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Kampf mit Krankenkasse

Spender bezahlt Efraims Kommunikationscomputer

Reckenfeld

Große Freude bei Familie Lachowski. Am Dienstag noch war der Ärger groß, dass ihre Krankenkasse sich weigerte, einen Spezialcomputer für den schwerbehinderten Sohn Efraim bereitzustellen. Nun fand sich ein Spender, der 10 000 Euro gibt. Die Familie ist „total happy“.

Oliver Hengst

Haben allen Grund zur Freude: Erfraim Lachowski (vorne) und seine Familie. Ein Spender finanziert einen Spezialcomputer für Efraim. Foto: Oliver Hengst

Das ging jetzt schnell. Der neunjährige Efraim Lachowski, über den wir erst vor zwei Tagen berichtet haben, und seine Familie haben allen Grund zur Freude: Efraim bekommt seinen Kommunikationscomputer.

Nicht, weil die Krankenkasse eingelenkt hätte. Stattdessen stellt ein Spender die notwendige Summe zur Verfügung. „Auf unserem Konto liegen 10 000 Euro, per Blitzüberweisung“, freut sich Marita Dirks-Kortemeyer von der Lebenshilfe, die die Familie bei ihrer schon zwei Jahr dauernden Auseinandersetzung mit der Krankenkasse unterstützt. Die Kasse hat sich bislang geweigert, dem schwerbehinderten Jungen das gewünschte Gerät zur Verfügung zu stellen.

Zwei Jahre Streit mit der Krankenkasse

Nach der Berichterstattung in dieser Zeitung meldeten sich einige Leser, die helfen wollten, entweder direkt bei der Familie, bei der Lebenshilfe oder auch in der Redaktion. Besonders schnell und entschlussfreudig: das Unternehmen „Engel & Völkers“ aus Münster, das die benötigte Summe komplett zur Verfügung stellt.

Nun kann die Familie Lachowski, die bereits seit zwei Jahren mit der Krankenkasse „Securvita“ über die Finanzierung streitet, das Gerät selbst anschaffen. Die Familie erlebe, so schildert es Marita Dirks-Kortemeyer, ein Wechselbad der Gefühle. Zum einen sei sie enttäuscht über die nochmalige negative Antwort der Kasse, zum anderen natürlich begeistert, dass sie den Computer für Efraim nun doch bekomme. Unter dem Strich seien nun alle „natürlich total happy“.

„Wir sind sprachlos und unendlich dankbar“, bestätigt Kornelia Lachowski, Efraims Mutter. „Die Kinder freuen sich allesamt und Fimo natürlich auch.“ Fimo ist Efraims Spitzname. „Fimo hat viel gelacht gestern, als er das gehört hat, und ich denke er war auch etwas stolz“, sagt sie.

Familie kann Gerät für Efraim nun selbst kaufen

Dass die Familie mit der nun möglichen Anschaffung des Gerätes auch Folgekosten für die Wartung und ähnliches selbst tragen muss, dürfte angesichts der Freude erstmal in den Hintergrund treten.

Der Streit um die Finanzierung des Gerätes beschäftigt derweil auch das Sozialgericht. Ob dieses Verfahren nun durch die neue Entwicklung tangiert wird, ist noch offen. Dass ein Spender die Anschaffung ermöglicht, heißt für Marita Dirks-Kortemeyer nämlich nicht, „dass die Kasse aus der Verpflichtung genommen wird“. Man rate der Familie daher, weiter zu agieren und den Widersprich gegen den Ablehnungsbescheid weiter zu verfolgen. Wie sich die Familie in dieser Frage entscheidet ist noch offen. Es dürfe laut Dirks-Kortemeyer nicht die Regel werden, dass sich Kassen weigerten, den Versicherten Hilfsmittel, die den Menschen zustehen, zu bewilligen und die Familien dann in ihrer großen Not den Weg an die Öffentlichkeit gehen müssten, um ihrem Anliegen Nachdruck zu verleihen.

Markus Baumgarte, Geschäftsführender Gesellschafter von „Engel & Völkers“

Markus Baumgarte, Geschäftsführender Gesellschafter von „Engel & Völkers“ war via Facebook über die Berichterstattung unserer Zeitung gestolpert und so auf das Schicksal des neunjährigen Efraim aufmerksam geworden. Von der Not der Familie zu lesen sei „schwer zu ertragen“ gewesen, sagt er, der selbst Familienvater ist. „Und dann habe ich gesagt: Da müssen wir etwas tun.“ Rasch war der Kontakt zur Lebenshilfe geknüpft. Und der Rest ist bekannt . . .

Das in der Immobilienbranche tätige Unternehmen mit Sitz in Münster engagiert sich über den Verein „Engel & Völkers Charity“ in vielfacher Weise und hat laut Baumgarte bereits über 300 000 Euro für den guten Zweck zusammengetragen.

Spezieller Computer mit Augenscanner

Familie Lachowski aus Reckenfeld hatte sich wie berichtet an unsere Redaktion gewandt in der Hoffnung, dass ein Bericht über Efraims Schicksal die Krankenkasse zum Einlenken bewegen möge. Der heute neunjährige Junge hatte durch einen Herzinfarkt und den folgenden Sauerstoffmangel schwere Schäden davongetragen, sich aber vieles wieder erkämpft. Größtes Hindernis ist nach wie vor die eingeschränkte Kommunikation. Hier soll ein spezieller Computer mit Augenscanner helfen, Dinge zum Ausdruck zu bringen, die Efraim ohne Hilfe nicht artikulieren kann. Das Gerät kostet rund 9500 Euro, die Kasse „Securvita“ hat sich fußend auf einem Gutachten des Medizinischen Dienstes bislang geweigert, die Kosten zu übernehmen, weil Efraim nicht zugetraut wird, das komplexe Gerät nutzen zu können. Seine Eltern jedoch trauen Efraim das sehr wohl zu – und sie wissen Efraims Lehrer und Therapeuten auf ihrer Seite.

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