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Kryptowährung „OneCoin“

Millionenbetrug vor Gericht

Münster/Greven

320 Millionen Euro von Anlegern an die zwielichtige Krypto-Firma „OneCoin“ weitergeleitet: Die Vorwürfe gegen ein Paar aus Greven, die seit Freitag in Münster verhandelt werden, wiegen schwer. Ihre Verteidiger weisen alles zurück.

Von Klaus Möllers

„Einzigartig, sicher, global und ohne Inflationsrisiko“: So wurde „One­Coin“ seinerzeit im Internet beworben. Foto: Gunnar A. Pier

Wegen des Vorwurfs der Staatsanwaltschaft gegen ein Ehepaar aus Greven, sich auf illegale Weise an Geschäften mit der digitalen Währung „OneCoin“ beteiligt zu haben, hat das Landgericht in Münster am Freitag das Verfahren eröffnet. Die Frau (59) ist wie auch ihr Mann (69) angeklagt, weil sie Zahlungsdienste erbracht haben soll, ohne die vorgeschriebene Erlaubnis zu haben. Dafür wurde das Paar angeklagt.

Für die Wirtschaftsstrafkammer erklärte der Vorsitzende Richter gleich zu Beginn, dass im Falle einer Verurteilung als weitere Tatbestände Beihilfe zum Betrug sowie Geldwäsche infrage kommen. Von der Staatsanwaltschaft angeklagt sind sie nicht. Die Beihilfe wäre laut Gericht dann der schwerwiegendste Vorwurf.

„OneCoin“-Betreiberin wird per Haftbefehl gesucht

Das Ehepaar soll von Ende 2015 bis Ende 2016 mit seiner Firma „IMS International Marketing Service GmbH“ Zahlungen für den Anbieter der sogenannten Krytowährung „OneCoin“ für Deutschland abgewickelt haben. Im Zuge dessen habe es mehr als 88 000 Zahlungseingänge mit einem Gesamtwert von rund 320 Millionen Euro privater Anleger aus Deutschland über drei Konten bei hiesigen Banken an die Gesellschaft „OneCoin Ltd.“ weitergeleitet.

Die aus Bulgarien stammende Betreiberin des Systems „OneCoin“, durch das sich die Anleger Wertsteigerungen und Gewinne erhofften, ist derweil nicht mehr auffindbar und wird mit internationalem Haftbefehl gesucht. Viel von dem eingesetzten Geld – weltweit sollen es mehrere Milliarden Euro gewesen sein – scheint für die Anleger verloren.

Verteidiger weisen Vorwürfe zurück

Die Angeklagten wollten sich vorerst nicht äußern. Stattdessen gaben ihre Verteidiger Erklärungen ab. Die Vorwürfe der Beihilfe und der Geldwäsche wiesen sie zurück.

Mitangeklagt ist ein Rechtsanwalt aus München (54). Er soll im Zusammenhang mit der Grevener Firma in zwei Fällen Geldwäsche mit einem Gesamtbetrag von 20 Millionen Euro unternommen haben. Auch der Jurist wollte sich am Freitag nicht zu den Vorwürfen gegen ihn äußern.

Server sichergestellt

An zwei der nächsten Prozesstage (28. und 30. September) werden laut der Strafkammer zwei Gutachter als Zeugen aussagen, die zum System „OneCoin“ ermittelt hatten. Darunter ein Mitarbeiter des Landeskriminalamtes, der an der Auswertung von in Bulgarien sichergestellten Servern beteiligt war.

Ab Oktober sollen etwa 30 geschädigte Anleger als Zeugen aussagen. Falls sich herausstellen sollte, dass es sich bei „OneCoin“ tatsächlich um ein Betrugssystem handelte, wären weltweit mehrere Zehntausend Personen geprellt worden, so die Kammer.

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