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Fußgängerzone

Sie fahren, wann sie wollen

Greven

Ärger in der Fußgängerzone: Lieferzeiten werden längst durch Lieferanten ignoriert. Ob Pizzadienste, Paketzusteller, Taxen – sie fahren, wann sie wollen. Und manchmal auch wie sie wollen. Elektronisch gesteuerte Poller sind kein Tabu mehr.

Ulrich Reske

Für das Foto brauchte es keine lange Wartezeit: In der Fußgängerzone herrscht mehr Verkehr als in so mancher „normalen“ Straße. Foto: Peter Beckmann

Schilder funktionieren längst nicht mehr, für Kontrollen durch die Polizei fehlen Beamte und das Ordnungsamt darf nur den „ruhenden Verkehr“ kontrollieren – sprich Grevens Fußgängerzone wird mehr und mehr zur unkontrollierten Fahrzone. Lieferzeiten werden längst durch Lieferanten ignoriert. Ob Pizzadienste, Paketzusteller, Taxen – sie fahren, wann sie wollen. Und manchmal auch wie sie wollen. Politik und Verwaltung suchten jetzt im Ausschuss für Stadtentwicklung den Schulterschluss, um die Fußgängerzone wieder zur Fußgängerzone zu machen.

Der mit großer Mehrheit gefasste Beschluss: Ein Konzept soll erarbeitet werden. Auch technische Hilfen wie elektronische Poller sind nicht ausgeschlossen. Erste Kosten-Schätzungen belaufen sich auf 2500 Euro.

Wildwest in der Fußgängerzone. „Schneller als 30 Stundenkilometer“, auch das registrierte die Verwaltung in der Marktstraße. Und bei vielen, die sich nicht an die Regeln halten, fehle einfach das Unrechtsbewusstsein. „Wir stoßen auf massives Unverständnis“, erklärte Rechtsrat Uwe Kunze. Ein interessantes Detail städtischer Beobachtungen gab Stadtplaner Christian Jakob, preis. Während männliche Paketzusteller in flottem Stil durch die Fußgängerzone fahren, „halten sich Frauen an die Schrittgeschwindigkeit“. In der Verwaltung jedenfalls herrsche Konsens, dass da etwas passieren müsse. Das sah auch die Politik fast ausnahmslos so. Einzig FDP-Ratsherr Michael Pröbsting betonte: „Mich stört das nicht,“ was ihm den Zwischenruf einbrachte: „Sie sind ja auch ein Liberaler.“

Nicht ohne „Verwendung technischer Einrichtungen“ werde man die Fußgängerzone wieder zu einer echten Fußgängerzone machen können, heißt es in einer Verwaltungsvorlage. Dass dabei auch elektronisch gesteuerte Poller eingesetzt werden könnten, erklärte SPD-Ratsfrau Ramona Stahl mit einem Blick in ihre Heimatstadt Duisburg. Dort habe man mit einem solchen System gute Erfahrungen gemacht.

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