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Tierärztlicher Notdienst in Corona-Zeiten

Neue Bedeutung für den alten Spruch: „Wir müssen draußen bleiben“

Greven

Seit Corona hat im Tierzentrum an der Bismarkstraße der alte Spruch „Wir müssen draußen bleiben“ eine neue Bedeutung bekommen. Die Tiere dürfen rein, Frauchen und Herrchen, warten vor der Tür.

Günter Benning

Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste: Eine Mitarbeiterin übergibt einer Tierhalterin Rezepte und Papiere. Foto: Günter Benning

Gut dass das Tierzentrum Vor- und Hintereingang hat. Hinten stehen Frauen, die ihre maladen Hunde an der Leine haben. Dabei wirken sie mit ihren Gesichtsmasken eigentlich auch ein wenig krank. Vorne sitzt eine Frau, die ihre Katze in einer Transportkiste zum Arzt bringen will.

Seit Corona hat an der Bismarkstraße der alte Spruch „Wir müssen draußen bleiben“ eine neue Bedeutung bekommen. Die Tiere dürfen rein, Frauchen und Herrchen, warten vor der Tür.

Praxismanager Michael Pohl hält das für die beste Lösung, um die Ansteckungsgefahr in der Praxis zu mindern.

Hunde und Katzen haben keine Ahnung von Corona

Im Tierzentrum, das aus allen Nähten platzt und deshalb gerade an der Mergen­thaler Straße neu gebaut wird, arbeiten rund 14 Tierärzte. Mit dem Praxispersonal sind auf den 450 Quadratmetern an die 52 Menschenbeschäftigt. Wenn man die Besucher hinzurechnet, sind das täglich weit über 100 Personen.

„Bisher hat uns Corona kaum Einbußen gebracht“, sagt Pohl. Und das wäre ja mal eine positive Nachricht, wenn nicht jeder Patient auch krank wäre.

Aber Hunde und Katzen haben keine Ahnung von Corona, sie verschieben ihre Wehwehchen nicht auf Morgen. Sie sind allenfalls durch die Pandemie um ihre Ruhe gebracht worden.

„Wenn viele Leute Kurzarbeit fahren“, sagt, Physiotherapeutin Margareta Veit, „sind sie öfter zuhause.“ Für die Tiere ändert sich der Alltag – möglicherweise sorgt das auch für Stress.

Vor der Tür hat man die Parkplätze nummeriert, um den Besucherverkehr zu regeln. Die Tierbesitzer müssen dort warten, dann kommt eine Arzthelferin mit Mundschutz heraus und nimmt die Tiere entgegen, oder gibt ein Rezept aus – mit ganz langem Arm.

Tierärzte gehören zum systemrelevanten Sektor

„Bisher gab es bei uns noch keinen Corona-Fall“, sagt Pohl. Eine Mitarbeiterin, die in Tirol Skifahren war, hat freiwillig noch eine häusliche Quarantäne gewählt, bis sicher war, dass sie nicht krank war.

Der bunte Mundschutz ist übrigens Heimatarbeit. Veit: „Drei Mitarbeiterinnen haben uns erst mal 150 davon genäht.“

Wichtig für den Praxismanager ist, dass die Tierärzte zum systemrelevanten Sektor gehören. Sie dürfen und sollen öffnen. „Der tierärztliche Notdienst im Kreis Steinfurt funktioniert auch normal“, sagt er, „und uns macht es Spaß, zur Arbeit zu gehen.“

Telemedizin, wie sie in anderen Bereichen praktiziert wird, gibt es bei den Tierärzten in Greven bisher nicht: „Die Tiere sagen uns ja nicht, was ihnen weh tut“, sagt Pohl, „und ihre Besitzer wissen es doch auch oft nicht.“

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