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Der MGV Concordia und die Corona-Pandemie

Sie wollen so gerne wieder singen

Greven

Singen ist für viele Menschen ein großes Vergnügen, aber auch der MGV Concordia leidet sehr unter den Corona-Beschränkungen.

Peter Beckmann

Die Jahreskonzerte des MGV Concordia im Ballenlager sind Tradition. Ob und wann sie in Zukunft stattfinden werden steht in den Sternen. Foto: Jannis Beckermann

Es gibt viele in Greven. Das konnte man immer wieder beim Chorfestival am Emsstrand bewundern. Singen ist bei vielen Menschen ein großes Vergnügen. Aber im Moment herrscht große Pause. Man ahnt es schon: Auch Chöre leiden unter der Corona-Pandemie. Ja, man kann sagen: sie leiden ganz besonders darunter. Winfried Kwiotek, Leiter des MGV Concordia, hat sogar Angst, dass die Corona-Beschränkungen das Aus für den traditionsreichen Männerchor bedeuten könnte.

Das Coronavirus wird bekanntlich hauptsächlich durch Tröpfcheninfektion übertragen. Ein weiteres Infektionsrisiko stellen die sogenannten Aerosole dar, winzige unsichtbare Flüssigkeitströpfchen, die sich mit der Luft in Räumen verbreiten können. Und die werden beim Singen in großer Zahl verbreitet. „Deswegen haben wir auch seit Beginn der Pandemie nicht mehr geprobt“, erzählt Kwiotek

Aber er weiß auch, dass vielen Chormitgliedern eben dies sehr stark fehlt. „Ich habe Anrufe und Mails von Sängern bekommen, die wirklich sehr stark unter dieser Zeit ohne Proben leiden“, erzählt der Chorleiter, der von 1975 bis zum Jahr 2000 den MGV Concordia leitete und vor zwei Jahren Alexandros Tsihlis als Dirigent wieder ablöste.

Und dafür hat Kwiotek großes Verständnis. „Dieser Chor ist natürlich auch eine soziale Gemeinschaft, die seit 40, 50 Jahren zusammen ist. Das fehlt vielen Sängern natürlich.“

In Hörstel, wo Kwiotek den Partnerchor des MGV ebenfalls leitet, hat er inzwischen wieder mit Proben begonnen. „Die Sänger dort sind im Schnitt aber auch deutlich jünger“, erklärt er. Aber trotz allem finden diese Proben dort auch nur mit höchstens zehn Sängern zusammen statt. „Die müssen mindestens zwei Meter Abstand zueinander haben und vier Meter Abstand zu mir“, verdeutlicht Kwiotek und antwortet auf die Frage, ob die Sänger sich unter diesen Bedingungen gegenseitig noch alle höhren mit ein wenig Ironie. „Das wüsste ich auch gerne.“

Dass die Restriktionen bei Chorproben kein Bangemachen ist, zeigte sich im April. Anfang April wurde bekannt, dass sich mehr als die Hälfte der Mitglieder des Berliner Domchors bei einer Probe angesteckt hatten.

Und das könnte gerade beim MGV Concordia böse Folgen haben. „Die Sänger gehören alle der Risiko-Gruppe an. Das Durchschnittsalter dürfte inzwischen über 70 Jahren liegen.“ Da würden sicherlich auch der ein oder andere Sänger aus Angst lieber auf Proben verzichten.

Und trotzdem: „Ich möchte ganz langsam wieder mit Proben beginnen“, sagt Kwiotek. Und wenn es nur fünf Männer werden, die gleichzeitig singen. „Es wäre ganz wichtig für das Gemeinschaftsgefühl, damit eben die Chor-Gemeinschaft wieder wachsen kann.“ Dafür müssten aber noch Räumlichkeiten gefunden werden. „Der Wirt unseres Vereinslokales, in dem wir übrigens in diesem Jahr seit 100 Jahren proben, muss natürlich auch die Abstandsregeln einhalten und benötigt dafür auch Platz“, erklärt Kwiotek.

Und natürlich wären Proben in Corona-Zeiten nicht nur allein wegen der Zahl der Sänger ganz anders. Der Deutsche Chorverband empfiehlt neben den allgemeinen Hygieneregeln wie Hände waschen, desinfizieren und die Husten- und Nies-Etikette das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes während der Probe, einen Abstand von zwei Metern pro Sänger in jede Richtung und regelmäßiges Lüften. „Singen mit Mundschutz – das geht gar nicht“, sagt dagegen Kwiotek.

Aber ihm ist auch klar, dass Vieles anders gemacht werden muss. „Das Einsingen muss natürlich anders vonstatten gehen.“ Die „Spukübungen“, wie er sie nennt, seien natürlich nicht angebracht.

Grundsätzlich habe er schon mit dem Vorstand gesprochen und über ein Treffen ohne Proben nachgedacht. „Die sozialen Kontakte stehen in dieser Zeit doch im Vordergrund.“ Er hofft trotz allem, dass im September die Proben langsam wieder beginnen können. „Konzerte wird es in diesem Jahr sicherlich noch nicht geben.“

Aber überhaupt: Die Angst davor, dass der Chor auseinanderbricht, ist groß. „Ich möchte, dass wir das 150-jährige Bestehen des MGV Concordia in fünf Jahren noch gemeinsam erleben.“

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