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Flüchtlingsbewegung aus der Ukraine fordert die Verwaltung heraus

Ohne Bleibe geht es nach Bochum

Greven

Am Donnerstag waren 124 Ukrainer im Rathaus registriert worden – aber die Zahl ist nur eine Momentaufnahme, sagte Beate Tenhaken. Die Warteschlange ist lang.

Von Günter Benningund

So war es 2015: Viele Flüchtlinge wurden erst mal in Übergangseinrichtungen empfangen. Mit Übersetzern erklärten sie dem Bundesamt für Flüchtlinge und Migration – wie hier in Münster – ihre Geschichte. Foto: Günter Benning

Alles ist im Fluss. „Die Zuweisungen und die Schlüssel ändern sich stündlich“, sagte Beate Tenhaken, Fachbereichsleiterin für Soziales im Rathaus am Donnerstag im Sozialausschuss bei einem Bericht über die Flüchtlingssituation in der Stadt: „Aus der Ukraine haben wir 22 Zuweisungen mit 31 Personen angekündigt bekommen.“ Die realen Zahlen liegen viel höher.

Denn es gibt einerseits den bürokratisch verbürgten Weg: Flüchtlinge werden in Bochum registriert und dann nach einem bestimmten Schlüssel auf die Kommunen verteilt.

Und es gibt den privaten Weg: Grevener Bürger haben zahlreiche Ukrainer aufgenommen oder gleich von den Grenzen abgeholt. „Diese Zahlen kennen wir nicht genau“, sagt Tenhaken.

Szenekenner sprechen von 300 bis 400 Menschen. 124 von ihnen waren bis Donnerstag in der Stadt registriert worden, 70 Erwachsene, 54 Kinder. Für all diese Fälle gebe es ein Aufnahmebüro im Erdgeschoss des Rathauses. Bei halbstündigen Erstgesprächen mithilfe von Übersetzern werde dabei die Lage abgeschätzt und der Bedarf ermittelt.

Das reguläre Zuweisungsverfahren gibt der Stadt fünf Tage Vorbereitungszeit. Sie ist verpflichtet, eine Unterkunft zur Verfügung zu stellen. Bei den privat untergebrachten Menschen hilft das wenig.

Tenhaken sprach dabei auch deutlich Probleme an: „Es hilft nicht wirklich, wenn wir Menschen herholen und dann sagen, sie können nur ein oder zwei Tage bleiben.“ Wer Ukrainern helfen wolle, müsse eine Aufnahmebereitschaft von fünf bis sechs Monaten haben, damit alle Geflüchteten untergebracht werden können.

Länger wohnen bleiben

Wer Menschen aufnimmt, sie aber nicht für länger beherbergen könne, müsse seine Gäste dann an die Erstaufnahmestelle in Bochum verweisen. Notfalls müssten sie mit der Bahn dorthin reisen – der ukrainische Pass gilt wie ein ÖPNV-Ticket.

Thomas Hudalla, Linken-Ratsherr, bemühte nach Tenhakens Vortrag den Mut­spruch von CDU-Kanzlerin Merkel: „Wir schaffen das.“

Andere Ausschussmitglieder berichteten, es gebe viele Bürger, die Wohnraum anbieten wollten: „Die wollen gar keine Miete, sondern fragen nur nach Nebenkosten“, sagte CDU-Mitglied Michael Gries. Aber, kritisierte er, man müsse ja nicht gleich fragen, ob sie für die Einliegerwohnung eine Baugenehmigung hätten: „Etwas mehr Fingerspitzengefühl, bitte.“

Tatsächlich, bestätigte Beate Tenhaken, gebe es über 60 Angebote für Wohnraum. „Wir müssen sehen, was sich eignet“, sagte sie, „aber ich muss auch wieder das Wort Turnhallen in den Mund nehmen.“

Geklärt werde die Frage, wie Kinder die Schule oder die Kita besuchen könnten. Grünen-Ratsfrau Margarete Zimmermann berichtete, dass es Online-Angebote aus der Ukraine gebe: „Kinder, die über Geräte und Internet verfügen, können da am Unterricht teilnehmen.“

Die Zahlen

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