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BUND resümiert über das gestoppte Verfahren um die Energiegewinnung im FFH-Gebiet Emsaue

„Lötkolben ins Wasser stecken“

Greven

Die Naturschützer in den Rieselfeldern Maria Koch, Dr. Michael Harengerd und Claudia Baitinger resümieren über das gestoppte Verfahren um die Energiegewinnung im FFH-Gebiet Emsaue.

Günter Benning

Auch hier haben die Naturschützer Einwände. Michael Harengerd spricht vom „Rummel an der Ems“. Foto: Wilfried Gerharz

Für die Stadt ist das Thema abgehakt: Erdwärme aus der Emsaue. Millionen von der EU für das Geothermie-Projekt. Alles im Bündel mit der Sanierung des Rathauses – Schnee von gestern.

Mit einer einstweiligen Verfügung des Verwaltungsgerichts Münster war das ambitionierte Energie-Projekt Anfang vergangenen Jahres gestoppt worden, als die Genehmigung von der Bezirksregierung vorlag. Die Gegner von damals, zogen gestern im Seminarzentrum der Biologischen Station in den Rieselfeldern Bilanz.

„Das Verfahren“, sagt BUND-Immissionsschutzexpertin Claudia Baitinger aus Dorsten, „ist aus unserer Sicht beendet. Wir haben eine Vereinbarung mit der Bezirksregierung geschlossen.“

Für den Bund für Umwelt und Natur Deutschlands (BUND) war dies wichtig. Denn ohne einen formellen Schlussstrich unter dem Verfahren wäre die weitere Renaturierung der Ems in dem Bereich zwischen Setex und Beach nicht möglich gewesen.

„Die kann jetzt durchgeführt werden“, erklärt Dr. Michael Harengerd, BUND-Urgestein und Vorsitzender der Biologischen Station, „mit geringfügigen Änderungen.“

Claudia Baitinger ist ehemalige Studiendirektorin und seit den 80er Jahren im Naturschutz aktiv. Sie ist Mitglied im Bundesarbeitskreis Immissionsschutz und in der Kommission für Anlagensicherheit des Bundesumweltministeriums. Baitinger holt weit aus, um zu erklären, was der BUND gegen die Geothermie-Anlage in den Emsauen vorzutragen hatte.

In erster Linie sei es um die Effizienz gegangen. Die Anlage haben mit einer Wärmedifferenz von drei Grad gearbeitet. Um das Fernwärmesystem, das daran angeschlossen werden sollte, auf 70 Gad Nutztemperatur aufzuheizen, hätte man das Wasser aus der Emsaue immer wieder verdichten müssen. Elektrisch. „Da hätte man genausogut“, sagt sie, „das Wasser mit einem Lötkolben aufheizen können.“

Offenbar haben sich im Vorfeld beim BUND mehrere Arbeitskreise mit dem Grevener Projekt befasst: Technik, Umweltschutz, Wasser- und Naturschutz. „Wir haben uns das nicht einfach gemacht“, sagt Baitinger. In den Ausschüssen seien auch Mitglieder gewesen, die sich an der Uni Bochum mit Geothermie befassten.

Trotzdem: Ein förmliches Gutachten, das sich gegen das vorhandene Gutachten der Stadt hätte richten können, hat es wohl vom BUND nicht gegeben. Der städtische Gutachter hatte dem Projekt Erfolgsaussichten vorausgesagt. Die Maßnahme sollte beispielhaft für ander Projekte sein. Und gerade darum habe sich der BUND so intensiv damit befasst, so Baitinger.

Da die einstweilige Verfügung auch ohne vorliegende Begründung zum Stopp des Verfahrens führte, waren 2019 die Fristen für europäische Fördermittel verstrichen. Weshalb die Stadt von sich aus darauf verzichtete, es auf ein förmliches Klageverfahren ankommen zu lassen. Die Technischen Betriebe, erklärten die Naturschützer gestern, hätten zugestimmt, von der vorliegenden Genehmigung keinen Gebrauch zu machen.

Nach den jüngsten Erkenntnissen über die Schadstoffbelastung des Rathauses, meinte Claudia Baitinger, „kann die Stadt uns dankbar sein, dass wir sie gehindert haben, ein toxisches Gebäude umzurüsten."

Der Schutz der europäischen FFH-Gebiete geht den Naturschützern nicht weit genug. Die EU-Kommission, erklärte Michael Harengerd, wolle die Bundesregierung verpflichten, die Schutzbestimmungen auch für die Emsaue verpflichtender zu gestalten.

Was die derzeit umstrittene Beach in Greven angeht, ist Harengerd klar: „Der Rummel gehört da nicht hin.“ Und dass sich der Naturschutz sich 14 Jahre nicht darum gekümmert habe, sei eine „Fehleinschätzung“ gewesen.

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