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Gesamtschul-Eltern zur Anmelde-Debatte

Untertöne stießen sauer auf

Greven

Dass Stadt und Politik sich einigten, im Sommer eine sechste Eingangsklasse am Grevener Gymnasium zu bilden, ist aus Sicht einiger Gesamtschul-Eltern der falsche Weg.

Oliver Hengst

Sind von der Gesamtschule absolut überzeugt und verärgert über manche geringschätzende Äußerung (von links): Anne Bußmann, Katrin Siemon und Ulrich Gausling. Foto: Oliver Hengst

Mit so manchem Unterton waren sie gar nicht zufrieden. Und letztlich auch nicht mit der Entscheidung, die getroffen wurde. Dass Stadt und Politik sich einigten, im Sommer eine sechste Eingangsklasse am Grevener Gymnasium zu bilden, ist aus Sicht einiger Gesamtschul-Eltern der falsche Weg. „Wir hätten uns eine konsequentere Politik gewünscht“, sagt Katrin Siemon. Dass für das Gymnasium eine Ausnahme gemacht werde, sei nicht zu verstehen. Aus Gründen der Gleichbehandlung hätte es auch für Ulrich Gausling bei der Deckelung der Plätze (150) am Gymnasium bleiben müssen. Denn eine Höchstgrenze an Plätzen gebe es auch für die Gesamtschule (und die AFR). Und an der Gesamtschule habe auch schon mittels Losverfahren entschieden werden müssen, wer einen Platz bekommt und wer nicht. Dass die Eltern, die ihre Kinder am Gymnasium sehen, ein solches Losverfahren für ihre Kinder nun als ungerecht empfunden hätten, sei nicht nachvollziehbar.

Damit keine Missverständnisse aufkommen: „Ich kann die Eltern verstehen, die um einen Platz für ihr Kind kämpfen“, sagt Gausling. „Natürlich“ sei es auch vollkommen okay, wenn sich Eltern zusammen mit ihren Kindern ganz bewusst fürs Gymnasium entscheiden, ergänzt Anne Bußmann. An der Entscheidung fürs Gymnasium und damit gegen eine andere Schule sei nichts auszusetzen. Es gebe Kinder, für die das Gymnasium ganz eindeutig die richtige Schule sei. Dass Eltern das Gymnasium für eine gute Schule halten und sie auch positiv darstellen, sei legitim. Das stellen die drei Elternvertreter, allesamt Mitglied der Schulpflegschaft, gar nicht in Frage.

Aber: So manche auch in Leserbriefen geäußerte Meinung über andere Schulen, namentlich die Gesamtschule, hat die Eltern dann doch sehr getroffen. Kam doch – mal unterschwellig, mal ganz offen – eine negative Sicht auf die Gesamtschule und das dortige Angebot zum Ausdruck. Wenn etwa geäußert worden sei, dass Kinder dreieinhalb Jahre Gas gegeben hätten und nun im Falle einer Ablehnung am Gymnasium um den Lohn der Arbeit gebracht würden, sei dies eine Geringschätzung der Gesamtschule, die die Eltern nicht unwidersprochen stehen lassen wollen. „Auch an der Gesamtschule wird ein Zentral-Abitur geschrieben. Das ist genau so viel wert“, sagt Anne Bußmann. An der Gesamtschule habe jeder in seinem Tempo die Möglichkeit, dieses Ziel zu erreichen. Genau das sei das besondere. Jeder werde gefordert und gefördert und da abgeholt, wo er oder sie stehe. Und das gelte natürlich auch für die leistungsstarken „Überflieger“.

„Wir haben das zum Teil schon als offene Diskriminierung empfunden“, sagt Ulrich Gausling zu einigen Leserbrief-Passagen. Unter anderem jene, dass die Kinder ja „aus gutem Grund eine Gymnasial-Empfehlung erhalten“ hätten. Diese Empfehlung aber meine nicht zwangsläufig Gymnasium, es gebe schließlich auch an der Gesamtschule die Möglichkeit, eine Oberstufe nach gymnasialem Standard zu besuchen. Auch Absolventen der Realschule stehe dieser Wege im Übrigen offen. „Es gab Dinge, die uns total aufgestoßen sind und die wir für unangemessen halten“, betont Gausling.

Auch die Behauptung, dass die 27 Kinder, denen am Gymnasium eine Ablehnung drohte, dann allesamt an auswärtige Gymnasien abgewandert wären, hält er nicht für glaubhaft. „Wir kennen auch viele, die gesagt haben: dann eben die Gesamtschule.“ Und das, ohne dies als schlechte Wahl zu empfinden. „Das Abi ist gleich, der Weg ist ein anderer. Wo ist das Problem?“, sagt Anne Bußmann. Sie habe die Entscheidung für die Nelson-Mandela-Gesamtschule jedenfalls „noch keinen Tag bereut“. Ihre Tochter blühe dort richtig auf.

Und auf solche positiven Dinge wollen sich die Gesamtschul-Eltern künftig konzentrieren: transparent darüber informieren, was die Gesamtschule sei und was sie könne. Vielleicht fehle es Eltern hier und da einfach am nötigen Wissen, um sich ein fundiertes Urteil über die Gesamtschule bilden zu können. Für die nächste Anmeldephase haben sich die Eltern jedenfalls schon einiges vorgenommen.

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