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CDU fordert Öffnung der Fußgängerzone

Radler zwischen Fußgängern

Greven

Ein weiteres heißes Essen rund ums Radeln. Sollen Radler in Grevens Fußgängerzone fahren dürfen? Die CDU hat dazu einen Antrag gestellt. Wie machen es andere?

Von Günter Benning

Radtouristen, die durch die Grevener Marktstraße fahren – noch ist das verboten. Foto: Günter Benning

Dietmar Beinker ist oft mit dem Fahrrad in Deutschland unterwegs: „Von Berlin bis Köln sind viele Fußgängerzonen für Radler freigegeben“, sagt das Grevener CDU-Mitglied. Für ihn ein Grund, das Gleiche auch für die Grevener City zu beantragen. In der jüngsten Ratssitzung stellte die CDU daher den Antrag, Fahren im Schritttempo in der Fußgängerzone zu erlauben.

Beinker, einst beim ehemaligen Bau- und Entsorgungsbetrieb der Stadt zuständig für die Entwässerungs- und Kanalplanung, kann sich noch daran erinnern, wie Anfang der 1980er Jahre die Fußgängerzone in der Stadt eingerichtet wurde. Auch damals ein heiß diskutiertes Thema. Bis dahin bretterten durch Markt- und Alte Münsterstraße die Lastwagen – danach sollte der Platz den Fußgängern reserviert werden.

Fahrradverkehr spielte noch eine untergeordnete Rolle. Und Radler sollten, wie der Autoverkehr, auf eigenen Radwegen um das Zentrum herum geführt werden. „Gucken Sie mal, wie viele Räder bei Cramer und Löw stehen“, sagt Beinker, „die werden da nicht alle hingeschoben.“

Untersuchung des ADFC

CDU-Fraktionsvorsitzender Johannes Hennigfeld hat in dem Ratsantrag auf eine Untersuchung hingewiesen, die der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) in Zusammenarbeit mit dem Büro für integrierte Verkehrsplanung und Stadtentwicklung aus Kreuztal in Auftrag gegeben hat. 402 Städten in NRW wurden untersucht, in „vielen Städten und Gemeinden hat ein Umdenken zur Freigabe der Fußgängerzonen auch für den Radverkehr mit Schrittgeschwindigkeit stattgefunden“, heißt es in der Analyse.

Fußgängerzone in Ibbenbüren mit Fahrradfahrer Foto: Günter Benning

Um zu sehen, wie es läuft, reicht es aus, in Grevens Nachbarstädte zu gehen. In Emsdetten weisen Schilder am Eingang der Fußgängerzone ausdrücklich darauf hin, dass Schritttempo für Radler gilt. In Ibbenbüren können Radfahrer seit über 20 Jahren die Fußgängerzone benutzen. Wie der Technische Beigeordnete Uwe Manteuffel unlängst in einem Interview dieser Zeitung erklärte, habe es in dieser Zeit keine nennenswerte Unfälle gegeben.

„Man muss das Leben an die Realitäten anpassen“, sagt der Grevener Dietmar Beinker, „nichts gilt für ewig.“ Radler sind derzeit in der Fußgängerzone der Emsstadt von acht Uhr bis 19 Uhr nicht erwünscht. Das hindere allerdings, so Beinker, die Schüler des Augustinianums nicht daran, zu jeder Zeit durch die Alte Münsterstraße zur Schule zu fahren.

Viele Radler würden auch heute in der übrigen Fußgängerzone fahren. „Das ist kein Problem, wenn man defensiv fährt und Rücksicht nimmt“, sagt der Beinker, „dann wird es auch von den Fußgängern akzeptiert.“

Fahrradfreie Fußgängerzone in Emsdetten Foto: Günter Benning

Kleiner Schlenker zu einer Entwicklung, die durch die Alterung der Gesellschaft selbstverständlich geworden ist: In der City fahren viele Senioren mit ihren E-Scootern. Die besser motorisierten davon bringen es auf ein Tempo von 25 Stundenkilometern. Kritik daran ist bisher nicht zu hören.

Der CDU-Antrag durchläuft jetzt erst einmal die Ausschussschiene. Der Vorschlag, so Johannes Hennigfeld, sollte im neuen Radverkehrskonzept eingehen, das von der Verwaltung derzeit erarbeitet wird. Einen Zwischenbericht, erklärte Stadtpressesprecher Wolfgang Jung, wird der Verkehrsplaner Olaf Pochert am 8. Dezember im Stadtplanungsausschuss geben. Die endgültige Fertigstellung des Konzeptes ist zum Ende des ersten Quartals 2023 geplant.

Dass die Freigabe der Fußgängerzone kein Freibrief zum Rasen ist, macht Dietmar Beinker klar: „Wenn Markt ist, steigt man selbstverständlich ab.“

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