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Demonstration auf dem Marktplatz: Gastronomen fordern Planungssicherheit

Leise und mit vielen leeren Stühlen

Greven

Mit einer ungewöhnlichen Aktion haben am Freitag Gastronomen auf ihre prekäre Situation in der Coronakrise aufmerksam gemacht. Auf dem Grevener Marktplatz platzierten sie leere Stühle. Sie stehen als Symbol für die seit Wochen anhaltende Schließung ihrer Lokale. Die Gastronomen fordern vor allem Planungssicherheit, aber auch mehr finanzielle Hilfen.

Katja Niemeyer

Demonstrieren symbolisch mit leeren Stühlen: die Gastronomen Antonio Furnari, Saleh Es-Sinawi, Michael Hillmann, Toto Virga und Robin Zurbrüggen (v.l.). Foto: Katja Niemeyer

Arge Verluste, Unsicherheit und unzureichende Hilfen – die Gastronomen trifft die Coronakrise hart. Mit einer Demonstration, die ganz anders daherkommt als Streiks, zu denen vor der Ausbreitung von Covid-19 aufgerufen wurde, haben sie gestern in Greven – wie auch bundesweit – auf ihre Situation aufmerksam gemacht: im ruhigen Ton, mit nur wenig Teilnehmern, aber mit unzähligen leeren Stühlen.

Stellvertretend für ihre Kollegen stellten sich am frühen Nachmittag fünf Gastronomen auf dem Marktplatz auf, mehr waren wegen Corona nicht erlaubt: Robin Zurbrüggen (Restaurant Siedlerklause), Saleh Es-Sinawi (Café Spontan, Täglich), Antonio Furnari (Pizzeria Etna), Toto Virga (Restaurant Portale) und Michael Hillmann (Deutsches Haus). Hinter ihnen: rund 200 Stühle, umrahmt von rot-weißem Flatterband.

Die Gastronomen sind verärgert. Nicht in erster Linie wegen der Schließung ihrer Lokale – wobei ihre Durststrecke im Vergleich zu anderen Selbstständigen und Unternehmern nun schon am längsten anhält –, sondern vor allem, weil sie sich allein gelassen fühlen. Das Schlimmste, sagen sie, sei die Unsicherheit. „Quasi täglich erreichen uns neue Termine. Mitte Mai. Juli. Wir wissen nicht, wann wir wieder starten dürfen“, sagt Robin Zurbrüggen. Dabei wäre dies eine wichtige Information für ihre Planungen. „Für Bestellungen und Lieferungen benötigen wir eine Vorlaufzeit von ein, zwei Wochen“, erläutert Saleh Es-Sinawi. Ihre festen Mitarbeiter haben die Gastronomen, so erzählen sie, in Kurzarbeit geschickt. Ihre Aushilfen stünden aber gegebenenfalls ganz ohne Einkommen da. Womöglich – eine weitere Sorge – orientieren sie sich beruflich zwischenzeitlich um und stünden somit bei einer Wiedereröffnung nicht mehr zur Verfügung. Auch deshalb fordern die Grevener einen „klaren Fahrplan“ für ihren Neustart.

Neben der Unsicherheit treiben sie aber auch finanziellen Sorgen um. Die Soforthilfen, die der Staat Unternehmern wie ihnen überweist, seien nur „ein Tropfen auf den heißen Stein“, konstatiert Robin Zurbrüggen. Diese müssten für drei Monate reichen, würden aber nur annähernd die Fixkosten für einen Monat decken, ergänzt Antonio Furnari.

Auch die Aussicht, statt sieben nur noch 19 Prozent Mehrwertsteuer zahlen zu müssen, helfe nur bedingt, erklärt Robin Zurbrüggen. Denn diese Ersparnis setze voraus, dass die Lokale überhaupt erst einmal wieder ihren Betrieb aufnehmen dürfen und Umsatz machen können. In welchem Umfang dann wieder Gäste an ihren Tischen Platz nehmen dürfen, sei derzeit offen, betont Es-Sinawi. Auch wie noch nicht geregelt sei, welche Auflagen sie erfüllen müssen.

Und selbst wenn die Gastronomen wieder ihre Zapfhähne anschließen und ihre Herdplatten einschalten – ohne vorherige Investitionen wird es wohl nicht losgehen können. Robin Zurbrüggen rechnet mit Umbauten und dem Aufstellen von Spritzschutzwänden. Antonio Furnari steht gar vor einer derzeit noch unlösbaren Aufgabe: Eine offene Küche, wie er sie hat, dürfte nicht erlaubt sein.

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