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„Hochmodernes Zeugs“

In den 1960er Jahren wurde in Greven die erste Ampel-Analage installiert / Anfangs einige Unfälle

Greven

„Da vorne steht ne Ampel,komm schnell, sie leuchtet rot. Alle Leute warten, doch wir, doch wir, doch wir,doch wir sind schon längst fort“. Das sang die NDW-Gruppe „Der Plan“ 1981 vollmundig. Dabei gibt es Ampeln schon seit genau 100 Jahren. Und in Greven? Seit den Sechziger Jahren.

Peter Beckmann

Horst Böschenbröker war von 1970 bis 1999 bei der Stadtverwaltung als Ingenieur für die Verkehrstechnik zuständig. Die erste Ampel in Greven an der Bismarckstraße (kleines Bild) wurde aber vor seiner Zeit aufgestellt. Foto: Peter Beckmann

Vor 100 Jahren, genau am 5. August 1914, ging die erste elektrische Ampel in Cleveland (US-Bundesstaat Ohio) in Betrieb. Damals hatte Greven noch keine 10 000 Einwohner und – geschätzt – wohl keine zehn Autos. Es gab also – rein verkehrstechnisch – wenig zu regeln – geschweige denn mit einer Ampel. Und das blieb auch in den kommenden Jahren so, Greven kam sehr gut ohne rot-gelb-grün aus. Bis in die 60er-Jahre. Dann wurde die erste Ampel in der Emsstadt aufgestellt. Aber wann genau, das weiß anscheinend niemand mehr.

Horst Böschenbröker weiß es zumindest ungefähr. Er arbeitete von 1970 bis 1999 im Planungsamt und später im Tiefbauamt der Stadt und war als Ingenieur für die Verkehrstechnik zuständig. „Ich war damals der einzige im Tiefbauamt, der diese Bereiche abgedeckt hat“, erinnert sich der 75-Jährige.

Er weiß auch, wo es in Greven die erste Ampel gegeben hat. Aber: Da gibt es feine Unterschiede. „Die erste von der Stadt Greven aufgestellte Ampel ist die Fußgängerampel an der Bismarckstraße“, erinnert sich Böschenbröker. Die habe aber schon gestanden, als er seinen Dienst in Greven angetreten habe. „Ich weiß nur, dass das Wohnungsbauunternehmen Sahle sich damals dafür eingesetzt hatte, weil in deren Häuser viele Familien mit Kindern wohnten und eben diese Kinder sicher zur Schule kommen sollten.“

Aber die erste Ampel überhaupt hatte der damalige Landschaftsverband – heute Straßen NRW – aufgestellt. Und zwar an der so genannten Molkereikreuzung, also der Kreuzung B 219 zur L 555 (Emsbrücke). Denn schon damals herrschte auf der Bundesstraße, die nach Münster führt, reichlich Betrieb. „Beide Ampeln wurden in den 60er-Jahren aufgestellt, wann genau, weiß ich nicht“, erzählt Böschenbröker. Ebenfalls Ende der 60er wurde die Ampelanlage auf der so genannten Edeka-Kreuzung (B 219 / B 481) installiert.

Aber er erinnert sich an die Nachfolger. Nach dem Bau des Hallenbades und des neuen Rathauses wurden auf den Kreuzungen ebenfalls Ampeln installiert. „Da zog das eine das andere nach“, sagt er. Und: Die Grevener hatten zunächst wohl ganz schon Schwierigkeiten mit dem „hochmodernen Zeugs“. „Da hat es häufiger gekracht. Die Leute kamen damit zuerst nicht zurecht, die sind gefahren, wie sie es von vorher kannten“, erzählt der Verkehrsfachmann im Ruhestand.

Der ist ein Befürworter der guten alten Ampel – und das in Zeiten der Kreisverkehre. Übrigens genau wie der Landschaftsverband früher und Straßen NRW heute. Denn: „Ich glaube, dass Ampeln sicherer sind als Kreisverkehre.“

Greven hat auch eine etwas besondere Ampel. Und zwar die Fußgängerampel am Wilhelmsplatz. Denn eine reine solche ist sie ja nicht. Das Rot auf der Kardina-von-Galen-Straße kann nicht nur Fußgänger die drücken, sondern auch durch Fahrzeuge ausgelöst werden, die den Platz verlassen wollen. „Damit hatte die Polizei damals ein richtiges Problem“, erinnert sich Böschenbröker.

Wie viele Ampelanlagen in den kommenden Jahren den Trend zum Kreisverkehr überleben werden wird sich zeigen. Aber ganz ohne Ampeln wird es auch wohl in Greven nicht gehen.

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