1. www.wn.de
  2. >
  3. Muensterland
  4. >
  5. Greven
  6. >
  7. Weniger Höhe und mehr Licht

  8. >

Politik beschließt nochmals geänderten Entwurf für die Reckenfelder Ortsmitte

Weniger Höhe und mehr Licht

Reckenfeld

Einen guten Kompromiss zu finden ist eine Kunst. Insofern war die Ausschusssitzung zur Ortsmitte Reckenfeld ein Lehrstück. Am Ende verständigte man sich auf wenige, aber entscheidende Änderungen.

Oliver Hengst

Diese Änderungen wurden am Donnerstag beschlossen: An der Emsdettener Straße darf dreieinhalbgeschossig gebaut werden, die drei rot markierten Mehrfamilienhäuser werden jedoch nur zweieinhalbgeschossig. Das blau markierte Foto: Oliver Hengst

Es gab nicht wenige, die darauf gewettet hätten, dass gar kein Beschluss fällt. Dass das Thema verschoben wird. Doch Pustekuchen. Der Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt und der Bezirksausschuss Reckenfeld machten in einer gemeinsamen Sitzung Nägel mit Köpfen.

So wurde am Donnerstag der Bebauungsplan für die Ortsmitte (ehemals SCR) auf den Weg gebracht. Mit kleinen, aber entscheidenden Veränderungen. Kompromiss nennt man so etwas. Eine hohe Kunst. Einstimmig gaben beide Ausschüsse grünes Licht. Eine engagierte, aber sachliche Debatte war vorausgegangen.

Die beiden Änderungen, die letztlich alle zustimmen ließen: Bei drei Mehrfamilienhäusern in zweiter Reihe wird die Höhe auf zweieinhalb Geschosse begrenzt, um einen sanfteren Übergang zu den benachbarten Einfamilienhäusern zu schaffen und zudem eine Verschattung eben dieser Häuser zu vermeiden. Zum anderen wird ein Wohn- und Geschäftshaus in ein reines Wohnhaus umgewandelt. So soll die Zahl der Wohneinheiten gleich bleiben oder zumindest nicht sinken.

Zugleich wurde deutlich: Die Stadt hat nicht vor, die Fläche an einen Investor abzutreten. „Es wäre nicht gut für die Stadt, die Grundstücke aus der Hand zu geben“, sagte Bürgermeister Peter Vennemeyer. Für zahlreiche Ausschussmitglieder steht fest: Die neu zu gründende städtische Wohnbaugesellschaft soll sich um die Vermarktung kümmern.

Mitglieder des Reckenfelder Bürgervereins (ReBüVe) nutzen die Fragestunde, um auf ihre Sorgen und Anliegen aufmerksam zu machen. Gabi Heinrich etwa rechnete vor, dass sich im zweiten Entwurf das Verhältnis von Wohneinheiten in Mehrfamilienhäusern zu Einfamilienhäusern von ehedem 1,2:1 auf 3:1 geändert habe. Jürgen Otto bekannte: „Wir wollen nichts aufhalten, aber wir wollen einen vernünftigen Kompromiss.“ Der zweite Vorsitzende des ReBüVe, Christian Erdmann, gab an: „Wir sind auf keinen Fall gegen viel Wohnraum.“ Aber man wünsche sich eine gute Wohnqualität.

Alles drehte sich um die Frage: Wie viel Geschosswohnungsbau und wie viel Einfamilienhäuser sind sinnvoll? Vennemeyer verwies darauf, dass vergleichsweise wenig Fläche versiegelt werde, wenn man in die Höhe baue. Eine Argumentation, der sich Wolfgang Klaus (SPD) anschloss. Der Flächen-Mehrverbrauch von Einfamilienhäusern sei „nicht zeitgemäß und nicht vertretbar“. Auch Peter Borggreve (Grüne) mahnte, man solle „den Ortskern nicht verschwenden für Einfamilienhäuser“. Anika Stöcker (CDU) hingegen warb dafür, Familien mit Eigenheimwunsch nicht durchs Raster fallen zu lassen. „Die finden nichts. Keiner findet im Moment Wohnraum.“ Umso wichtiger schien es, eine geplante Ladenzeile aufzugeben. „Wird die benötigt? Eher nicht. Dann sollten wir sie da auch nicht bauen“, warb Wilfried Roth (FDP). Christian Kriegeskotte (SPD), wünscht sich im Viertel viele Wohnungen für ältere Menschen. Dadurch würden auch Häuser in den Blöcken frei. Hinnerk Willenbrink, frisch bestellter Fachbereichsleiter Stadtplanung, nahm all dies auf und schlug vor, die erwähnten Plan-Änderungen vorzunehmen. Mit Erfolg: zweimal einstimmig. „Historisch“, nannte das Andreas Hajek (CDU).

Startseite