1. www.wn.de
  2. >
  3. Muensterland
  4. >
  5. Greven
  6. >
  7. Kunstschützen und Unaufsteigbare

  8. >

Benefiz-Challenge der DJK mit dem KSV Hessen Kassel

Kunstschützen und Unaufsteigbare

Greven/Kassel

Ehrlich, Kassel, das ist keine Fußballmannschaft, die vom Erfolg verfolgt wird. Trotzdem soll in Greven ein imaginäres Spiel mit den Hessen stattfinden.

wn

Foto:

Bis zum 31. Juli gibt es noch die Möglichkeit, für drei Euro ein Ticket für ein imaginäres Geisterspiel zwischen DJK Blau-Weiß Greven und dem KSV Hessen Kassel zu erwerben. Die kompletten Einnahmen fließen als Spende zu jeweils einem Drittel an die beiden Vereine sowie an karitative Organisationen (wir berichteten).

Wenn mehr als 4500 dieser Benefiz-Tickets verkauft werden, führt dies zu einem weiteren positiven Effekt für die DJK und auch die Stadt Greven: Der Regionalligist aus Nordhessen will dann im kommenden Sommer sein Trainingslager an der Emsaue aufschlagen und in diesem Rahmen auch Testspiele gegen höherklassige Gegner austragen, heißt es in einer Pressemitteilung.

KSV Hessen Kassel? In der Region werden nur Fußballfans, die sich auch für die Geschehnisse unterhalb der Profiligen interessieren, etwas mit dem Namen anzufangen wissen.

Alle, die vor Mitte der 1970er Jahre geboren wurden, werden sich allerdings erinnern, dass die Kasseler „Löwen“ als Gründungsmitglied der eingleisigen 2. Bundesliga in den Folgejahren sportlich für Furore und auch für jede Menge Dramatik sorgten.

Die unvergessene Trainerlegende Jörg Berger hätte sich bei den Kasseler Fans unsterblich machen können, wenn sein Team 1985 aus den letzten beiden Spielen zwei Punkte geholt hätte. Der Tabellenführer spielte zu Hause gegen Verfolger Hannover 96 aber nur Unentschieden und verlor danach beim 1. FC Nürnberg. Das Ende vom Lied: Beide Teams überholten den KSV ebenso wie der 1. FC Saarbrücken und Kassel blieb nur der undankbare 4. Platz – und das im dritten Jahr hintereinander!

Sportlich und finanziell muss der Verein bis heute kleinere Brötchen backen, der Tiefpunkt war Ende der 1990er erreicht, als er nach einer Insolvenz in der Kreisliga neu anfangen musste. Seitdem verpasste es der KSV mehrfach, wieder in den Profifußball zurückzukehren.

Die letzte große Chance wurde 2013 vergeben, als der Meister der neu gegründeten Regionalliga Südwest in den Relegationsspielen gegen Holstein Kiel den Kürzeren zog. Nicht nur unter Fans machte das Wort von den „Unaufsteigbaren“ die Runde.

2018 musste Kassel den bitteren Gang in die Fünftklassigkeit antreten, weil nach einer erneuten Insolvenz neun Punkte abgezogen wurden, sodass der eigentlich gelungene sportliche Klassenerhalt nichts Wert war. Auch in der Folgesaison gab es einen Punkteabzug, dieses Mal fünf Stück, weil das Schiedsrichtersoll nicht erfüllt war. Es ist fast müßig zu erwähnen, dass die Spielzeit deshalb auch hier nicht ohne „Drama“ endete: In der Nachspielzeit holte sich Konkurrent Alzenau im Parallelspiel den fehlenden Punkt für die Aufstiegsrunde und der KSV stand mal wieder mit leeren Händen da.

Auch die letztendlich abgebrochene aktuelle Saison hätte wie immer – also ohne Aufstieg – enden können. Nach einem miserablen Saisonstart folgte im Oktober ein früher Trainerwechsel. Plötzlich lief es wie am Schnürchen: Zehn Spiele, 28 Punkte, 45:5 Tore, die „Löwen“ hatten einen Lauf und endlich durften Beteiligte und Fans vom Aufstieg träumen – bis Corona für eine Vollbremsung sorgte. Wochen zwischen Hoffen und Bangen folgten, bis die erlösende Nachricht kam, dass die Regionalliga Südwest in der kommenden Saison auf 22 Mannschaften aufgestockt wird und der KSV dazu gehört.

Trotz der vielen Enttäuschungen haben die Fans dem Verein in all den Jahren größtenteils die Treue gehalten. 2019 konnten bundesweit nur zwei Vereine einen höheren Zuschauerschnitt in der fünften Liga verzeichnen.

Für den hohen Zuschauerschnitt mitverantwortlich sind natürlich die Spieler. Obwohl der KSV auf junge Talente aus der Region setzt, gibt es im Team auch einige bekannte Kicker. Mit den ehemaligen Paderbornern Mahir Saglik und Alban Meha stehen in den Kasseler Reihen aktuell zwei gestandene Spieler mit Bundesligaerfahrung. Meha erzielte die „Bude der Saison“ in der abgebrochenen Saison und Saglik (Zweitliga-Torschützenkönig 2014) wurde zum Spieler der Rückrunde gewählt.

Nicht weniger torgefährlich ist Stürmer Sebastian Schmeer, der bei 17 Einsätzen auf acht Treffer und zwei Vorlagen kam. Besonders spektakulär war aber ein Fallrückzieher im August 2016. Das fanden die Zuschauer der ARD Sportschau auch und wählten den Treffer zum „Tor des Monats“.

Mit Sergej Evljuskin gehört außerdem der ehemalige Kapitän von Boateng, Özil und Höwedes zum Löwenrudel. Er wurde vom DFB zweimal zum „Nachwuchsspieler des Jahres“ gekürt und hat alle U-Nationalmannschaften durchlaufen. Warum er heute in der 4. Liga kickt, beschreibt er sogar in einem Buch mit dem Titel „Eigentlich wäre ich jetzt Weltmeister“.

Aktuelle Infos über die Challenge gibt es unter www.djk-greven.de/djkksv.

Tickets für drei Euro gibt es in der DJK-Geschäftsstelle, bei Sport Olymp und unter www.ksvhessen.de/tickets

Startseite