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Masterfoam an der Gutenbergstraße

Unbekannte Marke, die jeder kennt

Greven

Der Markenname Masterfoam ist den Verbrauchern nicht geläufig, trotzdem nutzt jeder von uns fast täglich eines der Produkte.

Pia Weinekötter

Von Greven aus führt Udo Storck das internationale Unternehmen Masterfoam der schaumstoffverarbeitenden Industrie mit 110 Mitarbeitern,14 Millionen Umsatz und drei ausländischen Produktionsstandorten. Foto: Pia Weinekötter

Eine Gemeinsamkeit besteht zwischen der Masterfoam-Zentrale in Greven und den Masterfoam-Produkten: auf den ersten Blick kommen beide eher zurückhaltend daher. Das Firmenschild an der Gutenbergstraße 19 ist eines von vielen an dem Gebäude. Da lohnt der zweite Blick: von hier aus führt Udo Storck nämlich ein internationales Unternehmen mit 110 Mitarbeitern, 14 Millionen Euro Umsatz und drei ausländischen Produktionsstandorten: „In unserem Markt gehören wir zu den Marktführern.“

Bei den Masterfoam-Produkten ist es ähnlich. Auch hier braucht es den zweiten Blick: Der Markenname ist den Verbrauchern nicht geläufig, trotzdem nutzt jeder von uns fast täglich eines der Produkte. Das Rätsel lässt sich durch einen Blick ins Auto lösen. „In einem Cockpit können beispielsweise bis zu neun Masterfoam-Komponenten aus Vliesstoffen, Elastomeren oder Schaumkunststoffen verbaut werden. Hierbei geht es um Dichtungen, Akustik-Absorber oder Komfortelemente“, erklärt der geschäftsführende Gesellschafter Udo Storck. Auch in den Seitenverkleidungen und in den Kopfstützen kann man auf Masterfoam-Produkte stoßen – fast in jedem Fahrzeug, jedoch hauptsächlich im Premium-Bereich z.B. Mercedes, BMW, Audi, Volkswagen, Volvo, Jaguar, Landrover“, betont Storck und ergänzt, „Im Automotive-Markt sind wir als Spezialisten für die individuelle Problemlösung zwischen Großkonzernen zuständig.“

Auf der Lieferanten-Seite werden die Rohstoffe bei großen Konzernen eingekauft - „Schäume als Blockware und Vliese als Rollenware“ – und in den Masterfoam-Werken weiterverarbeitet. „Wir stanzen, schneiden, fräsen, bedrucken, verschweißen, verprägen und verwenden mehr als 200 verschiedenen Ausgangsmaterialien. Im Bereich der Automobilzulieferindustrie liefern wir primär an die Tier 1-Zulieferer, die ganze Module taktgenau die Fertigungsbänder der Automobilhersteller liefern.“

Die Standorte der beiden Produktionsstätten in Rumänien und Mexiko wurden strategisch ausgewählt: „Wir sind da, wo unsere Kunden unsere Produkte benötigen – wir folgen also der Automobil-Industrie“, erläutert Storck, „und da unsere Produkte sehr voluminös sind, sind lange Transportwege weniger profitabel, das schützt uns auch vor Konkurrenz aus China.“

Man merkt dem 50-Jährigen seine Begeisterung für die Automobil-Branche deutlich an. Bereits früh in seiner beruflichen Laufbahn stellte der Betriebswirt aus Ostwestfalen mit den Wurzeln in der Schaumstoffverarbeitenden Industrie, dessen Verbandssprecher er heute ist, seine Weichen für den Automotive-Markt. Und als er sich mit knapp 40 die Frage nach der beruflichen Richtung stellte, war schnell klar: Automotive und Selbstständigkeit. 2008 stieg er in das 1964 im niederländischen Ootmarsum gegründete Unternehmen Masterfoam mit seinen damals 50 Mitarbeitern ein und übernahm es 2011 im Rahmen eines Management-buy-in gemeinsam mit weiteren Gesellschaftern. Durch den Aufbau eines Werkes in Rumänien und Zukauf in Mexiko und sowie eigene Entwicklungen im Produktbereich expandierte Masterfoam weiter, und sicherte sich neue Absatzmärkte. Während in den Niederlanden weiterhin hochwertige Verpackungen aus PE-Schaumstoff beispielsweise für den Transport empfindlicher Technik von Apple und Samsung hergestellt werden, konzentrieren sich die beiden anderen Werke auf den Automobil-Sektor.

Die Entscheidung, Greven zum deutschen Firmensitz zu machen, fällte der Familienvater sowohl aufgrund der guten logistischen Anbindung „per Auto nach Ootmarsum und per Flugzeug nach Rumänien und Mexiko“, als auch wegen des Wohlfühlfaktors „Greven hat uns gleich gut gefallen.“

Auch wenn im Corona-Jahr die Umsatzerwartungen zurückhaltend sind – „Wir rechnen mit etwa 20 Prozent Einbußen“ – so stehen die Zeichen bei Masterfoam dennoch weiter auf Expansion: „Wir sind im Akquise-Modus: wir haben einen spanischen Produktionsstandort im Blick und in Mexiko setzen wir weiterhin auf Wachstum durch Zukauf.“

Es verbirgt sich also eine ganze Menge mehr als nur Schaumstoff hinter dem Grevener Firmenschild.

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