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Dr. Henning Brockfeld ist Vorsitzender des neuen Umweltausschusses

„Nicht beim Klein-Klein aufhalten“

Greven

Klein-Klein. Das soll nicht der Schwerpunkt in der Arbeit des neuen Umweltausschusses in Greven sein. Das verspricht jedenfalls dessen Vorsitzender Dr. Henning Brockfeld im Interview.

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Henning Brockfeld leitet den neuen Ausschuss für Umwelt. Foto: Sonja Zahnberg

Dr. Henning Brockfeld ist Vorsitzender des neuen Ausschusses für Umwelt, der in der kommenden Woche zum ersten Mal tagt. Der Geograf und promovierte Wirtschaftswissenschaftler, lebt seit 2013 in Greven und ist als Projektleiter und Personal-Coach für ein international arbeitendes IT-Unternehmen tätig. Seit 2018 ist der gebürtige Osnabrücker Mitglied der Grünen. Mit ihm sprach unser Redaktionsmitglied Günter Benning.

Bisher gab es den Ausschuss für Stadtplanung und Umwelt (ASU). Jetzt sind daraus zwei Ausschüsse geworden. Wozu die Aufteilung?

Brockfeld: Erst mal gibt es da einen Impuls von außen. Wir sehen seit 2018, wie sich eine umfangreiche Klimabewegung entwickelt. Gleichzeitig standen im ASU Stadtentwicklungsthemen immer im Vordergrund. Grundsätzliche Klimakonzepte, wie das Klimaschutzkonzept für Greven aus dem Jahr 2010, standen im Hintergrund. Das sind ja doch eher langfristige Aufgaben.

Also soll es nicht nur um Stadtplanung gehen?

Brockfeld: Ja, Umwelt ist eigentlich ein Querschnittsthema in der Verwaltung: Klimaschutz, Umweltschutz und Nachhaltigkeit sind die Kernelemente, das betrifft nicht nur Stadtentwicklung.

Was zählt für Sie sonst dazu?

Brockfeld: Man kann zum Beispiel über nachhaltige Beschaffung reden. Was beschaffen wir? Wie wählen wir aus? Geht es nur nach dem Preis? Oder spielt eine Rolle, wie viel CO2 ein Produkt verbraucht und ob es nicht auch Alternativen gibt. Der Ansatz, den wir aus der Politik verfolgen, ist also deutlich universeller als früher.

Die Grünen wollten sogar mal eine eigenes Referat für Umwelt einführen?

Brockfeld: Das ist zu den Akten gelegt worden, aber es ist ein Thema, das wiederkommen wird.

Der Begriff Nachhaltigkeit wird manchmal als Feigenblatt benutzt. Wo ist das für Sie wichtig?

Brockfeld: Eigentlich bei allen Entscheidungen. Unser Kämmerer Matthias Bücker hat das mal bei den Haushaltsberatungen auf den Punkt gebracht. Wir müssen bei unseren Investitionen auch sehen, was in 30, 40, 50 Jahren passiert. Stellen sie dann noch einen Wert dar für die Stadt? Das kann man als nachhaltiges Wirtschaften verstehen.

Brechen wir es auf das Thema Bauen runter. Man muss nicht nur Baugebiete planen, sondern auch überlegen, wie die in 30 Jahren belebt sind?

Brockfeld: Ja, aber da stoßen wir an die Grenzen dessen, was unsere Zuständigkeiten angeht. Alles, was Bauen angeht, bleibt im Ausschuss für Stadtentwicklung, das halte ich auch für gut. Aber natürlich wird es Themen geben, wo der Umweltausschuss mitsprechen möchte.

Womit soll sich der Ausschuss hauptsächlich befassen?

Brockfeld: Eigentlich wollen wir uns nicht mit dem Klein-Klein beschäftigen. Das Ziel muss es sein, die Werkzeuge für die Verwaltung zu schärfen, um künftig eine Dekarbonisierung, also die CO2 -Reduzierung voranzutreiben, um nachhaltig zu beschaffen, um die Umwelt zu schützen.

Gibt es eigentlich ein Umwelt-Leitbild für Greven?

Brockfeld: Ich frage mich das eigentlich seitdem ich in Greven lebe. So ein richtiges Leitbild tragen wir nicht vor uns her. Wenn ich mal in das Klimaschutzkonzept von 2010 gucke, ist einer der vier Blöcke für die Weiterentwicklung zum Beispiel „Greven als fahrradfreundliche Stadt“. Aber ich habe das Gefühl, es hat sich nicht richtig viel an der Fahrradfreundlichkeit getan. Man schreibt sich leicht so einen Leitsatz hin – aber es muss natürlich auch etwas geschehen.

Aber kommt es nicht auch darauf an, dass aus der Politik viele kleine Bisse kommen, um die Entwicklung voranzutreiben?

Brockfeld: Sicherlich ist das richtig, aber dann wartet man teilweise zwei, drei Jahre, bis sich etwas tut. Als Ratsneuling bin ich schon manchmal verwundert, welche Anträge wir wiedersehen. Anträge, die teilweise 2017, 2018 gestellt wurden.

Sie kommen aus der Wirtschaft, ist es da anders?

Brockfeld: Auch da kenne ich Projekte mit der öffentlichen Verwaltung, die schon zehn Jahre laufen und noch fünf Jahre weitergehen, bevor sich wirklich etwas tut. Der Klassiker ist die Krankenkassenkarte – seit wie vielen Jahren reden wir davon? Wenn man aus der Wirtschaft kommt, sagt man sich, das kann doch nicht sein.

Sind in ihrem Berufsalltag die Entscheidungsprozesse kürzer?

Brockfeld: Klar, aber natürlich gibt es da auch nicht solche Verfahren wie die Bürgerbeteiligungen.

Jetzt führt Bürgermeister Aden gerade ein Projektmanagement ein. Hilft das?

Brockfeld: Dafür kann man ihn loben. Das schafft Transparenz darüber, welche Projekte jetzt wirklich aktuell sind. Da kann man vielleicht auch mal entscheiden, welche Anträge aus der Vergangenheit nicht mehr bearbeitet werden.

Aber gerade die Grünen haben bei den Haushaltsberatungen über 50 Änderungsanträge gestellt? Wie passt das?

Brockfeld: Da ging es uns im Wesentlichen um das Thema Messbarkeit. Wir wollen Verwaltungshandeln transparenter machen. Am Ende eines Haushaltsjahres muss klar sein, was wir erreicht haben und wo noch etwas zu tun ist. Letztendlich muss man auch sagen, es gibt nicht all zu viele solcher Momente, wo man als Partei Richtungsaussagen machen kann.

Was ist für sie die wichtigeste Aufgabe des neuen Ausschusses?

Brockgfeld: Das Fördern eines klimaneutralen Handelns über größere Konzepte und über finanzielle Förderungen für Bürger und Unternehmen. Es gibt viele Möglichkeiten, vieles davon ist auch unbekannt. Da geht es teilweise um viel Geld.

Maßnahmen zur CO2-Reduzierung sind nicht umsonst?

Brockfeld: 2010 wurde errechnet, dass jeder Grevener 10,8 Tonnen CO2 produziert. Man liest nun, dass die Maßnahmen zur Reduzierung von einer Tonne CO2 bei den städtischen Investitionen 10 000 Euro gekostet haben. Bei solchen Summen weiß man auch, dass es nötig ist, weitere Wege zu diesem Ziel zu beschreiten.

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