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Statue an der Kapellenstraße

Nepomuk landete auf dem Mist

Greven

Über die Grevener Nepomuk-Statue ist nicht viel bekannt. Weder weiß man, wer sie hergestellt hat, noch wo sie zuerst aufgestellt wurde

Von Hans-Dieter Bez

Über die Grevener Nepomuk-Statue ist nicht viel bekannt. Weder weiß man, wer sie hergestellt hat, noch wo sie zuerst aufgestellt wurde. Foto: Bez

An der Ecke Kapellenstraße/Johannesstraße steht seit Jahrzehnten im Vorgarten des Hauses der Familie Grund auf einem hohen Sockel eine steinerne Statue aus Baumberger Sandstein, die den heiligen Johannes von Nepomuk (ca. 1345 bis 1393) darstellt. Die Statue steht auf einer flachen viereckigen Plinte, in deren Vorderseite „St. Nepomuk“ eingraviert ist. Darunter befindet sich eine schlanke Steinsäule mit den Jahreszahlen „1727-1959“.

Alteingesessene Grevener nennen die Statue „Jans Bums Cenus“ (verballhornt aus Johannes Bohemius Nepomucenus) oder „Jans Buom Steenus“ (Johannes aufm Stein).

Er wird als Verteidiger des Beichtgeheimnisses und als Kämpfer für die Unabhängigkeit der Kirche vom Landesherrn verehrt. Heute noch genießt er die Verehrung als besonderer Schutzherr Böhmens. Gläubige rufen ihn auch an bei drohender Überschwemmungsgefahr.

Im Bistum Münster begann die Verehrung des hl. Nepomuk erst mit der Amtseinführung von Clemens August als Fürstbischof von Münster (1719-1761), der als Herzog von Bayern auch in Böhmen Verwandte hatte und so zu einem Verehrer des hl. Nepomuk geworden war.

Was die Grevener Nepomuk-Statue betrifft, so ist heute Wesentliches ungeklärt. Man weiß nicht, wer die Statue hergestellt hat, wie alt sie ist und wo sie zuerst aufgestellt wurde. Auch wem diese Statue eigentlich gehört(e), ist unbekannt.

Die Familie Grund pflegt traditionell diese Statue, die auch bereits vor dem Ausbau der vorbeiführenden Straßen auf ihrem Grundstück stand, wie ein altes Foto beweist. Und auch die Stadt hat sich hier immer in der Pflicht gesehen, wenn die Statue restauriert werden musste.

Nach mehreren Restaurierungen ist auf der Statue die Jahreszahl 1756 nicht mehr vorhanden. Ob es sich dabei tatsächlich um das Jahr ihrer Herstellung oder Aufstellung handelte, ist fraglich. Das gilt auch für die heute auf dem Sockel stehende Zahl 1727.

Auch der ursprüngliche Standort der Statue ist ungeklärt. Carl Schumacher schrieb 1951 in den WN: „Man nimmt an, dass die Statue früher an der Schönefliethbrücke gestanden hat, weil der Märtyrer aus Prag ja der Schutzpatron der Brücken ist. Wahrscheinlich wurde sie beim Bau der dreiteiligen eisernen Brücke, der 1889 vollendet wurde, zur Kapellenstraße versetzt.“ Diese Annahme wird durch keinen Hinweis belegt, findet aber bis heute Zuspruch.

Und 1971 schrieb Schumacher: „Diese Statue steht am nördlichen Ende der Kapellenstraße. Dorthin wurde sie 1959 nach erfolgter Restaurierung versetzt. Vorher stand sie am westlichen Ende der Kapellenstraße, also an der Einmündung in die Münsterstraße.“

Im August 1978 stellte die FDP den Antrag, die Nepomuk-Statue auf oder an einer der beiden Emsbrücken aufzustellen, denn St. Nepomuk sei ein Brückenheiliger und die Statue komme am jetzigen Standort nicht zur Geltung,

In der Vorlage für den Hauptausschuss und den Rat wird für den Verbleib der Statue an bisheriger Stelle votiert. So wurde es dann von beiden Gremien beschlossen.

Nach der Meinung anderer stand die Statue zunächst in einem Kapellchen auf dem Grundstück Lindenstraße 1. Nach ihrem Abbruch im Jahre 1818 sei dann die Statue an den jetzigen Standort versetzt worden. Es gibt allerdings keinen Beleg dafür, dass die Statue jemals in der 1714 von Hermann Horstmann gestifteten Kapelle gestanden hat.

Viel wahrscheinlicher ist, dass die Nepomuk-Statue aus der Grevener Nepomuk-Stiftung hervorgegangen und auch finanziert worden ist.

Prinz berichtet, für eine solche Stiftung habe zu Beginn des 17. Jahrhunderts der aus Westerode stammende münsterische Domvikar Bitter Low „ein bestimmtes Kapital zur Gründung einer solchen Vikarie in der Kirche zu Greven gestiftet.“ Die Gelder seien aber auf Haus Schöneflieth geblieben, wo Low zeitweise als Hauskaplan tätig war. Pfarrer Holstein sei es 1679 gelungen, einen Teil der Stiftungsgelder zu bekommen. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts habe er das Kapital der Stiftung auf 500 Taler erhöhen können.

Inhaltlich besteht zwischen der Nepomuk-Stiftung und der Nepomuk-Statue eine enge Beziehung. Man kann sich gut vorstellen, dass sie als Teil der Stiftung oder durch Stiftungsgeld errichtet wurde, vor allem wenn man bedenkt, dass zeitweise zwar das Stiftungskapital, aber kein Inhaber der Vikarie vorhanden war. Da die gesetzmäßige Errichtung der Vikarie im Jahre 1810 erfolgte, ist die Datierung der Statue durch Rudolf Breuing sehr naheliegend.

Mitte der 1950er Jahre wurde die Kapellenstraße verbreitert und eine Verbindung zur Grabenstraße erstellt. Die Statue war deshalb abgebaut und in einem Raum des Schwimmbads Schöneflieth untergebracht worden.

Im Jahre 1959 wurde die Statue durch den Grevener Steinmetzbetrieb Bruns & Ickerott restauriert, der Sockel wurde erneuert. Damals wurde der Statue auch eine Urkunde beigegeben, die folgenden Wortlaut hat: „Am 4.4.1959 wurde die St. Nepomuk-Statue von dem Besitzer des Grundstückes Kapellenstraße Nr.10 Herrn Anton Grund wieder aufgestellt, nachdem sie einige Jahre der Verlegung und Verbreiterung der Kapellenstraße weichen musste (...).“ Diese Urkunde bekam 1972 eine Ergänzung: „Nochmals renoviert und wieder aufgebaut am Freitag, den 8.9.72. Drei Tage nach dem Blutbad von München.“

Im Jahre 1981 wurde die Statue von Jugendlichen vom Sockel gestürzt und schwer beschädigt. Weitere Angriffe auf die Statue fanden in den folgenden Jahren statt. 2008 lag sie sogar bei Bauer Dertenkötter auf dem Misthaufen. Die Stadt Greven ließ sie dann jeweils restaurieren und wieder aufstellen.

Im Jahre 1986 wurde die Statue unter Denkmalschutz gestellt.

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