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Verdacht der gefährlichen Körperverletzung

Messerangreifer wird angeklagt - keine Hinweise auf religiöse oder politische Tat

Greven

Ein Mensch tot, einer verletzt: Ein Messerangriff in einer städtischen Wohn-Unterkunft hatte im Juli Greven erschüttert. Nun hat die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben.

Bei der Auseinandersetzung in der Unterkunft für Asylsuchende und Obdachlose an der Wentruper Mark kam ein Mensch ums Leben, der einen Streit schlichten wollte, eine weitere Person wurde verletzt. Nun hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen einen 25-jährigen Tatverdächtigen erhoben. Foto: Luca Pals

Die Staatsanwaltschaft Münster hat gegen einen 25-jährigen Tatverdächtigen, der am 5. Juli festgenommenen wurde, beim Landgericht Münster Anklage wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung und des Totschlags erhoben.

Die Staatsanwaltschaft geht laut eigener Pressemitteilung nach dem Abschluss der Ermittlungen davon aus, dass eine zunächst verbal geführte Auseinandersetzung zwischen dem Angeschuldigten und einem weiteren Bewohner (einem 43 Jahren alten Mann sowie einem 35-Jährigen) in der kommunalen Unterkunft für Asylsuchende und Obdachlose an der Wentruper Mark vorausgegangen ist.

Opfer erlitt mehrere Stichverletzungen

Nachdem sich dieser Konflikt (zunächst) beruhigt haben soll und sich der Angeschuldigte und der 43-jährige Zeuge in ihre Zimmer zurückgezogen haben sollen, soll kurz darauf der Angeschuldigte diesen Zeugen aufgefordert haben, zu ihm vor die Unterkunft zu kommen. Als sich der Zeuge dem Angeschuldigten daraufhin genähert hat, soll ihn der Angeschuldigte unvermittelt mit einem Messer angegriffen und ihn durch mehrere Stichverletzungen schwer verletzt haben. Von weiteren und möglicherweise tödlich wirkenden Angriffshandlungen soll der Angeschuldigte sodann abgelassen haben.

Der 35-jährige Bewohner der Unterkunft, der bereits zuvor mit dem Angeschuldigten gestritten hatte, soll nunmehr ebenfalls ins Freie gekommen sein, um beruhigend auf den Angeschuldigten einzuwirken. Der Angeschuldigte soll jedoch auch diesen Mann direkt angegriffen und mit dem Messer mehrere Stiche in den Hals und Oberkörper versetzt haben. Der 35-jährige verstarb vor Ort an den Folgen dieser Stichverletzungen.

Der 43-jährige Zeuge überlebte den angeklagten Messerangriff. Er erlitt mindestens drei Stich- bzw. Schnittverletzungen, die zum Teil lebensgefährlich waren.

Vergeblicher Fluchtversuch

Der Angeschuldigte konnte nach dessen kurzzeitiger Flucht in einem nahen Maisfeld festgenommen werden und befindet sich seit der Verkündung des Haftbefehls in Untersuchungshaft.

Der Angeschuldigte hat in einer Vernehmung seine Beteiligung eingeräumt und im Übrigen angeben, von den anderen Bewohnern der Unterkunft beleidigt worden zu sein und sich lediglich gewehrt zu haben.

Beweggründe für die Tat weiter unklar

Die konkrete Motivation des Angeschuldigten für die vorgeworfenen Angriffe gegen die Mitbewohner ist bislang offen geblieben. Der Ausgangspunkt liegt nach der Bewertung der Ermittler nur in dem vorausgegangenen Streit in der Unterkunft. Zum angeklagten Tatzeitpunkt stand der Angeschuldigte zudem unter dem Einfluss von Marihuana und Amphetamin.

„Ein religiöser oder politischer Beweggrund ist ausgeschlossen“, teilt die Staatsanwaltschaft mit. Soweit der Angeschuldigte – und somit entgegen der ersten Pressemitteilung vom 5. Juli – nach dem Ereignis auf einer Wiese den Ausruf „Allahu akbar“ getätigt haben soll, besteht gerade vor dem Hintergrund der zuvor geführten Auseinandersetzung und der Aussage des Angeschuldigten kein Zusammenhang mit der Motivlage zum Tat-Zeitpunkt. Nach dem Abschluss der Ermittlungen ist zudem festzuhalten, dass eine Auswertung seines Mobiltelefons keine Hinweise auf islamistische Bestrebungen des Angeschuldigten ergeben hat

Die Staatsanwaltschaft Münster geht derzeit davon aus, dass der Angeschuldigte, für den die Unschuldsvermutung gilt, zum Zeitpunkt der angeklagten Tatbegehung uneingeschränkt schuldfähig gewesen ist.

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