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Meteorologe Björn Bader im Interview

Kein Ende der Dürre in Sicht

Reckenfeld

Wochenlang kein nennenswerter Regen, jetzt auch noch eine nahende Hitzewelle. Sind das normale Wetterphänomene? Nein, sagt Meteorologe Björn Bader aus Reckenfeld. Das ist der Klimawandel. Die Trockenheit sei in diesem Ausmaß in Deutschland bisher einmalig.

Von Oliver Hengst

Björn Bader in seinem Wetterstudio in Reckenfeld. Er sagt: „Die Trockenheit der letzten Wochen, Monate und Jahre ist in diesem Ausmaß in Deutschland bisher einmalig.“ Foto: Privat

Auf seinen Monitoren laufen all die Daten zusammen, die Meteorologe Björn Bader dann auswertet und als Wetterbericht für das „Wetterportal Kreis Steinfurt“ aufbereitet. Knapp 1800 wetterinteressierte Facebook-Nutzer folgen ihm dort. Im Interview blickt Björn Bader auf die zu erwartende Hitze der kommenden Tage und ordnet das Ausmaß der aktuellen Trockenheit ein.

Erleben wir nächste Woche 40 Grad oder mehr?

Björn Bader: Schon seit etwa sieben Tagen haben einige Modelle in ihren Extremlösungen fast jedes mal 40 Grad und mehr simuliert. Diese ganz hohen Werte, bis 45 und 46 Grad, wie sie durch die Schlagzeilen verbreitet werden, waren zwar in den Modellen enthalten, waren aber immer unwahrscheinliche Ausreißer. Anfang letzter Woche wurde die Hitzewelle auch noch für das jetzt kommende Wochenende terminiert, mittlerweile hat sich das nach hinten verschoben. Das liegt einfach an dieser extrem trägen Wetterlage. Momentan sieht es so aus als würde es Anfang kommender Woche sehr heiß wird. Es sind zwar noch ein paar Tage hin, aber Temperaturen über 35 Grad, vielleicht sogar bis 38/39 Grad an einem Tag halte ich für durchaus realistisch.

Wie lange wird uns die Hitze begleiten?

Bader: Eine längere Hitzewelle, also mehr als drei oder vier Tage ist eher unrealistisch, weil ein stabiles Hochdruckgebiet fehlt. Diese extrem heiße Warmluftblase, wie sie jetzt schon seit einigen Tagen über der iberischen Halbinsel verweilt, wird dann auf der Vorderseite eines kleinen Tiefs zu uns transportiert.

Wann ist mal wieder mit ausgiebigem Regen zu rechen?

Bader: Die nächste Chance auf etwas Regen wäre, wenn die Hitze, die kommende Woche kommen soll, ausgeräumt wird. Hier kann es dann zumindest örtlich für ein paar Schauer reichen. Das ist allerdings nicht mal der Tropfen auf den heißen Stein, weil das Münsterland in den vergangenen Monaten zu sehr ausgedörrt ist. Die Natur ist mittlerweile so trocken, das bei konvektiven Wetterlagen - also bei Schauer- und Gewitterlagen - diese massive Probleme haben, sich in so einer trockenen Umgebung zu bilden. Sie haben nicht mehr genügend Wasser, das in die Atmosphäre aufsteigen kann, um dann abzuregnen. Die Dürre wird sich also auf unbestimmte Zeit fortsetzen.

Wie ungewöhnlich ist die Trockenheit der vergangenen Wochen?

Bader: Ein deutliches Niederschlagsdefizit herrscht schon seit 2018. Seit damals regnet es nicht mehr genügend. In diesem Jahr war nur der Februar deutlich zu nass (etwa das doppelte der langjährigen Durchschnittlichen Regenmenge), der April landete eine Punktlandung – sonst waren alle anderen Monate deutlich zu trocken. Der laufende Juli hat jetzt, zur Halbzeit an meiner Wetterstation in Reckenfeld gerade mal 6,4 Millimeter Niederschlag gespendet. Normal wären eigentlich 42 Millimeter. Die Trockenheit der letzten Wochen, Monate und Jahre ist in diesem Ausmaß in Deutschland bisher einmalig.

Ist das noch Wetter oder schon Klimawandel?

Bader: Man sieht besonders in den letzten paar Jahren immer deutlichere Spuren des einsetzenden Klimawandels. Dadurch, dass die Regionen an den Polen unserer Erde sich sehr viel schneller erwärmen wie die Regionen am Äquator, gibt es kaum noch Temperaturunterschiede. Und genau diese Temperaturunterschiede sind quasi der Motor des Wetters. Sind die Unterschiede zu gering, passiert das, was wir in den letzten Jahren und besonders auch dieses Jahr erleben: total träge Wetterlagen, in denen Hoch- und Tiefdruckgebiete nicht weiter ziehen und sich an Ort und stelle neu bilden. Normal ist das nicht, eigentlich müssen diese weiter ziehen und bei uns in Europa für wechselhaftes Wetter sorgen.

Sie selbst leben in einer Dachgeschosswohnung. Wie schützen Sie sich vor der Hitze?

Bader: Früh morgens wird die Wohnung ausgiebig gelüftet, danach schließe ich alle Fenster, wo möglich, lasse ich Rollläden herunter. Für etwas Kühlung sorgen im warmen Büro Ventilatoren. Viel trinken, aber die Getränke nicht zu kalt, sonst heizt sich der Körper zusätzlich auf.

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