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Im Heißluftballon über den FMO

So langsam wie der Wind

Greven

Mit dem Ballon einmal über den FMO. Das kann lange dauern, stellte unser Mitarbeiter fest. Aber schön war‘s doch.

Von Luca Pals

Am Wochenende findet die „Jobmesse“ am FMO statt. Die Jungs aus Lienen machten schon am vergangenen Dienstag mit ihrem ersten Flug am Flughafen auf das Event aufmerksam. Foto: Luca Pals

Jan-Philipp Beckmann zieht einmal kräftig an der roten Schnur: „Jetzt gehts abwärts.“ Mit drei Metern pro Sekunde folgt der Sinkflug. Die Start- und Landebahn des Flughafens lassen wir hinter uns, fast schwerelos schwebt der Heißluftballon über den Zaun, das angrenzende Feld ist unser Landeplatz – hier endet der Flug, pardon: die Fahrt. Nach der ersten Reise im Heißluftballon gab`s die traditionelle Taufe und die Info: Ein Heißluftballon fährt, er fliegt nicht.

Das Know-How und die passende Technik hat an diesem diesigen Nachmittag Jan-Philipp Beckmann aus Lienen: „Mit dem Heißluftballon fahren wird nie langweilig“, sagt der Profi, der schon 600 mal als Pilot in der Luft war. Seine Einstellung teilt Thore Gößmann: „Dieses Gefühl von Freiheit gibt es nur beim Heißluftballon fahren.“

Im Heißluftballonland

Gemeinsam mit den beiden ging es hoch in die Luft – mit fünf Stundenkilometern einmal über den FMO. Beim Auf- und Abbau am Boden hilft Vater Rolf Beckmann, der selber zwar keinen Pilotenschein hat, die Leidenschaft seines Sohnes aber voll und ganz teilt. Da sind die Fahrten über Münster, das Treffen der Szene im „Heißluftballonland“, dem Tecklenburger Land und so mancher Ausflug über den Schwarzwald.

Leise, sanft und beinahe ohne zu Ruckeln hebt der Ballon, der etwa 2.600 Kubikmeter Luft aufnehmen kann und circa 26 Meter lang ist, kurze Zeit später ab: „Das ist ja fantastisch“, ist die erste Reaktion von Passagierin Ursula Berlage. Es ist ihre erste Fahrt. Höhenangst hat sie nicht. Flughafen, Autos und umliegende Felder werden schnell ganz klein.

Zwar zickt an diesem Tag das Wetter ein wenig, die Konturen von Greven und Ladbergen lassen sich aber schnell erkennen. Ohne Probleme ist ein Blick auf den Dortmund-Ems-Kanal und die nahe gelegene Autobahn möglich. Und der Flughafen?

Von dem kommen unsere Anweisungen. Im Vorfeld bekam Beckmann die Starterlaubnis: „20 Minuten. Dann kommt die Lufthansa“, lautet die Ansage aus dem Tower: „Klar und verständlich.“ Bei 200 Höhenmetern ist Schluss, das genaue Ziel wusste Beckmann beim Start noch nicht, jetzt macht er den nächstbesten Acker dafür aus.

Fahrtverfolger per Transponder

Per Transponder kann sein Vater den Flug verfolgen, über Funk. Das ruckelfreie Fahren und die wunderbare Aussicht sind sogar mit einem kleinen Gespräch verknüpfbar: „2007 habe ich meine praktische Prüfung gemacht, seit 2008 gibt es uns als ‚Ballonteam Beckmann‘ in Lienen“, erzählt Jan-Philipp – auf Nachnamen können wir jetzt verzichten: In der Luft wird jeder geduzt.“

Das einzige, was jetzt unterbricht, sind die Flammen, die die heiße Luft in den Ballon über uns strömen lassen: 75 Grad am Boden, 100 Grad in der Luft – trotz ungemütlichem Herbstwetter wird es uns ganz warm im kleinen Korb.

Dieser ist für Pilot plus vier Mitfahrer ausgelegt. Mit an Bord ist Thore Gößmann, beide sind Ballon-Fans seit Kindheitsbeinen: „Wir sind mit der Familie früher schon den Ballons hinterhergefahren. Das Tecklenburger Land bietet sich da ja an“, erinnert sich Jan-Philipp. Thore kommt aus Warstein aus dem Sauerland, studiert Medizin in Münster und hat seinen Pilotenschein für den Heißluftballon im Sommer gemacht: „Das war nicht ganz so billig“, grinst er.

Zwei Startpunkte

Fahrten bieten die Beckmanns an zwei Startpunkten – einmal zwischen Lengerich und Lienen und einmal bei Osnabrück – an, insgesamt besitzt Jan-Philipp fünf Ballons.

Für die Jobmesse, die an diesem Wochenende am Flughafen stattfindet wurde natürlich der passende Werbepartner platziert.

Eine Frage bleibt aber noch: Warum wird mit dem Ballon gefahren und nicht geflogen? Jan-Philipp: „Als die ersten Ballonpioniere starteten, waren die einzigen in der Luft die Vögel – und die fliegen.“ Deswegen wird gefahren.

Wieder was dazugelernt – und eine Urkunde gibt es für uns auch noch, die dazugehörige Taufe folgt auf den Fuß: Ein bisschen Gras von Mutter Erde auf den Kopf, ein Haar mit dem Feuerzeug wegbrennen und mit dem Sekt wird gelöscht – jetzt sind wir wirklich im Club der Ballonfahrer aufgenommen.

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