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Reckenfelder Bücherschrank wird gut genutzt

Krimis und Klassiker

Reckenfeld

Der Reckenfelder öffentliche Bücherschrank hat Rollen. Das führt dazu, dass immer seltener von Vandalismus um die Literatur herum zu klagen ist. Nachts rollt der Schrank ins Haus.

Oliver Hengst

Für Kin Foto: Oliver Hengst

Es gab schon Zeiten, da tauchte der Reckenfelder Bücherschrank häufiger in der Zeitung auf. Dass dies zuletzt seltener der Fall war, ist im Grund ein gutes Zeichen. Denn früher ging es leider oft um Berichte über Beschädigungen. Vandalismus aber ist aktuell – drei mal auf Holz geklopft – kein Problem mehr. Es laufe „störungsfrei“, freut sich Ernst Reiling, der den Bücherschrank betreut.

Dass der Schrank massiv gebaut sei, helfe. Noch wichtiger aber, sagt Reiling, sei wohl, dass der Schrank nachts nicht mehr draußen stehe. Alexander Pütter („Alex am Markt“) schiebt den Schrank morgens heraus- und abends wieder herein. „Das macht er hervorragend und sehr zuverlässig. Es harmoniert sehr gut“, freut sich Initiator Reiling. Pütter habe auch ein Auge darauf, dass der Schrank nicht überladen werde.

An Reiling liegt es dann, das Bücherangebot zu sortieren und immer wieder nach dem rechten zu sehen – in der Regel täglich, bisweilen sogar mehrfach am Tag.

Der Lohn der Mühe: „Es wird gut angenommen“, freut sich Reiling, der früher in der Verlagsbranche tätig war und daher eine hohe Affinität zu Büchern hat. „Es läuft gut, die Leute freuen sich. Gerade jetzt während Corona“, hat er festgestellt.

Auch wenn es natürlich keine Ausleihstatistiken oder ähnliches gibt, so kann Reiling die Nutzung doch einschätzen. Zum einen trinkt er gerne mal einen Kaffee in der Nähe (sofern zulässig). Zum anderen erlebt er, dass Bücher, die er erst morgens in den Schrank gestellt hat, mittags schon entliehen sind.

So funktioniert das Prinzip: Bücherfreunde können sich bis zu drei Bücher ausleihen. Auch ein Tausch ist möglich: ein Buch behalten, dafür ein anderes einstellen. Man kann auch Bücher spenden, sollte den Schrank aber nicht als „Lager“ und erste recht nicht als Restetonne missbrauchen. Bücherspenden können auch im „Kleinen Rathaus“ abgegeben werden. Dort bewahrt Reiling sie kistenweise auf, bis zu 1000 Exemplare. Der Lesestoff dürfte also so bald nicht ausgehen.

Gefragt sind vor allem Krimis und weitere Romane, auch Klassiker und Biografien. Hin und wieder „verirrt“ sich auch ein mehr der weniger frischer Bestseller in die Regalreihen. „Auch die Kinderbücher werden gut genutzt“, freut sich Reiling, der für junge Leser ein eigenes Fach reserviert hat.

Hin und wieder muss er natürlich aussortieren. Weil Bücher einfach nicht mehr in einem verleihbaren Zustand sind, häufiger aber, weil sie inhaltlich veraltet oder schlicht nicht gefragt sind. Wenn sich mehrere Kochbücher ums Thema Spaghetti drehen, hilft das niemandem. Zudem sind Kochbücher meistens recht dick und beanspruchen daher viel Platz. Auch ein Duden von 1954 und Fachliteratur zu Betriebswirtschaftslehrer sind von begrenztem öffentlichem Interesse – solche Spenden sortiert Reiling dann aus. Auch politisch Extremes wird konsequent entfernt. „Das kommt aber zum Glück nur sehr, sehr selten vor.“

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