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Berliner Meilenstein erinnert an die deutsche Teilung

„Mahnung zur Einheit in Freiheit“

Greven

In den 1950er- und 60er-Jahren wurden bundesweit „Berliner Meilensteine“ installiert, einer davon auch in Greven. Er sollte die geteilte Stadt ins Bewusstsein rücken.

Von Oliver Hengst

Der Berliner Meilenstein wurde 1960 (damals an einer anderen Stelle) eingeweiht, um die deutsche Teilung und vor allem das von der DDR umschlossene West-Berlin ins Bewusstsein zu rücken. Foto: Günter Benning

460 Kilometer, die schaffen Autofahrer, die nicht viele Pausen brauchen, in knapp fünf Stunden. Falls die A2 frei ist, was selten bis nie vorkommt. Immerhin: Heute kann man von Greven nach Berlin durchfahren. Vor der Wende war das nur eingeschränkt möglich.

Diese Wende – sie ist für junge Menschen etwas sehr Abstraktes. Dass Deutschland mal geteilt war, haben jene, die heute in ihren 20ern oder gar noch jünger sind, nicht selbst erlebt. Bis 1990 aber gab es diese beiden Deutschlands, einmal Westen, einmal Osten. West-Berlin gehörte zu Westdeutschland, war aber von der DDR umgeben. Eine Enklave, jahrzehntelang.

Das sollten so genannte Berliner Meilensteine ins Bewusstsein rücken und dort halten. Steine, die ab den 1950er Jahren in vielen westdeutschen Städten aufgestellt worden, um auf das von der DDR umschlossene West-Berlin hinzuweisen und in Westdeutschland Verbundenheit mit der Stadt zu fördern.

Auch Greven hat einen solchen Meilenstein. Er steht an der Nordwalder / Emsdettener Straße. Darauf ist die Entfernung nach Berlin zu lesen: 460 Kilometer. Ganz nah, und einst doch weit weg, weil zu jener Zeit schwer erreichbar.

Der Berliner Meilenstein wurde in Greven 1960 eingeweiht, damals noch an einer anderen Stelle. Bei der Einweihung sprach Nordrhein-Westfalens Wirtschafts- und Verkehrsminister Hans Lauscher (aus Greven). Carl Schumacher, langjähriger Lokalberichterstatter, schrieb damals über die Feierstunde an der Einmündung der Umgehungsstraße auf die Münsterstraße: „Als stellvertretender Vorsitzender des Kuratoriums ,Unteilbares Deutschland‘, Arbeitskreis Greven, begrüßte Bürgermeisterstellvertreter Fabian die Anwesenden, darunter Vertreter des Rates, der Verwaltung, der Geistlichkeit beider Konfessionen, der Lehrerschaft und viele Schulkinder.“

An diesem Tag, so sagte Fabian, solle ein Berliner Meilenstein „als sichtbares Zeichen der Mahnung errichtet werden: Mahnung zur Einheit in Freiheit.“ Schumacher schrieb von „Hunderten von Teilnehmern“. Der Minister habe dazu aufgerufen, „die Menschen in der Sowjet­zone durch Brief- und Paketsendungen moralisch zu unterstützen, weil sie für jedes Zeichen der Verbundenheit dankbar seien. Vordringlich bleibe es, Berlin als Insel in der Unfreiheit zu erhalten. Jede Hilfe, die Westdeutschland zuteil werde, werde auch zu einer Unterstützung für die Menschen in Mittel- und Ostdeutschland.“

Der hiesige Berliner Stein wurde am 17. Juni 1960 eingeweiht – also am Jahrestag des Volksaufstandes in der DDR, der 1953 gewaltsam niedergeschlagen worden war. Der 17. Juni war von 1954 bis zur deutschen Wiedervereinigung 1990 als „Tag der deutschen Einheit“ ein Gedenk- und Feiertag in der Bundesrepublik Deutschland. Lauscher sagte anlässlich der Feierstunde in Greven: „Die Opfer des 17. Juni waren nicht vergeblich. Das Fanal der Freiheit, das sie setzten, blieb nicht unbeachtet. Sie erwiesen der Sache der Freiheit und des Rechts in der ganzen Welt einen großen Dienst und legten uns die Verpflichtung auf, alles, was in unseren Kräften steht, für die Wiedervereinigung zu tun und unsere Brüder und Schwestern in der Sowjetzone in ihrem Kampf zu unterstützen.“

Werner Plagemann (Firma Th. Plagemann u. Sohn) hatte damals die Steinmetzarbeiten am Gedenkstein aus Ibbenbürener Sandstein (rund zehn Zentner schwer) übernommen. Der Stein stand laut Zeitungsbericht ursprünglich „an der Einmündung der Umgehungsstraße auf die Münsterstraße vor der Fa. A. Cramer u. Co.“ (heute: Setex). Damals gab es auch Vorschläge, der Umgehungsstraße die Bezeichnung „Berliner Ring“ zu geben. Später wurde der Gedenkstein an die Nordwalder Straße versetzt.

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