1. www.wn.de
  2. >
  3. Muensterland
  4. >
  5. Greven
  6. >
  7. „Renaturierung ist funktional, ökologisch und wirtschaftlich die beste Variante“

  8. >

Das Interview

„Renaturierung ist funktional, ökologisch und wirtschaftlich die beste Variante“

Reckenfeld

Eine grüne Lunge für Reckenfeld: Davon träumen viele, wenn die Rede auf die geplante Renaturierung des Walgenbachs kommt. Unsere Zeitung sprach mit Aloys Wilpsbäumer, Leiter der Technischen Betriebe Greven, und Klaus Rading, zuständig für Entwässerungsplanung, über das Konzept und den Stand der Dinge.

Monika Gerharz

Foto:

Durch den bebauten Teil von Reckenfeld fließt der Walgenbach über gut zwei Kilometer als eingeschnittener, schmaler Kanal. War das schon immer so?

Aloys Wilpsbäumer: Während wir im Unterlauf eine weitgehend natürliche und gute Strukturgüte haben, ist der Walgenbach westlich der Bundesstraße 481 ein rein funktionales Gewässer, das Niederschläge abführt. Wir vermuten, dass ein ursprünglich vorhandenes Gewässer beim Bau des Munitionsdepots als Vorfluter ausgebaut worden ist, um nasse Flächen zu entwässern. Aber einen hundertprozentigen Nachweis haben wir nicht.

Nun gibt es ja seit 2009 Bestrebungen, den Walgenbach naturnäher herzurichten. Wie ist der Stand der Dinge?

Wilpsbäumer: Ende 2009 hatten wir das Planfeststellungsverfahren abgeschlossen, das für die Renaturierung nötig war. Allerdings haben einige Eigentümer dagegen erfolgreich geklagt. Es wurde bemängelt, dass im Planfeststellungsbeschluss die Abwägung zwischen dem Flächenbedarf und dem öffentlichen Interesse nicht hinreichend abgewogen wurde. Da waren wir schon im Jahr 2013. Im Augenblick sind wir dabei, diesen Fehler zu heilen. Wir hoffen, dass wir bis Ende des Jahres ein gutes Stück weiter sind. Dann könnten wir uns konkret mit den Grundstücksangelegenheiten befassen.

Das bedeutet wahrscheinlich zähe Verhandlungen.

Wilpsbäumer: Es wird nicht leicht, das ist klar. Wir brauchen vier bis fünf Hektar, um unsere Maßnahmen durchzuführen. Aber einen Teil der Flächen besitzen wir bereits. Außerdem haben wir Flächen, die wir zum Tausch anbieten können, das ist besonders für die Landwirte wichtig. Unterm Strich bin ich ganz optimistisch. Wir sind uns mit den Grundstückseigentümern zwar noch nicht einig, aber wir sind uns doch erheblich näher gekommen.

Viele Reckenfelder hoffen, mit der Renaturierung des Walgenbachs ein Naherholungsgebiet zu bekommen.

Rading: Es wird am Walgenbach weder Alleen noch befestigte Wege geben. Das Gewässer und sein Umfeld sollen möglichst ungestört sein. Wir haben dort zwei Ziele: Der Ausbau soll so erfolgen, dass die Entwässerung optimal funktioniert. Durch Aufweitung des Gewässers und Abflachen der Böschungen schaffen wir Rückhaltevolumen um auch große Niederschläge sicher und Gewässerverträglich abzuleiten. Durch Uferbepflanzungen halten wir das Wasser kühl – ein großes Plus für alle Lebewesen. All dies verbessert die Strukturgüte des Gewässers entscheidend. So gesehen ist die Walgenbachrenaturierung funktional, ökologisch und wirtschaftlich die beste Variante.

Was wird der Ausbau des Walgenbachs denn insgesamt kosten?

Wilpsbäumer: Etwa zwei Milionen Euro. Übrigens: Das ist keine Spaßaufgabe. Wir sind rechtlich durch wasserrechtliche Vorgaben dazu verpflichtet. Rading: Wir müssen Lösungen für den Bestand schaffen und auch eine weitere Entwicklung berücksichtigen. Wilpsbäumer: Aber für das, was wir reinstecken, bekommen wir ganz viel. Wir sind von diesem Projekt absolut überzeugt. Nicht allein das Gewässer, auch die komplette Fauna und Flora in diesem Bereich wird profitieren. So gesehen, können der Walgenbach und seine Ufer durchaus zur grünen Lunge Reckenfelds werden bis hin zu einer Klimaverbesserung im Bereich Grüner Grund.

2010 liefen im Viertel um den Grünen Grund nach starken Regenfällen viele Keller voll. Wird sich so etwas durch den Ausbau des Walgenbachs vermeiden lassen?

Wilpsbäumer: Das war damals ein so genanntes hundertjähriges Regenereignis. Dagegen wird man sich nicht immer schützen können. Tatsache ist aber, dass schon wenige Zentimeter, die der Bach nicht anschwillt, weil er mehr Auslauf hat, viel bringen können.

Rading: Aber das macht privaten Objektschutz gegen Hochwasser- und Starkregenereignisse nicht überflüssig. Wir können Risiken nur mindern, nicht komplett verhindern.

Noch mal zur Umsetzung: Werden Sie die Renaturierung des Walgenbachs in diesem Jahrzehnt noch schaffen?

Wilpsbäumer (lacht): Gehört 2020 noch zu diesem Jahrzehnt? Aber im Ernst: Ich bin ganz Optimist.

Startseite