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„Nighthawks“ begeistern in der restlos ausverkauften Kulturschmiede

Inspiriert durch die Nacht

Greven

Die KI als Veranstalter hatte nicht zuviel versprochen. Die „Nighthawks“ lieferten beim Gastspiel in Greven ab.

Von Axel Engels

Mit den „Nighthawks“ konnte man den Alltag vollkommen vergessen bei den facettenreichen musikalischen Bildern von fernen Orten. Foto: Axel Engels

Mit einem grandiosen Konzert ließen die „Nighthawks“ am Freitagabend die restlos ausverkaufte Kulturschmiede in ihren Grundfesten erzittern. Die sympathischen Musiker waren seit 2009 zum bereits vierten Mal in Greven, da konnten sie sich einer großen Fangemeinde sicher sein.

Groß waren die Erwartungen der Liebhaber feinster von Hand gemachter Musik und da war das Fehlen des erkrankten Trompeters Reiner Winterschladen natürlich zuerst einmal eine große Enttäuschung. Aber die „Nighthawks“ sind ja international vernetzt und so konnte der aus New York stammende Ryan Carniaux für das Konzert gewonnen werden.

Er hat am berühmten Berklee College of Music studiert, kam danach in die Meisterklasse am Konservatorium in Maastricht. Konzerte in der Bigband von Peter Herbolzheimer unterstreichen sein Renommee, er ist mittlerweile Professor für Jazz-Trompete an der Essener Folkwang-Hochschule.

So erlebten die begeisterten Jazzliebhaber keinen „Ersatztrompeter“, sondern einen Musiker, der sich mit seiner ganzen Erfahrung und Musizierkunst wunderbar in die Gruppe integrierte und eigene Impulse zum facettenreichen Klang beisteuern konnte.

Dem weltbekannten Bild „Nighthawks“ von Edward Hopper von einem Restaurant in Manhatten folgend begannen die Musiker mit dem „Hornflakes Diner“ aus dem ersten Album ihres Wirkens aus dem Jahre 1998, das wie vom Staub der Zeit befreit seinen ganzen Charme entfalten konnte. Da war sofort jedem Besucher klar, dass dieser Abend mit den „Nighthawks“ etwas ganz besonderes Musikerlebnis werden würde.

Dal Martino am E-Bass und Jürgen Dahmen am Fender Rhodes Piano wussten all ihre Erfahrung einzubringen in den farbenreichen Elektro-Jazz, solche versierten Musiker verstehen sich eben auf natürlich gewachsene Art.

Mit Thomas Alkier am Schlagzeug und Jörg Lehnardt an der E-Gitarre erlebte man gleichsam Meister ihres Faches, deren Soli zu jedem Zeitpunkt fesselten. Wenn man mit den „Nighthawks“ über den eher trostlosen „Rickenbacker Causeway“ reiste und sich dann in musikalische Gedankenwelten von Dal Martino flüchtete und als „Chevrolet Nomad“ die Weiten der Amerikas bereiste, war dies ein wirklich faszinierendes Erlebnis.

Mit kunstvollen Soli glänzte immer wieder Ryan Carniaux, der sich intuitiv in die Musik dieser Band einfühlen konnte. Wenn er dann noch die Trompete mit dem Flügelhorn vertauschte, erhoben sich seine Melodien ganz warm timbriert über dem instrumentalen Grund seiner Weggefährten.

Selbst in dem „Jetlag“ aus dem Jahre 2004 fanden sie wunderbare Melodien zu entlocken. Auf dem Dubai Skyward Jazz Festival haben sie ihren „The Consul is driving“ gespielt und an diesem Abend fühlt man sich bei so gut aufgelegten Musikern wie auf einer imaginären Reise, zumal wenn es dann bei „Motorcycle Hong Kong“ noch quer durch die ferne asiatische Metropole ging.

Mit den „Nighthawks“ konnte man inspiriert durch die Nacht streifen, den Alltag vollkommen vergessen bei den facettenreichen musikalischen Bildern von fernen Orten.

Wenn dann noch als Zugabe „The Secret Loneliness“ erklang, war dies ein an Esprit und Leidenschaft nicht zu überbietendes Finale eines Konzertes, an das man sich noch lange erinnern wird.

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