der Bewirtschaftung. Im Herbst nach der Ernte wird die Fläche wieder normal bearbeitet.

Es gibt aber auch andere Beispiele, sagt Tolksdorf. „Alternativ legen Landwirte im Kreis Steinfurt auch mehrjährige Brachen an, sparen den unmittelbaren Nestbereich des Kiebitzes bei der Bodenbearbeitung aus oder versuchen die Bodenbearbeitung und Einsaat innerhalb weniger Tage bis Anfang April abzuschließen oder die Mais-Saat bis mindestens Mitte Mai zu verzögern, was ebenfalls ein Zeitfenster für eine ungestörte Brut der selten gewordenen Kiebitze bringt.“

Aber nicht nur das Zeitfenster spielt eine Rolle für die ungestörte Brut, ergänzt Esther Susewind. „Damit die Gelege nicht zu Schaden kommen, ist es wichtig, dass Hundebesitzer ihre Tiere beim Spaziergang an die Leine nehmen. Die Bodenbrüter dürfen nicht durch freilaufende Hunde gestört werden.“

Interessierte Landwirte können sich an die Biologische Station, Telefon 05482 92910, die untere Naturschutzbehörde,  02551 / 691484 oder den Biodiversitätsberater der Landwirtschaftskammer NRW,  02541 / 910249 wenden.

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