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Nur wenige Eltern besuchen die erste Infoveranstaltung zu Bekenntnisschulen

„Im täglichen Miteinander ändert sich nichts“

Greven

Die meisten Stuhlreihen blieben bei der ersten von zwei Info-Veranstaltungen zur Abstimmung über die Bekenntnisschulen leer. Nur rund 30 Interessierte – darunter Schulleitungen und wenige Lokalpolitiker – kamen ins Ballenlager. Die Abstimmung erfolgt im Juni.

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Maue Resonanz: Die meisten Stühle blieben leer. Foto: Oliver Hengst

Nein, auch fünf Minuten Warten brachte nichts. Die meisten Stuhlreihen blieben bei der ersten von zwei Info-Veranstaltungen zur Abstimmung über die Bekenntnisschulen leer. Nur rund 30 Interessierte – darunter Schulleitungen und wenige Lokalpolitiker – kamen ins Ballenlager.

Dabei ging es um wichtige Fragen. Bürgermeister Dietrich Aden begrüßte die Gäste und kündigte an, man wolle auch mit einigen „Mythen“ aufräumen. Vor allem die Befürchtung mancher Eltern, an Bekenntnisschulen gebe es keinen Tannenbaum oder ähnliches, spielte hier eine Rolle.

„Sie merken den Unterschied gar nicht“, sagte Andreas Frede von der Schulaufsicht des Kreises zur Frage, was sich ändert, wenn eine Bekenntnis- zur Gemeinschaftsschule wird. Er habe einst als Schulleiter einen solchen Wechsel selbst miterlebt. „Im Unterricht, im täglichen Miteinander ändert sich eigentlich gar nichts“, betonte er.

Miriam Wessendorf von der Stadtverwaltung erläuterte, an Gemeinschaftsschulen werde „auf der Grundlage christlicher Bildungs- und Kulturwerte“ unterrichtet und erzogen, aber mit einer Offenheit auch anderen Religionen gegenüber. Martinsumzug? „Ja, wenn die Schulleitung das wünscht“, sagte Wessendorf. Gleiches gelte für das Aufstellen eines Tannenbaumes. Und auch Schulgottesdienste sind natürlich weiter möglich. Der Alltag in Gemeinschaftsschulen bejahe grundsätzlich das Christentum, zwinge es aber niemandem auf.

An der Reckenfelder Erich- Kästner-Gemeinschaftsgrundschule (die einzige in Greven) ist all das gelebte Praxis. Was sich für katholische oder evangelische Kinder an Gemeinschaftsschulen ändert lässt sich laut Wessendorf in einem Wort zusammenfassen: nichts.

Für Schulleitungen ändert sich, dass die konfessionelle Bindung der Lehrkräfte entfällt. Das gilt auch für die Leitungen selbst. Aktuell muss die Rektorin / der Rektor zwingend dem Bekenntnis der Schule entsprechen, Konrektorenstellen können erst nach drei vergeblichen Ausschreibungen anders vergeben werden. Das wäre künftig deutlich leichter.

Was sich bei der Vergabe der Plätze für Schüler andern würde (und was die ganze Sache letztlich in Rollen brachte), ist, dass die Konfession keine Rolle mehr spielt. An der katholischen Mariengrundschule gab es zuletzt zweimal einen deutlichen Anmeldüberhang. Hier hatten katholische Kinder, für die die Mariengrundschule die für sie nächstgelegene Grundschule war, die Nase vorn.

An Gemeinschaftsschulen gelten bei der Vergabe andere Kriterien. Die Schulleitung entscheidet darüber, in welcher Reihenfolge sie zum tragen kommen: Geschwisterkinder, Schulweg und in der Nähe besuchte Kita zählen unter anderem dazu. Die Kriterien gibt das Gesetz vor, ohne eine Reihenfolge festzulegen. „Klar ist, dass dadurch nicht mehr Schulplätze entstehen. Es werden dann andere Kinder die Schule nicht besuchen können“, machte die städtische Fachbereichsleiterin Beate Tenhaken deutlich. Fachdienstleiter Frank Hänel sprach deshalb auch von einer „Mangelverwaltung“ im Falle eines Anmeldeüberhangs.

Uwe Völkel, evangelischer Pfarrer, betonte, dass Kirchenvertreter in der Erich-Kästner-Gemeinschaftsgrundschule „immer sehr willkommen“ seien. „Es läuft überhaupt nicht anders“, ohnehin gestalte man viele Veranstaltungen ökumenisch. Gemeinschaftsschulen böten „die Chance, der gesellschaftlichen Realität mehr Raum zu geben. Die Behauptung, dass dort christliches Leben nicht stattfindet, trifft nicht zu.“ Tobias Busche (Martinus-Gemeinde) bestätigte das und hofft, dass die guten Kooperation mit allen Schulen fortgesetzt würden.

Marita Lödde-Wilken von der Marienschule fasste es so zusammen: „Religion muss vereinen, sie darf nicht spalten.“ Nun sind die Eltern am Zug, die Abstimmungen (für jede Schule einzeln) finden im Juni statt.

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