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Ignaz Netzer und Thomas Scheytt in der Kulturschmiede

„Südstaatler“ brillieren trotz „Flügelkämpfen“

Greven

Altmeister des Blues waren in der Kulturschmiede zu Gast. Das Publikum war begeistert – trotz einiger „Flügelkämpfe“.

Axel Engels

Der Flügel in der Kulturschmiede machte es Thomas Scheytt nicht immer leicht. Ignaz Netzer (Gitarre und Gesang) ist jedoch unzweifelhaft ein „Großmeister des Blues“. Foto: Axel Engels

Vor sechs Jahren waren Ignaz Netzer und Thomas Scheytt schon einmal bei der KI, wussten mit erdigem Blues und rasantem Boogie-Woogie die Besucher zu begeistern. Am Samstag kamen die beiden sympathischen Musiker nun wieder in die Kulturschmiede, bereiteten den knapp 50 Besuchern einen überaus unterhaltsamen Abend mit ihrer Mischung aus Blues der 20er bis 40er Jahre, rasanten Boogie-Woogie-Standards und Eigenkompositionen wie dem kultverdächtigen „Ticino Boogie“.

Das Repertoire der beiden Künstler hat sich offenbar nicht sehr geändert. Den „Good morning Blues“ sowie den rein instrumentalen „Moppel-Poppel Boogie Woogie“ kannte man, allerdings war der Dialog zwischen den beiden Musikern dabei nicht immer stimmig. Thomas Scheytt musste sich damals noch mit einem Roland-E-Piano begnügen, nun musste er seine Kunstfertigkeit auf einem Bechstein-Flügel beweisen. Der Flügel im Ballenlager macht es Pianisten nicht leicht, bei ihm muss man hart um Klangfarben und kraftvollen Ton arbeiten. Technische Brillanz und Virtuosität zeigte er immer dann, wenn er im direkten Kontakt mit dem Publikum die Stimmung anheizen wollte. Bei den introvertierten Blues-Balladen allerdings hätte man sich eine differenzierte Spielweise gewünscht.

Die in der Ankündigung verwendete Bezeichnung „Großmeister des Blues“ trifft auf Ignaz Netzer sicherlich zu. Mit seiner rauchig-warm timbrierten Stimme und seinem einfühlsamen Gitarrenspiel wusste er jedem Song ein ganz individuelles Gewand zu verleihen. Beim erdigen „How long Blues“ von Pinetop Perkins fühlte man sich wie in einem Blues-Club Chicagos aus der Zeit von Al Capone. Für Rasanz und Spritzigkeit hatte das Duo „The Midnight Special“ von Creedence Clearwater Revival und „Let the good times roll“ mitgebracht, bei denen das Publikum begeistert mitmachte.

Erst nach einem unter die Haut gehenden alten Gospel „Will the circle be unbroken“ als Zugabe entließ das Publikum die Künstler aus den schwäbischen Südstaaten.

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